Chronik | Österreich
23.11.2017

"Problemwolf" ließ sich nicht einmal mit Heugabeln verjagen

Kapitales Tier suchte am helllichten Tag ohne Scheu Bauernhöfe in Oberösterreich heim.

Die Debatte um die Wiederansiedlung des Wolfs in Österreich hat seit Mittwoch neuen Zündstoff. Ein "Problemwolf" hat am Montag in Bad Kreuzen im Bezirk Perg in Oberösterreich am helllichten Tag drei Bauernhöfe aufgesucht, einen Hahn gerissen und sich mit Heugabeln bewaffneten Landwirten und dem Jagdleiter im Pkw ein mehrstündiges Katz-und-Maus-Spiel geliefert. Das stattliche und sichtlich wohlgenährte Tier zeigte keinerlei Scheu und Fluchtverhalten. "Er ließ sich nicht einmal mit dem Auto vertreiben", erklärt Bezirksjägermeister Ulf Krückl.

Jagdleiter Karl Bauernfeind wurde am Montag gegen 13.45 Uhr von einem Landwirten zu dessen Hof nach Bad Kreuzen gerufen. Der Wolf stand zehn Meter vor dem Freilaufstall des Bauern, Auge in Auge mit dessen Wachhund. "Er ist dann 800 Meter weiter zum nächsten Hof. Ich bin mit dem Jagdauto nach, da hatte er bereits einen Hahn im Fang (Maul, Anm.d.Red.)", sagt Bauernfeind.

Das Tier fraß unweit aller Augenzeugen seelenruhig seine Beute. Erst gegen 16 Uhr zog er von dannen.

Damit hat sich das Tier ganz anders verhalten, als es Wolfsbefürworter bisher gepredigt haben. Wölfe seien scheu und würden jeden Kontakt zu Menschen meiden. Sie würden daher auch keine Gefahr für Bürger darstellen, argumentierte bisher der österreichische Wolfsbeauftragte Georg Rauer. Er muss zugeben, dass die mehr als 30 Aufnahmen des Tieres ein "äußerst ungewöhnliches Verhalten" zeigen.

Deshalb hält es der Wolfsexperte auch für "sehr unwahrscheinlich", dass das Tier aus der freien Wildbahn stammt. Rauer tippt eher auf einen Wolf, der Menschen gewöhnt ist – eventuell ein Ausreißer aus einem Gehege? "Ein wilder Wolf hat in der Regel nicht so einen fetten Lenz", erklärt Rauer.

Krückl, der die Raubtiere in Nordamerika bereits in freier Wildbahn erlebt hat, spricht von einem extrem kapitalen Exemplar.

DNA-Proben

"Anstehen kann man das Problem sicher nicht lassen", räumt Rauer ein. Er fuhr am Mittwoch sofort nach Oberösterreich, und stellte Überreste des gerissenen Hahns für DNA-Proben des " Problemwolfs" sicher. Damit ließe sich feststellen, ob das Tier von bereits in der DNA-Datenbank registrierten Wölfen abstammt. "Wenn die DNA völlig aus der Reihe fällt, ist das auch aufschlussreich", sagt der Wolfsexperte.

Sieben Raubtiere sind es, die nach derzeit offiziellem Wissensstand jenem Rudel angehören, das sich vor zwei Jahren am Truppenübungsplatz Allentsteig im niederösterreichischen Waldviertel niedergelassen hat und sich dort sichtlich pudelwohl fühlt. Wie viele Wölfe derzeit insgesamt in Österreich unterwegs sind, lässt sich schwer sagen.

Fix scheint, dass einige Tiere des ersten Wurfs (von insgesamt zwei) bereits auf der Suche nach einem eigenen Revier durchs Land streifen. Zusätzlich sind wohl auch weitere Tiere im Bundesgebiet unterwegs. "Allerdings ist Österreich ein katholisches Land, Wölfe kommen hier schnell in den Himmel", sagt Wolfsforscher Kurt Kotrschal.

Der Naturschutzbund hat jedenfalls kürzlich, wie berichtet, eine Petition gestartet, die mit möglichst vielen Unterschriften die Überlebenschance des Wolfs in Österreich sichern soll. Die Jägerschaft ist mehr als kritisch.