Chronik | Österreich
26.04.2017

Pannen-AKW Krško soll weiterlaufen

Zuletzt zwei Zwischenfälle. Betreiber will grenznahe Anlage in Betrieb lassen, Greenpeace zweifelt an UVP

Die aktuellen Zwischenfälle im slowenischen Atomkraftwerk Krško lassen bei Umweltaktivisten, Experten und Politvertretern die Alarmglocken schrillen.

Der veraltete Reaktor, der Luftlinie rund 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt ist, wurde vergangnen Freitag einmal mehr nach einer Panne vom Netz genommen. Ein Entlastungsventil sei defekt gewesen, für die Umwelt habe keine Gefahr bestanden, versichert die Werksleitung. Das tat sie auch am 16. Februar 2017, als sich ein Ventil für die Wasserregulierung als fehlerhaft erwies. Dazu gesellten sich in den vergangenen Jahren Notabschaltungen wegen abgebrochener Brennstäbe, defekter Leitungen und wegen Hochwassers.

"Je älter das AKW wird, desto öfter wird es zu Stör- und anderen Zwischenfällen kommen. Das ist doppelt gefährlich, zumal der Reaktor ja im Erdbeben-Risikogebiet steht", sagt Reinhard Uhrig, Atomexperte von Global 2000. Laut Seismologen weist Krško von allen europäischen AKWs das höchste Erdbebenrisiko auf. Bei einer Fachtagung im Vorjahr in Klagenfurt stellte sich heraus, dass es in einem Umkreis von 25 Kilometern von Krško Erdbebenlinien gibt, über die Österreich nie informiert worden war.

Für Uhrig gibt es jetzt nur eine mögliche Konsequenz: "Krško muss sofort geschlossen werden." Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Betriebsgenehmigung soll um 20 Jahre bis 2043 verlängert werden – die politischen Kräfte in Kärnten liefen am Mittwoch, dem Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe von 1986, gegen diese Bestrebungen Sturm.

"Bei einer Verlängerung steht Österreich rechtlich im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung die Mitsprache zu. Die werden wir – falls erforderlich – bei Gericht einfordern", betont Kärntens Umweltlandesrat Rolf Holub (Grüne).

Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ), der sich 1990 als Anti-Atom-Aktivist an den Zaun des AWK Krško ketten hatte lassen, hat vergangene Woche vom slowenischen Parlamentspräsidenten Milan Brglez eine UVP-Zusage erhalten. "Ich poche darauf, dass sie hält. Wenn wir nicht die Abschaltung erwirken können, sollen durch die UVP zumindest alle Standards eingehalten werden", unterstreicht Kaiser.

"Nein" der Behörde

Jan Haverkamp von Greenpeace glaubt nicht, dass Österreichs Bedenken in Form einer UVP berücksichtigt werden. "Vor einem Monat hat die slowenische Umweltbehörde eine UVP zu Krško dezidiert ausgeschlossen. Dies hat leider weit mehr Gewicht als die Meinungsäußerung des Parlamentspräsidenten", erklärt Haverkamp.