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Gericht
05/18/2016

Prozess gegen drei Ärzte in Graz

Vertauschte Spritze war laut Sachverständigem schuld am Tod

Im Grazer Straflandesgericht ist am Mittwoch der Prozess gegen drei Ärzte wegen fahrlässiger Tötung fortgesetzt worden. Ein Unternehmer soll 2013 gestorben sein, weil er im Zuge seiner Krebstherapie eine Spritze ins Rückenmark statt in die Vene bekommen haben soll. Hauptangeklagte ist die behandelnde Ärztin, den anderen wird vorgeworfen, die Einführung von Vorsichtsmaßnahmen unterlassen zu haben.

Leukämie-Therapie

Der Patient kam im Dezember 2013 ins LKH Graz, um seine Leukämie-Therapie fortzusetzen. Doch die Neurologin, die ihm eine Spritze ins Rückenmark geben sollte, kontrollierte die Injektionen nicht. Sie nahm beide Spritzen, die neben dem Mann lagen und verabreichte sie ins Rückenmark – obwohl eine für die Vene bestimmt war. Der Patient fiel ins Koma und starb einen Tag vor Weihnachten.

Lang und breit wurde in der Verhandlung bereits erörtert, wie diese Verwechslung passieren konnte. Keiner der drei Angeklagten fühlte sich schuldig, auch die behandelnde Ärztin nicht. Richterin Julia Sorg fragte, ob die Medizinerin nicht stutzig geworden sei, als die eine Spritze nicht – wie sonst immer – grün, sondern weiß gewesen sei? „Ich schaue wirklich nicht auf die Farbe der Spritze“, meinte die Angeklagte dazu.

Verschiedene Hüllen

Die Injektionen für die Venen sind durchsichtig und in grauer Hülle mit großem Etikett verpackt, während die für das Rückenmark aus grünem Plastik sind und steril in einer grünen Verpackung stecken – um genau solche Verwechslungen auszuschließen.

Auch das Etikett mit der Aufschrift „IV“ für „intravenös“ will die Neurologin nicht bemerkt haben. Fieberkurve zur Überprüfung des Medikaments hatte sie auch keine, und ins hauseigene Computerprogramm, wo sie sich ebenfalls informieren hätte können, hat sie nach eigenen Angaben nicht hineingeschaut.

„Hätte jedem passieren können“

Ein Zeuge, ebenfalls Arzt, der von der Verteidigung beantragt worden war, erklärte: „Das hätte jedem von uns passieren können.“ Die Organisation im LKH sei damals „suboptimal“ gewesen. „Haben Sie selbst die Etiketten gelesen?“, fragte die Richterin. „In 80 Prozent der Fälle schon“, meinte der Mediziner. „Das ist nicht sehr vertrauenserweckend“, befand die Vorsitzende.

Weiters wollte sie wissen: „Hätten Sie die Spritze verabreicht, wenn Sie das Etikett “IV„ gesehen hätten?“ - „Das ist so eine kleine Schrift...“ begann der Zeuge, wurde aber von der Richterin äußerst bestimmt unterbrochen: „Dann muss man eine Brille nehmen. Also, hätten Sie sie verabreicht?“ - „Nein.“

Lähmungserscheinungen

Die Injektion habe jedenfalls zu einer „toxischen Schädigung im Bereich des Zentralnervensystems“ geführt, erklärte der medizinische Sachverständige Peter Grabuschnigg. Lähmungserscheinungen, darunter auch Nierenversagen, waren die Folge, die konkrete Todesursache war dann ein Sauerstoffmangel des Herzens.

„Er war vorher keineswegs ein gesunder Mensch“, führte der Sachverständige aus. Der 83-jährige Patient war wegen seiner Leukämie in Behandlung gewesen. „Es gibt aber keinen Hinweis darauf, ob der Tod erfolgt wäre, wenn die Spritze nicht gegeben worden wäre“, formulierte es Grabuschnigg in aller Deutlichkeit.

„Nicht schuldig“

Die behandelnde Ärztin blieb dabei, dass sie sich nicht schuldig fühlen würde. Sie habe einen Arzt, der ihr anstelle der Fieberkurve mitgegeben worden war, gefragt, ob das die Spritzen seien und er hätte bejaht. Der Mediziner konnte sich bei der vorigen Verhandlung an eine solche Frage nicht erinnern.

Ein Urteil wurde für den Abend erwartet.

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