Alliierte machten diese Aufnahme im April 1945

© /Luftbilddatenbank/Possert

Steiermark

Protest gegen Murkraftwerk auf politischer und historischer Ebene

Sondersitzung des Gemeinderates in Graz geplant. Archäologen behalten unterdessen Baugelände im Auge.

von Elisabeth Holzer-Ottawa

02/22/2017, 05:00 PM

Die Protestaktionen gegen das Murkraftwerk in Graz-Puntigam verlagern sich auch wieder auf eine politische Ebene: KPÖ und Grüne wollen Montag eine Sondersitzung des Gemeinderats dazu beantragen.

"Viele Leute, die dem Projekt bisher gleichgültig gegenüber gestanden sind, stellen jetzt mit Entsetzen die Tragweite fest", begründet KPÖ-Chefin Elke Kahr. Der frühe Wahltermin (5. Februar) sei bewusst von ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl gewählt worden, um "mit dem Bau zu beginnen". Die Sitzung muss binnen einer Woche stattfinden, in alter Konstellation übrigens: Der neue Gemeinderat wird sich voraussichtlich Anfang April konstituieren.

Belastete Geschichte

Unterdessen setzen die Gegner des Kraftwerks auch auf die historische Ebene. Aktivisten der Plattform "Rettet die Mur" berichten, dass sie Dienstag auf dem Baugelände "Metallteile, Knochen, Werkzeuge und Ziegelreste" entdeckt hätten und dies dem Bundesdenkmalamt gemeldet haben.

Damit wird versucht, den Kreis zur NS-Vergangenheit zu schließen: In der Nähe des heutigen Baustellengelände war das "Lager Liebenau", in dem zumindest 35 Menschen getötet wurden. Bis zu 6000 Zwangsarbeiter mussten auf dem Weg nach Mauthausen dort durch.

Der Grazer Arzt Rainer Possert steuert Luftaufnahmen des Geländes 1945 zur Debatte bei: Angefertigt von den Alliierten zeigten sie Bombenkrater, aber auch Menschenkolonnen. "Dort, wo jetzt die Demonstranten ausgesperrt werden, war der Lagerzaun", beschreibt Possert. "Fundstücke aus der Zeit müssen archäologisch bewertet werden."

Die Energie Steiermark verweist aber auf eine Studie, die "keine Hinweise auf Ausläufer des Lagers auf dem Baugelände ergeben" habe. Seit Baustart seine keine Funde gemacht worden. Da das Thema jedoch sensibel sei, seien "regelmäßig Archäologen am Baustellen-Gelände", versichert ESTAG-Sprecher Urs Harnik-Lauris.

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