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Rechtsstreit

Rassismus-Vorwürfe gegen ÖBB

Türkischstämmiger Zugführer fotografierte Nazi-Schmierereien und wurde fristlos entlassen.

von Bernhard Ichner

08/15/2013, 08:00 AM

Besser Nazi als Tschusch!“, „Stoppt Tierversuche – nehmt Ausländer!“ oder auch ein (verkehrt gezeichnetes) Hakenkreuz. Rassistische Schmierereien wie diese sollen auf mehreren Wiener Bahnhöfen in den Aufenthaltsräumen und Toiletten des ÖBB-Personals zu finden gewesen sein. Yüksel Yilmaz, ein türkischstämmiger Zugführer aus Niederösterreich, fühlte sich durch die ausländerfeindlichen Graffiti belästigt und meldete sie seinen Vorgesetzten sowie dem ÖBB-Vorstand. Mittlerweile wurde er fristlos entlassen. Ohne Begründung.

Es waren nicht nur rassistische Schmierereien, die Yilmaz störten. Darüber hinaus berichtet der gebürtige Mödlinger, der seit 2007 im Dienste der ÖBB stand, von sexistischen Plakaten und Kühlschränken voller alkoholischer Getränke in den Personalräumen. Ab 2011 sammelte er Beweisfotos, die er mit der Handykamera geschossen hatte.

Als Yilmaz seinen Teamleiter (Name der Redaktion bekannt) am ÖBB-Standort in der Laxenburger Straße von den Missständen in Kenntnis setzen wollte, habe dieser abweisend und aggressiv reagiert: „Als ich angekündigt habe, dass ich den ÖBB-Vorstand informieren werde, meinte mein Vorgesetzter: Da kann ich gar nicht so schnell schauen, wie ich gekündigt werde“, schildert Yilmaz.

Trotzdem informierte der empörte Zugführer ÖBB-Vorstand Birgit Wagner persönlich „über die Missstände“ und teilte dies auch seinem Teamleiter mit.

„Ich wurde gemobbt“

Aus den Reihen der Kollegenschaft sei er in der Folge zum Teil massiv angefeindet worden. „Ich wurde gemobbt, die wollten mich fertig machen. Ich hatte Albträume, Angstzustände und Depressionen. Deshalb hat mir mein Neurologe Antidepressiva verschrieben“, sagt Yilmaz.

Während seines Krankenstandes wurde er im Mai 2013 gekündigt – ohne Angabe von Gründen. Darauf folgte die Dienstfreistellung und schließlich die fristlose Entlassung im Juli. Erneut ohne Begründung. Beschwerden über Yilmaz’ Arbeit gab es bis zuletzt keine. Disziplinäre Verfehlungen finden sich in seiner Personalakte ebenso wenig wie Strafvermerke. Yilmaz’ Anwalt Ingo Riss brachte deshalb eine Motivklage beim Arbeits- und Sozialgericht Wien ein. Das Verfahren ist anhängig.

Bei den ÖBB distanziert man sich von Rassismus und jeder Form der Diskriminierung. „Verstöße in diesem Bereich werden mit aller Konsequenz geahndet“, stellt Konzern-Sprecherin Sonja Horner klar. Die Vorwürfe von Yüksel Yilmaz betrachte man allerdings als haltlos. Seine Entlassung habe „arbeitsrechtliche Gründe“. Nähere Auskunft könne man „aus Datenschutzgründen“ keine geben.

Yilmaz’ Vorwürfe habe man „sehr ernst genommen“, auch die Gleichstellungsbeauftragte des Konzerns wurde beigezogen. Doch bei den „intensiven Überprüfungen“ der genannten Personalräume habe man „in keinem einzigen Fall solche Schmierereien gefunden“.

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