Der Angeklagte verdeckte sein Gesicht. Er gab an, aus finanzieller Not gehandelt zu haben

© APA/Neumayr/MMV

Prozess
08/28/2013

Red-Bull-Erpresser: "Denen tut’s nicht weh"

Ein 47-Jähriger aus Mödling forderte 3,6 Millionen Euro. Dafür muss er zumindest ein Jahr hinter Gitter.

von Niki Nussbaumer

Da sage noch einer, dass Fernsehen nicht bilde: Ständig wechselnde Sim-Karten und eMail-Accounts, von denen sich der Erpresser meldete; Geld, das aus dem Zugfenster geworfen werden sollte – „das habe ich alles in Filmen gesehen. Bei CSI und Tatort“, sagt der Angeklagte.

Wobei: Die Idee, Dosen des Getränkeherstellers Red Bull mit Fäkalkeimen zu verunreinigen, war dem 47-Jährigen woanders gekommen – beim Windelwechseln. „Auf der Verpackung der Feuchttücher steht: Zuerst Gesicht, dann Hände und dann erst den Hintern reinigen – und nicht umgekehrt.“ Das war die Initialzündung.

Sorgen & Suff

In Handschellen und flankiert von zwei Polizisten betritt der Angeklagte den Gerichtssaal in Salzburg; ein gebückter Mann, der Brille und braven Seitenscheitel hinter einem grünen Aktenordner versteckt und auf Hochdeutsch druckreife Sätze spricht; ein unbescholtener 47-jähriger Kaufmann aus dem Bezirk Mödling mit Töchtern im Alter von zwei und vier Jahren – der seine Geldsorgen und Zukunftsängste im Alkohol ertränkte.

800 Euro verdiente er mit seinem Jeans-Versandhandel pro Monat; drei bis fünf Flaschen Wein trank er pro Tag. Zudem habe seine Frau gedroht, mit den Kindern zurück in ihre Heimat Brasilien zu gehen, sollte es finanzielle Probleme geben. „Ich hatte Panik, meine Kinder zu verlieren.“ Da las er in der Zeitung vom Vermögen des Mateschitz-Konzerns. „Denen tut’s nicht weh“, dachte er.

Von einem „beachtlichen Bedrohungsszenario“ und „besonders hoher krimineller Energie“ spricht Staatsanwalt Christian Weismann. „Sagen wir lieber: Hohe Täterintelligenz“, kontert Verteidiger Christoph Hirsch. Gewerbsmäßig schwere Erpressung lautet jedenfalls die Anklage; Strafrahmen: ein bis zehn Jahre. Der Mödlinger soll zwischen 25. Jänner und 10. April von Red Bull 3,6 Millionen Euro und vom Tiernahrungshersteller Mars Austria 250.000 Euro verlangt haben. Ansonsten würde er deren Produkte kontaminieren. Um den Anschein zu erwecken, hinter der Erpressung stecke eine internationale Organisation, nannte er sich GrupoNymus und verfasste das erste Schreiben in englischer Sprache. „Damit sie mich ernst nehmen.“

Das taten sie.

„Als in den Erpressermails konkrete Filialen genannt wurden, haben wir ein Krisenteam eingerichtet“, berichtet ein Mitarbeiter von Red Bull. Insgesamt habe man das Sortiment in zehn bis 15 Supermärkten geräumt und Tausende Dosen einzeln im Labor analysiert. Dem Konzern habe dies Umsatzrückgänge und negative PR in ganz Europa gebracht. „Es haben Leute angerufen und gesagt, dass ihnen nach einem Red Bull schlecht geworden ist.“ Gelächter. Tatsächlich wurde nie eine verunreinigte Dose gefunden.

Bei der chaotischen Geldübergabe am 10. April klickten die Handschellen.

Das (milde) Urteil: Drei Jahre Haft, davon zwei Jahre auf Bewährung. Außerdem muss sich der Verurteilte einer Alkohol-Therapie unterziehen. Nicht rechtskräftig.

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