Chronik | Österreich
15.09.2017

Polizei fahndet nach kriminellen Dachdeckern

Vermeintliche Dachdecker zocken Hausbesitzer schamlos ab. Sie geben vor, Reparaturen preisgünstig durchzuführen, bedrängen aber am Ende ihre Opfer, bis diese die überhöhten Rechnungen bezahlen.

Die Masche ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten: Sie steuern Einfamilienhäuser älteren Baujahrs an und überrumpeln die meist betagten Eigentümer mit angeblich besonders günstigen Reparaturarbeiten. Die Rede ist von einem mutmaßlich betrügerischen Dachdecker- und Spengler-Trupp, der mit einem weißen Kastenwagen mit ungarischem Kennzeichen durch den Speckgürtel um Wien tourt, und versucht, groß abzukassieren.

So auch jüngst in der Wienerwald-Ortschaft Scheiblingstein. Der etwa 40-jährige Capo drang mit drei Leuten auf das Grundstück einer alleinstehenden Pensionistin ein, die gerade im Garten arbeitete. Gegen ihren Willen begann das Quartett am Dach des Hauses angebliche Reparaturarbeiten zu verrichten. Danach drängten die Männer die Seniorin in ihr Haus, nahmen ihr das Mobiltelefon ab, zogen das Kabel des Festnetztelefons aus der Buchse und verlangten 67.000 Euro. Sie boten sogar an, Schmuck statt Bargeld in Zahlung zu nehmen.

Opfer geschockt

"Da die völlig eingeschüchterte Dame den geforderten Betrag nicht im Haus hatte, fuhr sie mit den Tätern zur Bank und gab ihnen 5000 Euro. Danach verschwanden sie im Handumdrehen", sagt ein Verwandter des Opfers zum KURIER. "Die Tätergruppe ist so dreist, dass sie am nächsten Tag erneut in der Nachbarschaft auftauchte." Das Opfer muss nun von Profi-Handwerkern prüfen lassen, ob das nicht reparaturbedürftige Dach von dem ungarischen Trupp beschädigt wurde.

Das ist leider kein Einzelfall: "Aufgrund der Beschreibung der Personen und des Fahrzeuges hat die Polizeiinspektion Klosterneuburg eine österreichweite Fahndung veranlasst", sagt Raimund Schwaigerlehner von der Landespolizeidirektion Niederösterreich zum KURIER. "Wir gehen von gewerbsmäßigem Betrug aus." So haben diese Tätergruppen in der Regel weder eine Gewerbeberechtigung noch eine Steuernummer in Österreich. Vor allem mit " Reparaturen" von Kupfer-Dachrinnen sollen sie schon vor Monaten ordentlich Geld gemacht haben.

Finger weg

"Wir warnen ganz eindringlich vor diesen Angeboten. Sie machen Kostenvoranschläge, die sehr günstig erscheinen, aber am Ende verlangen sie mit irgendwelchen Begründungen das Zigfache davon", weiß Schwaigerlehner. Im Ernstfall sollten Betroffene den Polizeinotruf 133 wählen. Eine ähnlich agierende Tätergruppe hat schon vor Monaten die Steiermark heimgesucht.

"Das hatte bei uns enorme Dimensionen angenommen. Man kann eigentlich nichts dagegen tun, als die Bevölkerung zu warnen", sagt Helmut Schabauer, Innungsmeister der steirischen Dachdecker. "Die Leute werden zu Zahlungen genötigt, sie werden eingeschüchtert und es wird gedroht, dass ihr Haus angezündet wird, falls sie nicht zahlen." Auch bei einer Kundin Schabauers ist die ungarische Truppe mit dem weißen Kastenwagen aufgetaucht. Die Kundin nahm an, Schabauers Mitarbeiter würden früher als geplant mit den Arbeiten beginnen. Doch sie hat kein gutes Gefühl: Nach Rücksprache mit Schabauer rief sie die Polizei – woraufhin die Männer eilig das Weite suchten.