Der gerettete Höhlenforscher bei der Ankunft im LKH Salzburg

© APA/NEUMAYR/MMV

Salzburg
08/16/2014

Höhlenforscher gerettet: „Zitterpartie bis zum Schluss“

Forscher Marek Gizowski (27) wurde in nur 48 Stunden aus der Jack-Daniel’s-Höhle geborgen.

48 Stunden sind zwischen dem Unfall des 27-jährigen Marek Gizowski in der Jack-Daniel’s-Höhle im Tennengebirge und seiner erfolgreichen Bergung vergangen. „Es war bis zum Schluss eine Zitterpartie. Wir haben fast nonstop durchgearbeitet, und das unter widrigsten Bedingungen“, sagt Einsatzleiter Wolfgang Gadermayr, der in den vergangenen zwei Tagen kein Auge zugemacht hat. 182 Einsatzkräfte waren seit Donnerstagfrüh bei der Rettungsaktion am Bleikogel bei Abtenau (Tennengau) beteiligt, 79 davon stiegen in die Jack-Daniel’s-Höhle. Am Samstag um 2.18 Uhr war der Verletzte wieder an der frischen Luft. „Uns Höhlenrettern ist sprichwörtlich ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt Gadermayr und lacht.

Keine OP nötig

Auf den letzten Metern in der Höhle wurde der Verletzte von Jacob Krammer, Notfallmediziner aus Salzburg, betreut. „Der Patient ist durchtrainiert und auch psychisch sehr belastbar. Wir haben bei der Bergung kaum Pausen gebraucht“, sagt er. Krammer war im Juni auch an der spektakulären Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser in Berchtesgaden beteiligt. „Die Erfahrungen aus dieser Aktion waren im aktuellen Fall natürlich sehr hilfreich“, sagt er.

Zum Vergleich: Die Bergung Westhausers aus der 1000 Meter tiefen Riesending-Höhle dauerte elf Tage, im Einsatz waren mehr als 700 Kräfte aus fünf Nationen. Der 54-Jährige erholt sich gerade in einer deutschen Reha-Klinik von seinem schweren Schädel-Hirn-Trauma.

Gizowski wird auf der Anästhesie-Intensiv-Wachstation des Landeskrankenhauses Salzburg behandelt. Bei seinem Unfall hatte er Becken- und Rippenbrüche, zahlreiche Blutergüsse und Schwellungen erlitten. Operiert werden musste er nicht. „Er braucht jetzt nur sehr viel Ruhe. Er ist sichtlich geschwächt, aber in gutem Allgemeinzustand“, sagt Unfallchirurg Herbert Resch.

Ausgerutscht

Mittlerweile ist auch bekannt, wie es zu dem folgenschweren Unfall in 250 Meter Tiefe gekommen ist: Gizowski war mit sechs polnischen Kollegen unterwegs, um die unterirdischen Grundwasserreserven zu dokumentieren. Gegen 2 Uhr Früh rutschte er bei der Querung eines Schachtes aus. Und das genau in dem Moment, erklärt Alpinpolizist Herbert Burian, als er die Seilsicherung für das Umhängen ausgehängt hatte. Er stürzte etwa sieben Meter ab.

Die Rechnung für die Rettungsaktion wird nun von der Gemeinde Abtenau zusammengestellt. Den Großteil wird die Versicherung des polnischen Alpinverbandes übernehmen, ein kleiner Teil bleibt bei der Gemeinde, sagt Bürgermeister Johann Schnitzhofer.

Video über die Jack-Daniel's-Höhle:

Bundesheerpilot schildert „Höllenritt“ durchs Gebirge

Unwegsames Gelände, Kälte und schlechte Sicht durch Hangwolken: Im Hochgebirge ticken die Uhren anders, weiß Bundesheer-Pilot Mathias Sporer. Als er in der Nacht auf Samstag mit drei Kameraden ins Tennengebirge flog, um den verletzten Höhlenforscher Marek Gizowsky abzuholen, war es noch dazu stockfinster und regnerisch. Ein „Höllenritt“, sagt er, fügt aber lachend hinzu: „Aber nichts, das wir nicht gelernt hätten.“ Die Heerespiloten mit Stützpunkt in Aigen im Ennstal (Steiermark) sind für Einsätze im Gebirge geschult. Ihr Helikopter, eine „Alouette III“, verfügt über Nachtsichtgeräte.

Beim Rettungseinsatz am Bleikogel war das Zeitfenster eng: Als die vierköpfige Besatzung den Berg in der Nacht erreichte, herrschte dichter Nebel. „Wir mussten in der Luft warten, bis sich die Wolken verziehen, und auch dann hatten wir nur Minuten zur Landung Zeit, bis neue gekommen sind. Da braucht man Geduld und Konzentration“, sagt er.

Gegen 2 Uhr am Morgen konnte gelandet werden, kurz darauf kam Gizowsky schon mit seinen Helfern aus der Jack-Daniel’s-Höhle.

„Wieder hatten wir nur ein paar Minuten Zeit, abzuheben, weil wir sonst wohl die ganze Nacht am Berg gesessen wären. Es ist aber alles gut gelaufen, wir sind sehr erleichtert“, sagt Sporer.

Der Verunglückte gibt das Tempo vor

KURIER: Die Bergung ist ein Kraftakt für den Verunglückten und die Helfer. Wie geht es den Beteiligten?
Maria Riedler: Alle stoßen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Der verunglückte Höhlenforscher hat vor allem mit seinem Oberschenkelbruch zu kämpfen, verspürt große Schmerzen und bekommt Schmerzmittel verabreicht. Aber er ist ansprechbar und stabil. Die Rettungskräfte arbeiten im Schichtbetrieb, wechseln sich ab. Auch die Ärzte haben gewechselt. 70 Helfer sind ständig am Berg, dort herrscht Schneeregen. In der Höhle wurden drei, vier Grad gemessen. Es ist nass und schmutzig, die Leute sind durchgefroren, erschöpft.

Wie schwierig ist der Transport des Verletzten?
Es gibt immer wieder Engstellen, die man mit der Universaltrage nur schwer passieren kann. Pausen sind auch für den Höhlenforscher wichtig. Der Verunglückte gibt das Tempo vor.

Funktioniert die Versorgung der Helfer vor Ort?
Ja, aufgrund der Wetterbesserung am Freitag konnte ein Hubschrauber weiteres Bergematerial sowie Lebensmittel zur Laufener Hütte in 1726 Metern Höhe fliegen. Von dort wird das Material von den Einsatzkräften zu Fuß zum Eingang der Höhle in 2120 Metern Höhe gebracht. Insgesamt dürften rund zwei Tonnen Material für den Hilfseinsatz nötig sein. Seile, Karabiner und Medikamente werden benötigt. Beim Einstieg in die Höhle wurde am Freitag ein kleines Biwak aufgestellt.

Die Jack Daniel's-Höhle im Tennengebirge

Die Jack Daniel's-Höhle im Salzburger Tennengebirge, in der ein polnischer Forscher bei einem Absturz in etwa 250 Metern Tiefe schwer verletzt wurde, gehört zu den längsten Höhlen in Österreich. Sie reiht sich mit ihren bisher 10,22 erforschten Kilometern ungefähr als 30. längste Höhle des Landes ein, wie Johannes Mattes vom Verband Österreichischer Höhlenforscher (VÖH) berichtete.

Der Eingang zur Höhle befindet sich nordöstlich des Bleikogel auf einer Seehöhe von 2.120 Metern. Der Einstiegsteil verläuft schachtartig rund 300 Meter in die Tiefe, erläuterte der Salzburger Höhlenforscher Walter Klappacher. Forscher aus Polen würden sich seit mehreren Jahren mir der Höhle beschäftigen.

Klappacher selbst kennt lediglich den Eingangsbereich aus eigener Erfahrung. Mit seinen 72 Jahren wage er sich nicht weiter in die Tiefe der vor circa fünf bis sieben Jahren entdeckten Jack Daniel's-Höhle, sagte er. Nach dem "canyonartigen Einstieg" verlaufe die Höhle allerdings nicht nur vertikal sondern auch horizontal. Es handle sich jedenfalls um ein großes System mit "beeindruckenden tropfsteinartigen Gebilden".

Von der nächsten Hütte ist die Höhle laut Klappacher in etwa zwei Stunden zu erreichen. Am Freitag sei auf dieser Höhe allerdings Schneefall möglich. Die Höhle gilt aufgrund ihrer senkrechten Schächte als "Wasserschlinger". Im Moment dürfte es lediglich etwas feucht im Inneren sein, erklärte der Forscher. Je nach den letzten Regenmengen könne aber auch mehr Wasser durchfließen.

Nach dem schachartigen Einstieg mit waagrechten Zwischenstufen gabelt sich die Höhle in etwa 200 Metern Tiefe, heißt es in der Fachzeitschrift "DIE HÖHLE - Zeitschrift für Karst und Höhlenkunde" (60. Jg./Heft 1-4/2009) zu früheren Expeditionen in das verzweigte System. Der Ostteil setzt sich demnach als trockener Canyon bis in 615 Meter Tiefe fort und endet in einer unpassierbaren Spalte.

Der Südteil führt laut der Publikation in einem breiten Gang zunächst auf eine Verzweigung in 240 Meter Tiefe zu mehreren weiter nach unten führenden Schächten. In 260 bis 380 Metern Tiefe befinden sich dort sogenannte Karkonoskie Teile. "Die Gänge werden von zauberhaften Tropfsteinbildungen geschmückt" und der abschließende "Weiße Saal mit seinen reinweißen Sinterformen und Kristallseen" erinnere an die berühmten Diamantenreiche 1 und 2 in der Eisriesenwelt in Werfen (Pongau), schrieben polnische Forscher in dem Fachblatt.

Zur Entstehung des Namens der Jack Daniel's Höhle wusste Klappacher nichts Genaueres. Es sei aber durchaus möglich, dass die Forscher in der Anfangszeit der Entdeckung eine Flasche mit hochprozentigem Alkohol beim Eingang getrunken hätten und die Bezeichnung daher komme, berichtete der 72-Jährige von ähnlichen Namensgebungen.

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