Chronik | Österreich
29.01.2015

Verwaistes Luxushotel wird Zentrum für Flüchtlinge

Unterbringung von bis zu 100 Asylwerbern im Hotel Kobenzl startet in den nächsten Tagen.

Englands Premierministerin Margret Thatcher, US-Präsident Richard Nixon und Hollywoodstars wie Arnold Schwarzenegger zählten einst zum Klientel des Luxushotels Kobenzl am Salzburger Gaisberg. Die glanzvollen Zeiten sind vorbei: Das Hotel ist seit 2006 geschlossen.

Demnächst sperrt es wieder auf – als Verteilerquartier für Flüchtlinge. Bis zu 100 Personen will das Innenministerium unterbringen, um die bestehenden Zentren in Traiskirchen (NÖ) und Thalham (OÖ) zu entlasten. "Das wäre die Anzahl, die Salzburg nach dem Verteilungsschlüssel aufnehmen könnte. Wir werden vorerst aber nur 60 Personen aufnehmen", erklärt die zuständige Landesrätin Martina Berthold (Grüne). Die Aufenthaltsdauer ist auf maximal zwei Wochen beschränkt, dann sollen die Flüchtlinge auf Dauerquartiere aufgeteilt werden.

60 statt 100 Personen

Bei einer Sitzung der Landeshauptleute im November wurde vereinbart, dass jedes Bundesland – mit Ausnahme von Wien und dem Burgenland – ein Verteilzentrum auf die Beine stellt.

Salzburg war das erste, in dem die Einigung mit der Landesregierung, dem Bürgermeister und den Eigentümern gelungen ist, sagt Gernot Maier, Leiter der Abteilung Grundversorgung beim Bund: "Wir haben noch andere Standorte im Auge. Die Verhandlungen laufen."

Das Hotel Kobenzl sei von den Eigentümern, der Familie Herzog, angeboten worden. Die Eigentümer waren im Vorjahr mit dem Plan, es als Bed-and-Breakfast wiederzueröffnen, gescheitert.

Ob sich das ehemalige Luxushotel als Flüchtlingsheim eignet, darüber scheiden sich in Salzburg die Geister: Mehrere Wasserrohrbrüche, Kälte und Schimmel hätten den Räumlichkeiten stark zugesetzt, heißt es. "Kein Problem", meint hingegen Maier, der betont, es würden noch Adaptierungsarbeiten gemacht. Die ersten Flüchtlinge könnten schon mit Wochenbeginn kommen. Die Abgeschiedenheit – das Hotel liegt fernab des Stadtzentrums auf dem Gaisberg – sieht er sogar als Vorteil: "Das sind Menschen, die gerade aus einem Kriegsgebiet geflüchtet sind. Dort haben sie die Chance, zur Ruhe zu kommen."