Chronik | Österreich
10.07.2017

Post testete Drohnen im Bergland

Fünf Monate lang stellten sie Pakete zu. Technisch klappt das einwandfrei, doch noch rechnet sich ihr Einsatz nicht.

"Projekt Heidi". Der Name allein verrät schon das Einsatzgebiet: Bergland, ländliche Region, schwer erreichbar. Dort ließ die Post fünf Monate lang Pakete durch Drohnen zustellen, um zu testen, ob diese Form der Auslieferung Zukunft haben könnte.

Sie hat, ist Post-Vorstand Peter Umundum überzeugt: "Technisch funktioniert das einwandfrei. Aber es ist schwierig, die Massentauglichkeit umzusetzen."

80 Millionen Packerln liefert die österreichische Post pro Jahr aus. Für 20.000 davon käme die autonome Zustellung durch die Luft derzeit infrage, berichtet Umundum. "Es wäre technisch ausweitbar. Aber wenn wir das in Ballungsräumen anbieten würden, würde es über Graz oder Wien finster werden." Bleibt also der ländliche Raum, in dem Drohnen rund 1000-mal für "Heidi" flogen. Horst Bischof, Vizerektor der Technischen Universität Graz, freut sich über die Zielgenauigkeit der Fluggerräte, die von der Uni mitentwickelt wurden: "Zu 98 Prozent hat das funktioniert."

Bis zu zehn Kilogramm

20 Minuten lang oder 40 Kilometer weit kann eine der eingesetzten Drohnen unterwegs sein. Während sie fliegt, fährt ein Postler auf der Straße in der Region mit "Eli", der Heimatstation der Drohen quasi: Die Drohnen docken nach Zustellung dort an und bekommen einen aufgeladenen Akku sowie ein neues Packerl. Der Zusteller muss zwar mitfahren, erspart sich aber die Zeit, auf einen Bergbauernhof zu fahren. Das erledigt die Drohne, die ihn dank Vernetzung mit "Eli" wiederfindet. Die eingesetzten Geräte können bis zu 500 Gramm tragen, es gibt aber auch solche, die bis zu zehn Kilogramm schaffen. Die Kunden werden per Handy-APP informiert, dass ihre Waren unterwegs sind.

Allerdings rechnet sich das System noch nicht, es ist zu teuer. "Im Moment", betont Peter Umundum. "Da geht’s um ein paar Euro pro Paket." Unter anderem macht es die Logistik noch kostspielig, beschreibt Vizerektor Bischof: Landeflächen sowie wetterfeste Fluggeräte sind nötig. "Um das flächendeckend ausrollen zu können, braucht es andere Drohnen, zum Beispiel solche, die spritzwassergeschützt sind."

Moped liefert alleine

Für den Herbst planen Uni und Post aber bereits die nächste Testreihe, wenn auch mit einem Zusteller, der am Boden bleibt. Elektrisch betriebene Mopedroller werden so umgebaut, das sie autonom fahren und Pakete zustellen können. Das soll ab September oder Oktober in der Grazer Innenstadt ausprobiert werden, vermutlich mit 100 Testkunden.

Details will Umundum noch nicht verraten. Jetzt tüfteln Mitarbeiter der TU ohnedies an den Feinheiten des Roboter-Postlers. "Er sollte Fußgänger nicht zusammenführen", erklärt Vizerektor Bischof und schmunzelt. "Das bringt schlechte Publicity."