Chronik | Österreich
24.02.2018

Rauchverbot in Lokalen spaltet Österreich

Warum Bürger für das Anti-Raucher-Volksbegehren unterschreiben oder ihre Unterstützung verweigern.

Seit rund zwei Wochen ist der Ansturm auf das "Don’t Smoke"-Volksbegehren der Wiener Ärztekammer und der Österreichischer Krebshilfe ungebrochen: Bis Samstag unterstützten mehr als 365.000 Personen die Initiative. Dabei ist das Volksbegehren, das sich gegen den Plan der Regierung stellt, das bereits beschlossene generelle Gastro-Rauchverbot zu kippen, erst in der Unterstützungserklärungsphase. Für die formale Einleitung waren eigentlich lediglich 8401 Unterstützungserklärungen notwendig. Der KURIER hat sich bei Unterstützern und Gegnern umgehört:

ANDREA RINNER, LINZ:„Es ist für die Angestellten eine Zumutung, im Rauch zu arbeiten. Zu fordern, sie sollen den Job wechseln, ist leichter gesagt als getan. Ich würde auch wieder gerne in Lokale gehen, die ich jetzt meide, weil dort geraucht wird. Aus vielen Ländern kenne ich das angenehme Gefühl, wenn nirgends geraucht wird.“

PETER BREHM, WIEN: „Ich unterschreibe nicht, denn die ständige Bevormundung der Menschen ist mittlerweile schon peinlich. Ich möchte selbst entscheiden, wo ich rauche. In kleine Kaffeehäuser, die nichts zu essen anbieten, gehen viele Leute eben nur zum Rauchen. Kommt ein totales Verbot, wird es diese Lokale nicht mehr geben.“

MICHAEL TRZEBIN, WIEN: „Dass das generelle Rauchverbot in der Gastronomie nun doch nicht kommt, halte ich für das falsche Signal, gerade für Kinder und Jugendliche. Sie gehören geschützt. Ich habe selbst zwei Kinder im Alter von zehn und 13 Jahren. Die FPÖ will doch die direkte Demokratie. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, das auch zu zeigen.“

MICHAEL NEUGEBAUER, WIEN:„Ich unterschreibe die Unterstützungserklärung für das Volksbegehren, weil Rauchen nicht gesund ist. Ich war selbst einmal Raucher und hätte damals kein Problem damit gehabt, für eine Zigarette vor die Tür zu gehen. Rauchen muss man nicht unbedingt drinnen machen.“

ULRIKE WEHOFER, WIEN: „Mein Bruder hat ein kleines Kaffeehaus. Wir würden da als Familie gerne öfter hingehen, aber dort wird so viel geraucht, dass es unerträglich ist. Zwar möchte er das Lokal auch selbst rauchfrei machen, aber er hat Angst, seine Kunden an die Konkurrenz zu verlieren.“

BEATE KATONA, EISENSTADT: „Alles entwickelt sich weiter, gerade in Fragen der Gesundheit wird man immer sensibler – und dann macht man beim Rauchen einen Rückschritt? Ich verstehe das nicht. Früher habe ich selbst geraucht, aber im Urlaub in Italien oder Spanien konnte ich sehen, dass es in Lokalen auch anders geht. Warum nicht in Österreich?“

MARIA HAHNEKAMP, EISENSTADT: „Ich hoffe, dass meine Unterschrift etwas bringt. Ich empfinde es als Frechheit, dass in Lokalen weiter geraucht werden soll. Wenn man aus einem Raucherlokal heimkommt, muss man sich gleich duschen und Haare waschen, so sehr setzt sich der Rauch fest.“

STEFAN PREISS, HOLLABRUNN: „Da mir Gesundheit sehr am Herzen liegt und ich auch selbst bemüht bin, möglichst auf meinen Lebenswandel zu achten, habe ich unterschrieben. Ich erhoffe mir davon, dass es durch die Aktion mehr Rücksicht für Nichtraucher gibt und so die Lebensqualität steigt.“

GERHARD SCHNEIDER, HOLLABRUNN: „Ich bin Nichtraucher und werde das Volksbegehren nicht unterschreiben. Dass Erwachsene entmündigt werden sollen, dafür habe ich kein Verständnis. Jeder Wirt sollte selbst entscheiden können, wie er sein Lokal führt. Und Gäste sind mündig genug, zu entscheiden, in welches Lokal sie gehen. Und das sag ich als ehemaliger Raucher.“

FRANZ LESIAK, LINZ: „ Ich finde es einfach nicht angenehm und zeitgemäß, wenn in Lokalen geraucht wird. Ich habe mir schon beim Start der Eintragungsfrist vorgenommen, zu unterschreiben. Dass es jetzt seitens der Regierung so aussieht, als würden die Unterschriften gar nicht recht ernst genommen, hat mich noch mehr motiviert, zu unterschreiben.“

MICHI DONHAUSER, WIEN: „Ich habe keine eindeutige Meinung zum Rauchverbot, daher unterstütze ich auch das Volksbegehren nicht. Mich stört es nicht, zum Rauchen vor die Türe zu gehen. In Restaurants würde ich ein totales Verbot sogar eher bevorzugen, in einem Pub etwa kann es aber ruhig einen Raucherbereich geben.“

CHRISTIAN GRAMMANITSCH, WIEN:„Ich unterschreibe nicht für das Volksbegehren. Ich rauche maximal zwei Zigarillos am Tag, mir ist das ziemlich wurscht. Früher wurde überall geraucht, auch im Zug. Nun wird das Thema plötzlich so in die Höhe geschossen – haben wir keine anderen Sorgen?“

OTTO WEISSMANN, WIEN: „Was ist der nächste Schritt nach dem gänzlichen Rauchverbot in der Gastronomie? Dass man auf dem eigenen Balkon nicht mehr Rauchen darf? Ich bin dafür, dass die jetzige Regelung bleibt und unterstütze daher auch das Volksbegehren nicht.“

Trafiksterben ist so gut wie vorbei

Nach und nach haben in den vergangenen Wochen die Tabakkonzerne ihre Verkaufspreise wieder angehoben. 20 Cent mehr kostet ein Packerl jetzt. Im Vorfeld legten sich die Raucher in Österreich ein paar Stangen auf Lager. In der Statistik liest sich das so: Im Vorjahr ging die Zahl der verkauften Zigaretten von 12,5 auf 12,4 Milliarden Stück und damit um 0,8 Prozent zurück. Rechnet man die Vorziehkäufe heraus, "kam es im Vorjahr zu einem Rückgang von 1,4 Prozent", sagt Hannes Hofer, Geschäftsführer der Monopolverwaltung. Und das bei einer wachsenden Bevölkerung. Der Trend, dass weniger Zigaretten gekauft werden, "hält jetzt schon mehrere Jahre an", so Hofer.

Ob die Zahl der Raucher tatsächlich gesunken ist oder ob mehr unversteuert – also entweder geschmuggelter oder einfach im Ausland gekaufter Tabak – gequalmt wird, lässt sich nicht belegen. Der Anteil an nicht in Österreich versteuerten Zigaretten am gesamten Konsum wird auf rund 17 Prozent geschätzt.

Kleine Spannen

Zumindest das Trafik-Sterben dürfte praktisch vorbei sein. Die Zahl der Tabakfachgeschäfte ging zuletzt nur noch ganz leicht zurück. Bei den Trafiken, die von Menschen mit Behinderung geführt werden, kam im Vorjahr sogar eine dazu (auf jetzt 1277, was einer Quote von 53 Prozent entspricht). Bei ständig steigenden Preisen der Glimmstängel müsste eine Trafik eigentlich eine Goldgrube sein, könnte man meinen. Tatsächlich sind die sogenannten Spannenerträge der Fachgeschäfte im Vorjahr von 295 auf 299 Millionen Euro und damit um 1,4 Prozent gestiegen. Damit haben sie allerdings erst wieder den Wert von 2015 erreicht. 2016 hatte es einen Rückgang gegeben. Mit dem im vergangenen Sommer im Nationalrat beschlossenen Trafikpaket, das jetzt zu wirken beginnt, sollten die Trafikanten aber zumindest heuer auf bessere Werte kommen. Monopolverwaltungs-Chef Hofer will auch für die kommenden Jahre für höhere Spannen kämpfen.

Was vielen Rauchern nicht bewusst ist: Für rund 78 Prozent des Verkaufspreises sind Tabak- und Mehrwertsteuer verantwortlich. Den Rest teilen sich Produzent und Handel. Mitleid muss man mit den Tabakkonzernen aber nicht haben. Die Zahl der weltweit verkauften Zigaretten geht zwar zurück, die Tabakriesen verdienen trotzdem prächtig. Zum einen, weil sie die Preise anheben. Und zum anderen, weil sie Alternativen auf den Markt bringen. Dazu zählen etwa E-Zigaretten. Oder Tabaksticks, die in einem Halter erhitzt werden. Dadurch entsteht Dampf, der Nikotin enthält; Rauch, Feuer oder Asche gibt es dabei nicht. Diese Sticks könnten eine der Zukunftschancen für heimische Trafiken sein, glaubt Hofer.

Zahlen und Fakten zum blauen Dunst

1,9 Milliarden Euro So viel an Tabaksteuer fiel in Österreich im Vorjahr an (nach 1,8 Mrd. im Jahr davor). Dazu kamen noch rund 500 Millionen Euro an Mehrwertsteuer.

24 Prozent In Österreich rauchen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen mehr oder weniger regelmäßig – macht im Durchschnitt einen Raucheranteil von 24 Prozent.

2412 So viele Tabakfachgeschäfte gab es zum Jahreswechsel (minus 0,9 Prozent). Dazu kamen 3201 Tabakverkaufsstellen (minus 4,4 Prozent), etwa in Lebensmittelgeschäften. Bei diesen beiden Vertriebsschienen sind die Verkaufspreise gleich. In der Gastronomie oder bei Tankstellen sind Zigaretten teurer.

75 Prozent Etwa drei Viertel der Erträge von Trafiken (Spannenerträge genannt) stammen aus dem Bereich Tabak. Der Rest verteilt sich etwa auf Glücksspiel oder Zeitungen.

4,76 Euro Diesen Preis gab das Finanzministerium als Durchschnitt für eine 20-Stück-Packung im Vorjahr bekannt. Im Jahr 2010 lag der Vergleichswert bei knapp 3,80 Euro.

5,5 Billionen Stück So viele Zigaretten wurden 2016 weltweit abgesetzt – um gut zehn Prozent weniger als fünf Jahre davor.