Chronik | Österreich
16.07.2017

Social-Media-Stars zwischen Realität und Internet-Blase

Mit Fotos, Videos und Blogs das Leben finanzieren: Immer mehr junge Menschen nutzen Social Media zur Selbstdarstellung.

Wir sind online. Und daran wird sich so schnell nichts ändern. An den Chancen, Problemen und Weiten des World Wide Web werden sich also auch in Zukunft die Geister scheiden. Auf der einen Seite stehen die Skeptiker, die der „guten alten Zeit“ mit dem Kugelschreiber hinterherseufzen. Auf der anderen die bedingungslosen Optimisten, die die Digitalisierung als Heilsbringer feiern. Pro und Kontra. Ying und Yang.

Dabei ist eines klar: Das Leben der heutigen Jugend unterscheidet sich drastisch von dem ihrer Eltern. Nahezu jedes Essen wird fotografiert und in den sozialen Medien geteilt. Musik, Filme werden gestreamt – und wer telefoniert noch, wenn er „whatsappen“ kann?!

Auch die Idole sind andere: Berühmt wurden sie nicht durch kreative Geistesblitze – sondern durch leichte Unterhaltung. Was in den 60ern die Beatles waren, sind heute YouTuberinnen mit Schmink-Tutorials und Alltagsvideos, sind Blogger mit Fashiontipps oder Techniktricks.

Der Kurier hat mit zwei heimischen Aushängeschildern _ der Bloggerin DariaDaria und dem YouTuber Michael Buchinger - gesprochen. Das Interview mit YouTuber Michael Buchinger finden Sie hier.

Mehr als nur Fashiontipps: "Bloggen ist harte Arbeit"

Als Madeleine Alizadeh 2010 ihren ersten Blogeintrag als DariaDaria verfasste, hätte sie nie damit gerechnet, was sich daraus entwickeln würde: Nicht nur, dass die Wienerin heute mit ihren Einträgen über nachhaltige Modelabels, umweltfreundliche Reisen oder auch über den Klimawandel ihren Lebensunterhalt finanzieren kann. Mit einer Viertelmillion Menschen, die monatlich ihre Webseite besuchen, und mit 121.000 Followern auf Instagram zählt die 28-Jährige zu Österreichs erfolgreichsten Bloggerinnen.

Auf Instagram, Facebook oder ihrer Homepage berichtete sie unlängst etwa von ihrer Pilgerreise durch Österreich, von ihrem Ausflug nach Nerja oder ihrer Erfahrung beim Yogafestival in Andalusien. Für viele Follower sieht ihr Leben nach einer Aneinanderreihung unbekümmerter Freizeitmomente aus. Doch tatsächlich steckt dahinter harte Arbeit.

Ständig gilt es, über den nächsten Eintrag, das nächste Bild nachzudenken, die nächste Kooperation abzuwägen. Schließlich ist man selbstständig und daher auf diese Einnahmequelle angewiesen. "Die Leute werfen mir manchmal auch vor, ich würde nur herumreisen. Ja, ich war in Jordanien, aber nur für 24 Stunden. Und ja, ich war im Gazastreifen, aber nur für drei Tage, und in denen habe ich nur gearbeitet", sagt die Bloggerin im KURIER-Gespräch. "Arbeit und Privatleben sind kaum mehr zu trennen. Auch wenn ich einmal vier Stunden mit Freunden am See sitze: Dann mach ich doch wieder zwei Instagram-Fotos, und schon ist die Arbeit wieder präsent."

Keine Richtlinien

Für einen Job, der erst in den jüngsten Jahren entstanden ist, gibt es kein Regelwerk, wenige Richtlinien, kaum Menschen, bei denen man sich Rat holen könnte. Es gilt, sich selbst ein System zu erstellen. Zum Beispiel, wenn es um die Preisliste für Kooperationen geht. "Generell berechne ich meine Preise über die Klickzahl." Ein bisschen Robin-Hood-Mentalität ist aber auch dabei, verrät sie: "Wenn es ein großer Konzern mit mehr Budget ist, verlange ich mehr, dafür arbeite ich für NGOs mitunter gratis."

Wie sehr plant sie ihre Einträge? "Ich schwanke zwischen chaotischer Künstlerin und Superstrategin. Auf Instagram versuche ich vorzuplanen. Auf meinem Blog bin ich spontaner."

Die Zukunft hat sie dann aber doch wieder im Auge. "‚Ich mache jetzt seit sieben Jahren dasselbe. Welche Person Ende 20 kann das von sich behaupten? Es wird sich bald etwas verändern. Vielleicht sogar schon Ende des Sommers."