Chronik | Österreich
12/30/2013

Sekt und Kracher: Jetzt geht’s los!

Der Exekutive steht eine arbeitsintensive Nacht bevor: Jährlich hagelt es Hunderte Anzeigen.

Für viele Österreicher ist Silvester der Tag der Kracher und an dem die Sektkorken knallen. Nicht so entspannt sieht das Manfred Pöllmann. Der 70-jährige Pyrotechniker klingt in diesen Tagen wie ein Lehrer. Wer in seinem Geschäft auf der Simmeringer Hauptstraße Feuerwerks- und Knallkörper kauft, bekommt eine Belehrung in Sachen Sicherheit dazu. „Ich kläre auf, was möglich ist und was nicht“, erzählt er. Dass seine Tipps oft gröblich missachtet werden, ist Pöllmann ein Dorn im Auge. Das seit Juli gültige Verkaufsverbot von Schweizer Krachern begrüßt er. Und er wünscht sich „gegen das unkontrollierte Krachen ein rigoroses Vorgehen der Polizei“.

Das hat laut Wiener Exekutive bereits begonnen. Seit 15. November erstatteten Polizisten 18 Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Pyrotechnikgesetz, verhängten 24 Organstrafmandate, nahmen zehn Sachbeschädigungen durch Knallkörper auf. Heute wird die Zahl sprunghaft ansteigen. Alleine im Vorjahr wurden 251 Personen angezeigt, 78 Organstrafverfügungen ausgestellt. „Silvester“, sagt Polizeisprecher Thomas Keiblinger, „ist für uns immer eine arbeitsintensive Nacht.“

Knallkörper konfisziert

Im Falle einer Anzeige drohen Strafen bis zu 3600 Euro. In NÖ wurden heuer bereits Tausende illegale Knallkörper konfisziert. „Besonders im nördlichen Teil des Landes, etwa in den Grenzgebieten, finden verstärkt Kontrollen statt“, berichtet Polizeisprecher Johann Baumschlager. Im Vorjahr wurden 11.700 pyrotechnische Gegenstände beschlagnahmt.

Die Exekutive handelt bei ihren Kontrollen nicht nur im Interesse lärmgeplagter Bürger. Denn jedes Jahr verletzen sich rund 600 Personen, fast ausnahmslos Männer unter 25 Jahren. Tipps für den Umgang mit Feuerwerkskörpern gibt es unter www.bmi.gv.at.

Pöllmann sieht das Verkaufsverbot von Schweizer Krachern als Teil eines Trends – „weg vom unkontrollierten Knall hin zu optischen Effekten, Feuerwerken, gegen die niemand etwas hat“. Nach derzeitigem Stand ist der Besitz derartiger Kracher ab 2017 untersagt.

In Gefahr ist am Silvesterabend nicht nur das Trommelfell, sondern laut ARBÖ auch der Pkw vor der Haustür. In den Tagen darauf gebe es erfahrungsgemäß Hunderte Anfragen von Mitgliedern, die sich erkundigen, ob die Versicherung entstandene Schäden deckt.

Hinterlässt etwa eine Rakete Kratzer am Lack, dann zahlen laut ARBÖ nur Teil- oder Vollkaskoversicherungen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sein Auto in einem Parkhaus abstellen. Tunlichst meiden sollte man Balkone, da diese oft als „Raketenstartbasen“ genutzt werden.

Wer dann sein Auto „sicher“ geparkt hat, kann auf die Öffis umsteigen. Die Wiener Linien fahren auch heuer wieder Extraschichten. Neben der Nacht-U-Bahn, die bis drei Uhr Früh sogar im 7,5-Minuten-Takt verkehrt, werden auch die meisten Bus- und Straßenbahnlinien bis in die Morgenstunden geführt. Ab 22 Uhr werden die Linien U1 und U3 die Station Stephansplatz durchfahren – der Stopp dient als Stützpunkt für die Rettung.

Die ÖBB haben ihre Fahrpläne erweitert. In NÖ und Wien gibt es 21 Sonderzüge nach Mitternacht. Auch fahren Sonderzüge zum Flughafen, nach Meidling, Wr. Neustadt, Stockerau, Gänserndorf, Mistelbach, Amstetten und Tulln.

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