Christian Buchmann (ÖVP) will in jedem Fall Landesrat bleiben

© APA/ERWIN SCHERIAU

Steiermark
06/24/2016

"Sehe keinen Anlass zum Rücktritt"

Landesrat Buchmann wehrt sich gegen die Plagiatsvorwürfe. Weitere Gutachten.

von Thomas Martinz

Laut einer Expertise des Salzburger Plagiatssachverständigen Stefan Weber soll der steirische Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann (ÖVP) im Jahr 2000 Teile seiner Dissertation "Die Wirtschaft im Spannungsfeld von Zentrum und Peripherie" aus vorwiegend deutscher Literatur übernommen und nicht entsprechend gekennzeichnet haben. Im KURIER-Interview nimmt der 53-Jährige zu den Vorwürfen Stellung.

KURIER: Plagiatsjäger Stefan Weber hat ein 38-seitiges Gutachten über Ihre Dissertation verfasst. Demnach hätten die Plagiatsstellen "werkprägenden Charakter", heißt es. Was ist an der Behauptung dran?Christian Buchmann: Die Dissertation befasst sich mit Handlungsansätzen zur Rückholung der Kundenkaufkraft in die Stadt – und zwar am Beispiel von Graz. Es ging hier um – für die damalige Zeit – komplett neue Ansätze der Kundenbindung. Ich habe diese Arbeit mit bestem Wissen und Gewissen geschrieben, alle übernommenen Stellen entsprechend gekennzeichnet. Und jetzt kommt dieser Vorwurf.

Wann haben Sie davon erfahren?Am Mittwoch hat mich ein Journalist des profil kontaktiert. Wie gesagt: 16 Jahre lang war alles in Ordnung.

Ihre Dissertation umfasst 179 Seiten und auf 53 davon sollen Plagiatstellen gefunden worden sein ...Ich kenne die Expertise nicht, also kann ich dazu nicht Stellung nehmen.

Außerdem ist von der "deutlichen Erschleichungsabsicht des Verfassers" die Rede.Wer meinen Lebenslauf kennt, weiß, dass ich das Studium berufsbegleitend absolviert habe. Im Jahr 2000 war ich Bezirksstellenleiter bei der steirischen Wirtschaftskammer. Damals war ich 38 Jahre alt und hatte einen Job, stand mit beiden Beinen fest im Leben. Ich hatte es damals nicht nötig, mir einen Titel zu erschleichen und habe es heute genauso wenig.

Es fällt auf, dass der Plagiatssachverständige das Gutachten im Namen eines nicht genannten Auftraggebers verfasst hat. Glauben Sie, dass Ihnen jemand einen Strick drehen will?Nein, diesbezüglich will ich mich nicht äußern. Jeder Beobachter soll sich von der Sache selbst ein Bild machen.

Die Karl-Franzens-Universität in Graz hat jetzt die Erstellung weiterer Expertisen in Auftrag gegeben, um Webers Version zu objektivieren. Werden Sie als Landesrat zurücktreten, falls sich die Vorwürfe bestätigen sollten?Also erstens habe ich selbst die Uni ersucht, die Vorwürfe einer neuerlichen Prüfung zu unterziehen und gehe davon aus, dass alles in Ordnung ist. Im Jahr 2000 sahen es zwei Gutachter ja ebenfalls so. Aber auch wenn der Vorwurf bestätigt werden sollte, werde ich keine politischen Konsequenzen ziehen. Ich war damals im Jahr 2000 nicht politisch tätig, also würde ich keinen Anlass für einen Rücktritt sehen. Aber eine private Konsequenz würde es geben: wenn sich herausstellt, dass ich nicht hinreichend exakt war, würde es mich reizen, eine neue Dissertation zu verfassen.

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