Chronik | Österreich
30.01.2018

Pleite-Lokal On Sud sucht neuen Pächter

Zu den Ursachen zählen überbordende Umbaukosten und zu hochgeschraubte Umsatzerwartungen.

Ende Juli 2017 eröffnete Haubenkoch Simon Xie Hong das Lokal "On Sud" im Schatten der Kirche Maria am Siege im 15. Wiener Gemeindebezirk, im August war er bereits mit den Mietzahlungen im Rückstand. Vor wenigen Tagen musste der Star-Koch endgültig die Reißleine ziehen. Er brachte für die Betreiberfirma On Sud Gastronomie und Großhandels GmbH einen Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien ein. Zur Masseverwalterin wurde Eva Wexberg von der Anwaltskanzlei Kainz Wexberg ernannt, eine ausgewiesene Expertin in Sachen Sanierung von Gastronomiebetrieben.

Die Schulden werden laut den Gläubigerschutzverbänden AKV und Creditreform mit fast 938.000 Euro beziffert, davon entfallen 366.600 Euro auf Banken und 126.500 Euro auf eine Brauerei. Bei der Finanz, der Krankenkasse und der Stadt Wien steht der Betrieb mit insgesamt 51.000 Euro in der Kreide. Der Großteil der Verbindlichkeiten betrifft offene Rechnungen bei diversen Handwerkern – Tischler, Trockenbauer, Maler, Installateur, Elektriker und Küchentechniker. Dazu kommen noch offene Forderungen von Lieferanten.

Streitigkeiten?

Als Insolvenzursachen werden die massive Kostenüberschreitung beim Lokal-Umbau (von 500.000 auf rund 750.000 Euro) ins Feld geführt sowie zu hochgeschraubte Umsatzerwartungen. Dem Vernehmen nach wurde zur Abklärung der Mehrkosten beim Umbau ein externer Bauexperte beigezogen. Dieser konnte letztlich aber kein Ergebnis präsentieren, da der für den Umbau verantwortliche On-Sud-Mitarbeiter bei der Aufklärung angeblich nicht mitwirkte. Dieser soll auch für die Handwerker nicht zu erreichen gewesen sein.

Fortführungskaution

Zwar versuchte man mit radikalem Personalabbau und verkürzten Öffnungszeiten das Ruder herumzureißen. Doch es war schon zu spät. Dazu kam, dass der Geschäftsführer Anfang Jänner 2018 absprang und somit das normale Tagesgeschäft wie die Bestellungen nicht mehr funktionierten.

15 Mitarbeiter sind aktuell von der Pleite betroffen. Der Betrieb soll vorerst weitergeführt werden. Von dritter Seite soll dafür eine Fortführungskaution erlegt werden. Masseverwalterin Eva Wexberg wird wahrscheinlich am Ende die Geschäftsausstattung an einen Nachfolge-Pächter veräußern.