Railjet auf Flugzeug-Jagd

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Wo Speed-Züge das Flugzeug bald abhängen könnten. Wie Passagiere und Umwelt profitieren.

Mit bis zu 231 km/h brettern die modernen ÖBB-Railjets durch Österreich. Voraussetzung: Die Technik funktioniert. In den ersten drei Wochen kämpfte die Bahn noch mit Kinderkrankheiten.

Auf der seit 9. Dezember eröffneten, neu ausgebauten Westbahntrasse rasen die Züge in 2 Stunden 22 Minuten von Wien nach Salzburg. „Damit schlagen wir jedes Auto“, erklärt ÖBB-Vorstandschef Christian Kern.

Doch auch den Vergleich mit Passagierjets braucht die neue Bahn nicht zu fürchten. Zumindest auf der Kurzstrecke (siehe Grafik ). Der KURIER schickte Flugzeug und Bahn ins Rennen. Wir haben den 21. 12. als Datum gewählt und sind dabei von idealen An- und Abreisebedingungen von Bahnhof und Flughafen ausgegangen.

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Ernste Konkurrenz

Auf den ersten Blick erscheint der Flieger wesentlich teurer, dafür aber bedeutend schneller. Werden jedoch die langen An- und Abfahrten zu und von den Flughäfen, Stehzeiten, Ein- und Auschecken sowie Sicherheitskontrollen auf den Airports zu den Flugzeiten addiert, sind die Hochleistungszüge eine ernste Konkurrenz für die Airlines.

ÖBB-Chef Kern betont weiters das ausgebaute Service in den Zügen: „Unser Speise- und Getränkeangebot wurde von DO&CO übernommen. Zugang zum Internet, durchgehende Handy-Verbindung und Ticketkauf über Smartphones gehören zum Angebot.“

Zusätzlich befinden sich in den Landeshauptstädten aber auch in Großstädten der Nachbarnationen die Bahnhöfe in den Stadtzentren. Der somit kürzere Weg zum Hotel gilt ebenfalls als Vorteil. Ein weiterer entscheidender Unterschied: Im Austrian-Jet dürfen Passagier bis zu 23 Kilogramm Gepäck mitnehmen. Schon ein Kilogramm Übergewicht kostet 50 Euro. Im ÖBB-Zug gibt es kein Gewichtslimit. Schon für 2013 rechnet das Bahn-Management mit einer Million zusätzlicher Kunden.

2,8 Milliarden Euro

Die Beschleunigung auf der Schiene hat aber ihren Preis. So kostet der gesamte Ausbau der Westbahnstrecke satte 2,8 Milliarden Euro Steuergeld. Und entlang der Hochleistungstrasse müssen in den Ballungszentren teure Bahnhöfe errichtet werden. Diese Bauten gelten als Prestigeprojekte der ÖBB.

Verkehrsministerin Doris Bures sieht die Milliarden bestens investiert: „Auf der neuen Westbahn ist die Zukunft der Bahn bereits Realität. Auf der Südbahn müssen wir sie noch schaffen.“ Dieses geplante Megaprojekt ist frühestens 2024 zu realisieren. Dann aber machen die Züge auch Richtung Süden dem Flugzeug Konkurrenz. ÖBB-Boss Kern rechnet vor: „Durch den Semmering-Tunnel ist man dann ab Wien in 2:45 Stunden in Klagenfurt.“

Der rasante Ausbau des heimischen Schienennetzes zu teuren Hochleistungsstrecken hat seinen Grund auch im bereits ziemlich überfüllten Luftraum über Europa und somit auch Österreich. Denn Slots (Lande- und Startfenster) für die Kurzstrecke werden zusehends zur Mangelware und somit immer kostenintensiver. Womit nicht nur die Passagier-Luftfahrt, sondern auch der schnell wachsende Waren-Transport in der Luft zu kämpfen hat. Und selbstverständlich profitieren auch die Zigtausenden heimischen Pendler von schnelleren Zugverbindungen. Der Zug zum Zug bringt vor allem der Umwelt geringere Schadstoffbelastung. Denn Flugzeuge brauchen noch immer Unmengen an Treibstoff.

( Kurier ) Erstellt am 22.12.2012