Chronik | Österreich
03.10.2017

Plötzlich war Weideland um 30 Millionen Euro mehr wert

Zwei Jahre, nachdem die Anklage eingebracht wurde, startete ein neuer Prozess um Kredite der Hypo gegen ihre Ex-Vorstände.

"Mein Mandant wird ja quasi automatisch bei jedem Projekt beschuldigt, nur weil er im Vorstand war", rügt Rechtsanwalt Josef Weixelbaum und legt damit die Verteidigungsstrategie fest: Wolfgang Kulterer, Ex-Vorstand der Hypo, bekennt sich im jüngsten Strafprozess nicht schuldig, ebenso wie die weiteren fünf Angeklagten übrigens. Unter ihnen ist auch Kulterers früherer Kollege im Hypo-Vorstand, Günter Striedinger.

Es geht um Untreue in diesem Verfahren, das am Dienstag in Klagenfurt begonnen hat. Um zwei lang zurückliegende Geschäfte dreht sich die Anklage. Einerseits um die "Hilltop Holding" und eine für den Staatsanwalt nicht nachvollziehbare Wertsteigerung eines Grundstücks.

Die "Hilltop Holding" gehörte drei Kroaten, die bei der Bank Schulden hatten. Da wird es interessant: Diese Holding soll 2003 eine Firma übernommen haben, deren Herzstück ein 1,4 Millionen Quadratkilometer großes Grundstück auf der kroatischen Insel Pag war laut Ankläger zu dem Zeitpunkt Weideland. Rund vier Millionen Euro soll die Holding für die Firma hingeblättert haben.

Doch nur zwei Monate später fand sich ein Käufer für die "Hilltop Holding" selbst und zwar die Hypo Consultants Liechtenstein. Kaufpreis laut Staatsanwalt: 37 Millionen Euro. Laut Anklage sollen Briefkastenfirmen der involvierten Kroaten den Gewinn eingestreift haben.

Kredite und Garantien

Der zweite Teil der Anklage betrifft ein Wohnbauprojekt in Serbien. "Blok 67" hieß die Firma, die einen Wohnblock in Belgrad errichten sollte. Die Hypo gewährte laut Ankläger Kredite und Garantien: Als das Projekt zu platzen drohte, soll die Hypo 2007 die "Blok 67" aufgekauft haben. So soll ein Schaden von neun Millionen Euro entstanden sein.

Alle Verteidiger plädieren am Dienstag auf nicht schuldig und weisen sämtliche Vorwürfe strikt zurück. Zu Wort kommen die Angeklagten noch nicht, der Prozess wird auf morgen, Donnerstag, vertagt. Dann soll Wolfgang Kulterer befragt werden, eine Woche später Güter Striedinger, die weiteren Angeklagten sollen bis Mitte November dran kommen. Erst im kommenden Jahr dürfte demnach mit einem Urteil zu rechnen sein.

Freisprüche und Strafe

Für Kulterer sind dagegen andere Verfahren ausgestanden. Die Freisprüche rund um die Fälle "Paradiso" und "Anfora maris" sind rechtskräftig; das gilt auch für Günter Striedinger. Dabei ging es um Kredite für eine Kunstpark in Wien sowie einen kroatischen Getränkehersteller. Beim Prozess rund um Vorzugsaktien-Geschäfte gab es am Dienstag weniger erfreuliche Nachrichten für Ex-Hypo-Chef Kulterer: Er bekam eine Zusatzstrafe von sechs Monaten Haft.