Die Neue Mittelschule Klein St. Paul stattete am Freitag dem Zementwerk im Rahmen des Berufsorientierungsunterrichts einen Besuch ab

© /Josef Kuess

HCB-Skandal
10/16/2015

"Ohne Werk stirbt das Tal"

Lokalaugenschein beim "Tag der offenen Tür"/ Besucher stellen sich hinter w&p

von Thomas Martinz

Überdimensional groß baut sich der Betonklotz vor den Betrachtern auf: Hier, im Zementwerk der Firma w&p in Klein St. Paul, hat der Skandal um die Verseuchung des Görtschitztals mit dem Umweltgift Hexachlorbenzol (HCB) seinen Ausgang genommen. Über die Rohmehlmühle, die sich vor Hunderten interessierten Besuchern dreht, dürfte der Blaukalk unsachgemäß eingebracht worden sein. Und dort, aus dem Schornstein, ist das Gift ausgetreten. Wochen-, monate- oder jahrelang. Wer weiß das schon?

"Tag der offenen Tür" nennt sich die Veranstaltung am Freitag im Zementwerk. Ein mutiger Schritt, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen ein ganzes Tal ins Unglück gestürzt hat. Immerhin haben Mensch und Tier noch immer mit der HCB-Kontamination zu kämpfen, vom wirtschaftlichen Schaden und vom Image als "giftiges Tal" ganz zu schweigen.

220 Arbeitsplätze

Doch beim KURIER-Lokalaugenschein zeigen sich weder Proteste noch Unmutsäußerungen. Vielmehr wird deutlich, dass sich die Menschen in der Region mit dem Werk arrangieren müssen. "Ohne Werk stirbt das Tal", sagt Besucherin Juliana Thaller stellvertretend für viele. Immerhin werden hier 220 Arbeitsplätze erhalten. Dazu gesellen sich die Beteuerungen der Geschäftsführung, ein gläsernes Werk schaffen zu wollen. w&p-Geschäftsführer Wolfgang Mayr-Knoch nutzte den "Tag der offen Tür" als Bühne, um den Bau einer Nachverbrennungsanlage zu verkünden, die im Jahr 2017 in Betrieb gehen soll.

"Wir investieren 13 Millionen Euro, um die Emissionen von organischen Kohlenstoffverbindungen und Kohlenmonoxid zu reduzieren", betont er. Dieses Verfahren wird auch in den Zementwerken in Wopfing und Kirchdorf eingesetzt. Die Frage, warum man dies nicht schon vor Jahren angedacht hat, liegt auf der Hand, wird aber von den Besuchern nicht gestellt.

Blaukalkverbrennung

"Wir müssen zum Werk stehen. Die Alternative ist, dass die Geschäftsführung den Laden zudreht. Dann leidet das Tal erst richtig", murmelt ein Pensionist. Ja, offensichtlich scheint nicht einmal das Unmögliche ausgeschlossen: Die erneute Verwertung des in Brückl deponierten Blaukalks bei w&p. "Das wäre bei einem gesellschaftlichen Konsens sowie bei der Zustimmung der Bevölkerung und der Politik möglich", teilte Mayr-Knoch mit. Ob er sich bewerben werde, wenn die Donau-Chemie die Verwertung ausschreibe, könne er daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten.

Die Bevölkerung interpretiert die Neuinvestition von 13 Millionen Euro in zweierlei Hinsicht: Das Unternehmen wolle die bestehenden Arbeitsplätze sichern und sich fit machen für einen eventuellen, neuerlichen Anlauf zur Blaukalkverbrennung. "Wenn das Werk sicher ist, kann man das andenken", war zumindest der Tenor bei den Besuchern.

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