Chronik | Österreich
01.12.2017

"Schutz für Asylwerber in Lehre"

Solidarität mit "Shaffi" / Kampagne soll Auszubildende vor Abschiebung schützen.

"Wir sind traurig und bestürzt. Wir haben mit ihm eine Volltreffer gelandet und jetzt soll er abgeschoben werden."

Nicht nur Sylvia Hoch-stöger, die Chefin eines Mühlviertler Dachdeckerunternehmens, macht gegen einen unerwarteten Abschiebebescheid für ihren Lehrling Shaffiqulla S. mobil. Weil das Schicksal des 23-jährigen Asylwerbers und Lehrlings aus Afghanistan längst kein Einzelfall mehr ist, haben Oberösterreichs Integrationslandesrat Rudi Anschober (Grüne) und Sozialorganisationen nun eine bundesweite Kampagne gestartet: Solange Asylwerber ihren Lehrberuf nicht abgeschlossen haben, sollen sie nicht abgeschoben werden dürfen, fordern sie in einer Unterschriftenaktion. Das Ergebnis soll im Jänner an die neue Bundesregierung übermittelt werden.

Facharbeitermangel

Angesichts des steigenden Facharbeitermangels sei es völlig unverständlich und auch wirtschaftlich nicht nachvollziehbar, dass bereits gut integrierte und motivierte junge Menschen wieder weggeschickt werden sollen. So stellt sich Anschober hinter Shaffiqulla S. und mittlerweile rund 30 ähnliche Fälle in Oberösterreich.

Die drohende und vorerst einmal beeinspruchte Abschiebung des 23-Jährigen ist in seinem Wohn- und Arbeitsort Pabneukirchen (Bezirk Perg) zum Tagesthema geworden. Durch Gemeinde und Pfarre rollt eine Welle der Solidarität. Dem arbeits- und lernwilligen Lehrling wird Respekt und Unterstützung zugesichert. "Er hat als Analphabet bereits gut Deutsch gelernt und sogar die Berufsschule bestens gemeistert", schildert seine Chefin. In den vergangenen Jahren habe man immer Schwierigkeiten gehabt, Lehrlinge zu finden, um den Betrieb fortführen zu können.

Über die Wirtschaftskammer gab es die Chance, in dem Mangelberuf Dachdecker/Spengler einen jungen Asylwerber zu beschäftigen. "Shaffi war für uns ein Glücksgriff. Es hat uns zwar auch Geld und Mühe gekostet, aber das hat sich ausgezahlt. Deshalb können wir diese Entscheidung nicht akzeptieren ", schildert Hochstöger die Situation.

Er sei so froh und zufrieden gewesen, eine Arbeit gefunden zu haben, jetzt schlafe er wieder schlecht und habe Angst, schildert der betroffene Shaffiqulla S. Noch in der Heimat hätten ihn die Taliban mit dem Tod bedroht, wenn er sich nicht zu ihnen schlage.

Unterstützung

Im konkreten Fall, aber auch im Generellen haben nicht nur Organisationen wie die Volkshilfe, die Sozialorganisationen "pro mente OÖ" und "SOS Menschenrechte", sondern auch die OÖ Wirtschaftskammer Unterstützung zugesagt.

Anschober glaubt an einen Fehler im System. Mit 290 Asylwerbern in Mangelberuf-Lehren decke Oberösterreich mehr als die Hälfte aller bundesweiten Zahlen ab. "Das ist zu einem Erfolgsprojekt geworden, mit dem man nicht gerechnet hat. Jetzt muss man eine Schwachstelle reparieren", verweist Anschober auf die gestartete Petition (www.anschober.at/petition).