Chronik | Österreich
06.12.2018

Nightlife: Pikante Pleite einer Table-Dance-Bar im Nobelort Ischgl

Die zwei Gastrolokale sollen von einer neuen Gesellschaft übernommen und fortgeführt werden.

„In unserer Tabledance Bar im Zentrum von Ischgl bieten wir eine erotische Show in exklusiver Form - wir verbinden Tanz und Schönheit auf eine elegante Art und Weise. Schauen Sie vorbei in unserer Oase der Erotik, die "Insider Girls" werden Sie mit heißen Rhythmen und coolen Drinks recht herzlich empfangen“, heißt es auf der Internet-Homepage www.insider-ischgl.at. „Lassen Sie sich verwöhnen und genießen Sie bei uns entspannte Stunden.“  Mit der angeblichen Entspannung ist es jetzt vorbei. Die „Insider-Bar“ gehört zur b.b.o. Gastronomiebetriebs GmbH ( FN 269813i) mit Sitz in der Dorfstraße 62 in Ischgl, die laut dem Gläubigerschutzverband Creditreform zum zweiten Mal den Weg zum Insolvenzgericht antreten musste.

Die Tiroler Gebietskrankenkasse TGKK hat am 17. Oktober 2018 wegen eines vollstreckbaren Rückstands in Höhe von 15.779,41 Euro einen Insolvenzantrag gestellt. Die b.b.o. Gastronomiebetriebs GmbH hat ihren Sitz in Mathon.

"Der Konkursantrag wird gestellt, weil die Beitragsschuld trotz mehrmaliger Mahnung und trotz Exekutionsmaßnahmen zur Gänze ausständig ist", teilte die Krankenkasse dem Gericht Landeck mit. "Die eingeleiteten Fahrnisexekutionen ergaben keine ausreichende Deckung zur Hereinbringung unserer Forderungen." Unter Fahrnisexekutionen versteht man die Pfändung beweglicher Vermögenswerte.

Geschäftsführer ist laut Creditreform der Gastronom Peter Canal. Zugleich betreibt die b.b.o. auch die Pizzeria Höllenboden in Ischgl. " Die b.b.o. ist zahlungsunfähig und überschuldet", hat Geschäftsführer Canal vor Gericht bereits eingeräumt. Der Konkurs ist heute, Freitag, rechtskräftig eröffnet worden.

Die Zukunft

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die Insider-Bar und die Pizzeria sollen laut Peter Canal von der erst im Mitte November gegründeten Insider Gasto GmbH seines Sohnes Mario fortgeführt und übernommen werden.

Der Hintergrund

Rund 55.000 Euro schuldet der Betrieb der Finanz, 15.700 Euro der Krankenkasse, 21.600 Euro Steuerberatern und 9000 Euro offene Löhne fordern Mitarbeiter; weitere 7600 Euro entfallen auf Musikabgaben (AKM). Indes gibt es bei einem Finanzamt noch eine Gutschrift (13.100 Euro). Liegenschaftsvermögen ist keines vorhanden.

Die Vorgeschichte

Im Jahr 2015 hat die Insider-Bar den Tourismus-Preis "Best Nightlife" erhalten. „Die b.b.o. Gastronomiebetriebs GmbH hatte bereits im Jahr 2016 ein Insolvenzverfahren. Dieses endete mit dem Abschluss eines Sanierungsplans“, heißt es dazu vom KSV1870. „Bereits in diesem damaligen Verfahren war für die Gläubiger klar, dass es sich bei dem abgeschlossenen Sanierungsplan um einen reinen Hoffnungsausgleich handelt. Dieser damals abgeschlossene Sanierungsplan wurde letztlich nicht zur Gänze erfüllt.“ Nachsatz: „Über die Gründe dieser neuerlichen Insolvenz liegen uns derzeit noch keine geprüften Informationen vor. Diese Ursachen werden wir in Zusammenarbeit mit der Insolvenzverwaltung erheben.“

Der erste Sanierungsplan

In der Bilanz 2017 wurde ein negatives Eigenkapital in Höhe von 484.600 Euro Bilanz ausgewiesen, ein Bilanzverlust in Höhe von 502.000 Euro und Verbindlichkeiten in Höhe von 701.750 Euro. Darin enthalten war laut Bilanz-Anhang "ein aliquoter Anteil der Restschuldbefreiung (erstes Insolvenzverfahren) in Höhe von 331.665 Euro".

Der Sanierungsplan sah für das Geschäftsjahr ein positives Ergebnis (31.212 Euro) vor, der Jahresfehlbetrag soll aber 106.000 Euro betragen haben.

"Die Abweichungen sind im Wesentlichen auf einen gegenüber der Planung erhöhten Materialaufwand sowie auf betriebliche Aufwendungen zurückzuführen", heißt es im Anhang. "Der Sanierungsplan sieht für das Geschäftsjahr 2018 ein Vorsteuerergebnis in Höhe von 45.300 Euro vor. Mit Stand Juli 2018 beträgt das vorläufige Ergebnis 39.500 Euro.

"Unterlagen, die die weitere Finanzierung der Verbindlichkeiten laut Sanierungsplan sowie die Finanzierung der laufenden Verbindlichkeiten sicherstellen, konnten uns von der Geschäftsführung nicht vorgelegt werden. Es besteht somit ein wesentliches Risiko, dass der Fortbestand der Gesellschaft nicht gesichert ist."

Die Zukunft

Und weiter heißt es vom KSV1870: „Der Insolvenzverwalter wird zeitnah zu prüfen haben, ob eine Fortführung des schuldnerischen Unternehmens überhaupt möglich ist. Eine solche Weiterführung kommt nur dann in Frage, wenn diese mit keinen weiteren Nachteilen für die Gläubiger verbunden ist.“