Chronik | Österreich
11.08.2017

Pyramidenkogel: Gäste-Magnet zieht Blitze an

Betrieb des Aussichtsturms ist seit Wochen beeinträchtigt, Lichtshow funktionierte nur ein Mal.

Anziehungspunkt für Touristen ist der Aussichtsturm Pyramidenkogel in der Gemeinde Keutschach am Wörthersee seit seiner Errichtung im Jahr 1950. Im heurigen intensiven Gewittersommer zieht er allerdings auch außergewöhnlich viele Blitze an, die den Betrieb beeinträchtigen.

"Blitzeinschlag – Lift derzeit außer Betrieb", lautete der Facebook-Eintrag des Ausflugziels am Donnerstagvormittag. Die zahlreichen Touristen mussten sich über die Stiegen nach oben quälen. Einmal mehr, denn Blitzschläge häufen sich bei der Sehenswürdigkeit. "Rund 20 Einschläge in den Turm hat es in den letzten Wochen gegeben", schätzt Markus Klaura, der Architekt dieses 2013 neu errichteten Bauwerkes.

Eine Zahl, die Josef Lukas vom Wetterdienst Ubimet durchaus nachvollziehen kann: "In Keutschach waren heuer fast 160 Blitzeinschläge zu verzeichnen – die Blitzdichte pro Quadratkilomater ist in dieser Gemeinde mit 4,7 extrem hoch."

Direkteinschläge in das Ausflugsziel zählte Wolfgang Schulz vom Blitzradar ALDIS heuer bisher neun, im gesamten Vorjahr hingegen nur zwei. Warum ausgerechnet der 100 Meter hohe Pyramidenkogel betroffen ist, ist Lukas klar: "Der Turm ist der höchste Punkt in der Gemeinde und zieht die Blitze an."

Warum dieses Problem ausgerechnet heuer akut wird, wissen jedoch selbst die Fachleute nicht. Der alte Pyramidenkogel war ein Stahlbeton-Konstrukt. Beim Neubau von 2013 bestehen die Steher aus Holz, die Ellipsen aus Stahl. Probleme in diesem Ausmaß mit Blitzschlag hatte man aber weder vor 2013, noch in den darauf folgenden Jahren.

"System verbessern"

Eigentümer des Turms, der jährlich 300.000 Besucher anzieht, ist die Gemeinde Keutschach. Bürgermeister Karl Dovjak (SPÖ) hat in den letzten Tagen eine Vielzahl von Experten kontaktiert. "Eine definitive Ursache für die steigende Anzahl von Blitzeinschlägen fanden wir nicht. Wir werden jedenfalls jetzt unser Blitzableitersystem verbessern, indem wir zusätzliche Überspannungsleitungen installieren."

Das aktuelle Blitzableiterkonstrukt würde wohl Menschen 100-prozentigen Schutz bieten, nicht aber den elektronischen Systemen, ergänzt Klaura. So war in den letzten Wochen nicht nur unzählige Male der Aufzug außer Betrieb – weiters streikte die Telefonanlage, war die Drehkreuzsteuerung lahmgelegt oder die Sprinkleranlage ein Selbstläufer.

Ein zusätzliches Problem wird sich ebenso wenig rasch lösen lassen: Seit 19. Juni sollte die Touristenattraktion in den Nachtstunden wie der Pariser Eiffelturm als "Leuchtturm" erstrahlen, 230.000 Euro ließ sich die Gemeinde die Anschaffung von 164 LED-Strahlern kosten.

Turm bleibt dunkel

Diese Lichtershow glückte zwar bei der Premiere, bereits am 20. Juni schlug allerdings gegen 20 Uhr ein Blitz ein. Erst schien nur ein Kleinteil defekt, das ausgetauscht wurde. "Nun ist klar, dass beim Gewitter Wasser in zehn Strahler eingedrungen ist. Ein klarer Fertigungsfehler der französischen Firma, die uns die Lampen geliefert hat", berichtet Architekt Klaura. Man habe wohl eine dreijährige Gewährleistung, aber die Abwicklung mit den Franzosen werde noch einige Zeit dauern. Bei der Lichtanlage handle es sich um ein geschlossenes digitales System, das nur als Einheit mit allen 164 Leuchten funktioniere, sagt Klaura.