Chronik | Österreich
08.11.2017

Pyramidenkogel: Pannenserie reißt nicht ab

Betrieb des Pyramidenkogels wieder beeinträchtigt. Bauwerk entpuppt sich als Phänomen: Es glänzt auch ohne zu leuchten.

Dieses Kunststück muss der Aussichtsplattform Pyramidenkogel erst einmal ein anderes heimisches Ausflugsziel nachmachen: Die Pannenserie reißt beim Holz-Stahl-Konstrukt am Wörthersee nämlich genauso wenig ab wie der Besucheransturm.

In den vergangenen Tagen mehrten sich wieder Problemfälle: Am Sonntag kam wegen Windböen einmal mehr der Lift ins Stocken; die Besucher mussten sich schließlich über die Treppen zur Aussichtsplattform quälen. Tags darauf wurde der Turm überhaupt geschlossen – wegen leichten Schneefalls und damit verbundener Glatteisgefahr auf den Fluchtwegen, wie Markus Klaura, der Architekt des 2013 in Keutschach errichteten Bauwerks, ausführt.

Seit 19. Juni dunkel

Diese Betriebsbeeinträchtigungen reihen sich ein in eine lange Serie von Defekten, die mehrmals den Ticket-Verkauf, die Telefonanlage oder die Steuerung der Drehkreuze betrafen. Im Gegensatz dazu setzten sich Rauchmelder oder Sprinkleranlagen ohne Anlass in Betrieb. Zudem erweist sich das Holz-Stahl-Konstrukt als Blitz-Magnet, weshalb die nächtliche Lichtshow bislang nur ein einiges Mal erstrahlte: bei der Premiere am 19. Juni funkelte der Pyramidenkogel wie der Pariser Eiffelturm. Weil aber noch am selben Abend der Blitz einschlug, bleiben die um 230.000 Euro angeschafften 164 LED-Strahler seitdem dunkel.

Das soll sich bald ändern: "Einige Leuchten waren nicht dicht und Wasser konnte eindringen – ein Fertigungsfehler unserer französischen Partnerfirma samt langer versicherungstechnischer Prozedur. Jetzt ist klar: die Strahler werden kostenlos getauscht, im Advent sollte der Turm wieder leuchten", schätzt Klaura. Zu 100 Prozent in Griff bekommen werde man die technischen Probleme an diesem Objekt aber wohl nie, fügt er hinzu. Klaura: "Dieses Bauwerk hat sein Eigenleben. Es ist ja immerhin ein Einzelstück, kein Massenprodukt."

330.000 Besucher

Der Turm zieht aber die Massen an, obwohl er ständig Mätzchen macht. 90.000 Besucher zählte man jährlich beim alten, im Jahr 1950 errichteten Stahl-Objekt. Die Latte für das neue Bauwerk lag ursprünglich bei 100.000 Gästen pro Jahr, der Schnitt liegt seit 2013 jedoch bei imposanten 330.000 Besuchern."Auch heuer werden wir diese Zahl trotz Schlechtwetters im September wieder erreichen", ist Karl Dovjak, SPÖ-Bürgermeister von Keutschach überzeugt.

Acht Millionen Euro kostete der Neubau, finanziert von der Gemeinde und dem Land. Keutschach hat im Vorjahr den Anteil des Landes um 2,5 Millionen Euro erworben; damit ist die Gemeinde alleiniger Betreiber und Besitzer des Touristen-Hotspots.

"Nicht Neid wecken"

Wie viel Gewinn der Turm abwirft, wollen weder Anton Miksche, Geschäftsführer der Pyramidenkogel Infrastruktur GmbH & Co KG, noch Ortschef Dovjak verraten. "Das würde nur Neid wecken. Wir können mit den Erlösen aus dem Pyramidenkogel aber die jährliche Kreditrate von 360.000 Euro bezahlen sowie Abgänge bei den Strandbädern, beim Kultur- und Sportzentrum decken – und es bleibt noch immer ein schöner Betrag übrig", lächelt Dovjak.