Chronik | Österreich
02.06.2017

Nur in Maria Wörth wird weiter gebaut

Gemeinde ist die große Ausnahme am Wörthersee. Kritik von Touristen und Einheimischen.

Ungewöhnlich ruhig verläuft der Frühling am Wörthersee, sofern man das GTI-Treffen ausklammert. Nein, nicht weil es an Touristen mangelt. Sondern weil die Gemeinden – wie angekündigt – einen Baustopp verordnet oder durch die Nichterteilung von Widmungen erwirkt haben. Einzige Ausnahme ist Maria Wörth am Südufer: dort werden Hotels und Apartmenthäuser aus dem Boden gestampft. Und es bleiben die von Promis illegal errichteten Mauern vorerst stehen.

"Immobilienhaie richten es sich und bauen ihre Burgen, meist Apartments. Wir Einheimische sind bald die Minderheit", befürchtet Susanne Krebitz aus Reifnitz, Gemeinde Maria Wörth. Tatsächlich stehen hier 1500 Gemeindebürger 600 Zweitwohnsitzinhabern gegenüber. Und die Zahl Letzterer wird steigen, wenn man die Bautätigkeit beobachtet:

Am Sonnenhang in Reifnitz errichten vier Immobilienfirmen fünf Häuser mit mehreren Wohnungen; Seeblick ist garantiert. Bauvolumen rund zehn Millionen. In Dellach realisiert die Lamplhof GmbH um 60 Millionen ein Resort mit 18 Wohnungen und 38 Apartments samt Badehaus am See. Und in Maria Wörth wird die Familie von Eishockeystar Matthias Trattnig das Apart-Hotel um ein Villenhotel erweitern: Bauvolumen unbekannt.

"Überall Baukräne"

"Kärnten wirbt mit dem Wörthersee, aber man sieht ihn kaum – stattdessen überall Baukräne", sagt Heinz Frei, Tourist aus Basel. Maria Wörths Vizebürgermeister Robert Schmidhofer (Bürgerliste) ist zuständig für die Bebauung. Und er nickt. "Ja, es gibt den Trend, die Natur zuzubetonieren. Die Bebauung des Sonnenhangs wurde vor Jahren unter Bürgermeister Adolf Stark (FPÖ, Anm.) beschlossen. Seit 2015 versuchen wir die Bebauungsziffer zu senken, Großprojekte einzudämmen, und aufs Ortsbild zu achten", betont er.

Ein Baustopp sei eine rechtliche Gratwanderung: "Wenn jemand ein Grundstück erwirbt, will er es natürlich auch bebauen." In Maria Wörth bewegen sich die Grundstückspreise zwischen 900 Euro pro Quadratmeter in der "zweiten Reihe" und 1300 Euro am See. "Und dort igeln sich die Reichen dann so ein, dass der Tourist nur Mauern sieht", muss Irma Sussitz aus Voitsberg erkennen, die derzeit in Maria Wörth urlaubt. "Wir lösen das Problem mit einer Schifffahrt. Dann sehen wir den See", erklären Emanuel Leitner und Anja Breitsching aus Neunkirchen.

Verständnis

Einzig ein Tourist aus Wien hat Verständnis für die Bautätigkeit. "Wer sich’s leisten kann, wird an diesem schönen Fleckerl immer bauen – der Behörde sind die Hände gebunden", meint Hansi Frank. Er hat in Dellach ein Seegrundstück von der Millionärsfamilie Flick angemietet, um seinem Hund einen täglichen Sprung in den Wörthersee zu ermöglichen.

Apropos Flick: Bei jenem Grundstück, das durch die illegal errichtete Mauer für Schlagzeilen gesorgt hat, gibt es keine Bautätigkeit. "Die Mauer wird im Herbst abgerissen", beteuert die Flicksche Hausverwaltung. Die Mauer zum See bei Schloss Reifnitz, die das Land als Schwarzbau einstuft, bleibt ebenfalls unangetastet. Eigentümer Siegfried Wolff beeinsprucht den Abrissbescheid.