Nach Fehlgeburt
07/03/2013

Frau führte bei zwei Schwangeren Abtreibungen herbei

Aus Enttäuschung über eigene Fehlgeburt zwei Frauen Tabletten in den Kakao gemischt.

von Brigitta Luchscheider

Der dunkelhaarigen Frau rinnen die Tränen übers Gesicht, ihr ganzer Körper zittert: „Sie hat mir zugesehen, wie ich den Kakao Schluck für Schluck getrunken habe, obwohl sie wusste, was passieren wird.“

Die junge Kärntnerin hatte eine Fehlgeburt. Aber nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern weil ihre Schwägerin ihr Tabletten ins Getränk gemixt hatte. Medikamente, die, wie die 26-jährige Beschuldigte wusste, einen Gebärmutterkrampf und danach den Abgang des Fötus bewirkten.

Gleich zwei Mal hatte die Büroangestellte Bettina M. aus Klagenfurt diese Form des „Schwangerschaftsabbruchs ohne Einwilligung der Schwangeren“ vorgenommen: „Ich hatte 2010 zwei Kinder verloren und wusste nicht, wie ich mit dem Verlust umgehen sollte“, gestand sie weinend am Mittwoch beim Prozess in Klagenfurt. Damals bekam sie von den Ärzten auch jenes Medikament verschrieben, das sie später einsetzte. Im Jänner 2011 lud sie ihre beste Freundin Sabine zu sich ein. Sie war in der sechsten Woche schwanger. „Sie gab mir einen speziellen Saft für Schwangere“, erzählte das Opfer vor Gericht.

Vollnarkose

Noch am selben Abend bekam die blonde Frau Blutungen; unter Vollnarkose musste eine Curettage (Gebärmutterausschabung) vorgenommen werden. „Wir waren seit unserer Kindheit befreundet. Bettina wusste, wie sehr ich mir ein Baby wünschte.“ Mittlerweile hat Sabine einen eineinhalbjährigen Sohn: „Während der Schwangerschaft hatte ich Angst vor einer weiteren Fehlgeburt.“

Zwei Monate später traf es Schwägerin Christina: „Ich habe Bettina nach der Fehlgeburt richtig ins Herz geschlossen, weil sie so auf mich eingegangen ist“, sagt die Frau im Zeugenstand. Mittlerweile hat auch sie eine kleine Tochter: „Sie leidet an einer seltenen Muskel- und Gelenkserkrankung, die als mögliche Nebenwirkung des Medikaments genannt wird.“

„Ich konnte es damals nicht ertragen“, beteuert die Angeklagte, „diese Kinder, die mit meinem Baby aufgewachsen wären, hätten mich immer wieder an meinen Verlust erinnert.“

Beicht-Briefe

Weder Freundin noch Schwägerin wären je auf die Idee gekommen, dass hinter ihrem „Schicksalsschlag“ die 26-jährige Klagenfurterin steckt. Diese „beichtete“ ihre Taten im Dezember 2012 in Briefen an ihre Opfer, nachdem diese ihre Kinder bekommen hatten. Darauf antwortete die Schwägerin: „Ich halte dich für eine Mörderin und werde dich anzeigen.“ Dem kam die 26-Jährige zuvor und stellte sich im Jänner 2013 selbst der Polizei.

Der psychiatrische Sachverständige Walter Wagner führte aus: „Die Angeklagte konnte ihre Enttäuschung nicht ausdrücken. Die Schwangerschaften in ihrem Umfeld haben ihren Schmerz aktuell gehalten.“

Der Prozess wurde für ein medizinisches Gutachten vertagt (siehe Kasten). Sabines Mutter meinte: „Uns allen geht es nicht gut, sie soll bestraft werden.“ Die Angeklagte selbst hat mittlerweile ihre dritte Fehlgeburt erlitten.

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