Chronik | Österreich
01.09.2017

Schülerstreik wirkte: Fusion zweier AHS auf Eis gelegt

Leobner Kinder und Jugendliche wehrten sich gegen Zusammenlegung ihres Gymnasiums mit der Nachbarschule.

Im obersteirischen Leoben fängt das kommende Schuljahr für die Schüler des "Alten Gymnasiums" mit guten Nachrichten an: Die Zusammenlegung ihrer AHS mit dem "BG/BRG Leoben neu" wurde nämlich vertagt. Das Unterrichtsministerium verordnete allen Beteiligten ein Jahr Nachdenkpause.

"Wir sind zufrieden. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", freut sich Schülervertreter Hannes Schmidt. "Ein Jahr ist Gold wert."

Eigentlich hätten die beiden AHS mit Start in das neue Schuljahr in etwas mehr als einer Woche bereits eine gemeinsame Schule sein sollen. Doch die Kinder und Jugendlichen des BG/BRG Leoben I, besser bekannt als "Altes Gymnasium", weigerten sich, das hinzunehmen und streikten. Zu Hunderten demonstrierten sie Mitte Mai in ihrem Schulhof, mit nummerierten Papiersäcken über dem Kopf: Sie wollten ihre angestammte Schule und ihre bisherigen Lehrer behalten und nicht zu Nummern degradiert werden, wie sie betonten.

Kooperation gesucht

Offensichtlich mit Erfolg: "Das Bestehen unserer Schule wurde auf ein Jahr verlängert. Vermutlich aufgrund des Streiks hat die Ministerin eine Überprüfung angeordnet", berichtet Hannes Schmidt. Da der Direktor des "Alten Gymnasiums" demnächst in Pension geht, soll nun ein provisorischer Leiter bestellt werden. Innerhalb des kommenden Schuljahrs wird ein Evaluierungsplan erstellt um festzustellen, in welchen Bereichen die beiden Gymnasien kooperieren können – etwa bei einem gemeinsamen Schulbuffet oder beim Austausch von Lehrern.

Beide Maßnahmen könnten Einsparungspotenzial bieten und wären leicht umzusetzen: Die Schulen stehen direkt nebeneinander. Ein neu errichteter Verbindungsgang sowie die neue Bibliothek rücken die Gebäude noch enger zusammen. Das war einer der Gründe, weshalb dem Ministerium die Zusammenlegung sinnvoll erschien.

Cluster als Alternative

Doch die Schüler protestierten vor allem wegen der unterschiedlichen Schwerpunkte in der Oberstufe und der Schülerzahlen: Zusammengelegt wäre ein Rieseninstitut mit 1100 Schülern entstanden. Als Alternative zur Fusion wird ein Schulcluster überlegt. Er soll engere Kooperation bringen, aber beide Gymnasien eigenständig lassen. Allerdings hat das noch einen Haken: Die Cluster für bis zu acht Schulen und bis zu 2500 Schülern pro Standport sind vom Nationalrat noch nicht beschlossen.