Chronik | Österreich
29.08.2017

Spendenaffäre bei Kaiserjägermusik: Kassier wegen Untreue angeklagt

275.000 Euro soll der Mann unterschlagen und zum Teil an die Traditionskapelle "gespendet" haben.

Bis heute berichtet die Original Tiroler Kaiserjägermusik auf ihrer Homepage voller Stolz von einer Reise zu einem Militärmusikfestival in Moskau im Sommer vor genau einem Jahr. Vereinsobmann und Kapellmeister Hannes Apfolterer erzählt alles andere als uneitel, dass bei den Auftritten auf dem Roten Platz gleich mehrfach eine seiner Kompositionen gespielt wurde.

Der Traditionskapelle und ihrem Obmann hat die Fahrt nach Moskau letztlich ein mehr negatives denn positives Image beschert. Eine Spendenaffäre rund um den Trip hat Apfolterer und den Vereinskassier ins Visier der Justiz gebracht. Während die Staatsanwaltschaft Innsbruck vergangene Woche die Ermittlungen gegen den Obmann eingestellt hat, wurde der Kassier nun wegen Untreue angeklagt.

Geständnis

Der Beschuldigte ist geständig, seit 2014 als Buchhalter einer Elektrofirma mehr als 250.000 Euro bei seinem Arbeitgeber abgezweigt zu haben. Außerdem hat er falsch deklarierte Zahlungen über 24.130 Euro zur Finanzierung der Moskaureise des Vereins auf Konten der Kaiserjägermusik veranlasst.

Dass die Überweisungen mit dubiosen Zahlungsvermerken versehen waren, kam der Vorstandssekretärin des Vereins – einer ehemaligen Bankerin – bereits im Februar verdächtig vor. Bei Obmann und Vorstand stieß sie mit ihrer verbrieften Warnung über mögliche "Ungereimtheiten" aber auf taube Ohren. Als die Causa publik wurde, ortete Apfolterer, wie berichtet, viel mehr eine "Schmutzkübelkampagne". Der Arbeitgeber des Vereinskassiers wunderte sich hingegen über die vermeintlichen Spenden von seinem Konto und entließ den nun angeklagten Mitarbeiter fristlos. Die Affäre kam ins Rollen und endet bald vor Gericht.

Die Frage, inwiefern der Obmann der Kaiserjägermusik von den Malversationen wusste, brachte zunächst auch ihn unter Verdacht. Die Staatsanwaltschaft glaubte jedoch Apfolterers Version, wonach er nichts von der Unrechtmäßigkeit der "Spenden" wusste, sondern vom Kassier getäuscht wurde.

"Äußerste Diskretion"

Der Kassier habe Apfolterer die verschleierten Zahlungen damit erklärt, "dass der Sponsor nicht als Sponsor aufscheinen wolle und äußerste Diskretion wünsche", erklärte Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Anklage gegen den Vereinskassier und Ex-Buchhalter der Elektrofirma ist noch nicht rechtskräftig. Dem Mann droht eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren.

Für die Tiroler Kaiserjägermusik endet die Moskau-Reise ein Jahr nach den Auftritten am Roten Platz mit einem Image-Desaster. Auf der Vereins-Homepage wird sie weiter als PR-Coup gefeiert.