Chronik | Österreich
22.08.2017

Nummerntaferl für E-Bikes

Steirischer Agrarlandesrat könnte sich Kennzeichnung der elektrischen Fahrräder vorstellen.

"Hier gibt’s keine Grenze mehr von Alter und Fitness. Die Erfindung des E-Bikes stellt sogar die Viagra-Pille in den Schatten." Um einen flotten Spruch ist der steirische Agrarlandesrat Hans Seitinger, ÖVP, nie verlegen. Auch nicht, wenn es um allzu flotte Radler geht: Mountainbikes mit Elektromotor-Unterstützung bringen immer mehr Radfahrer hinauf auf die Berge.

Zuweilen auch auf verbotenen Wegen, also jenen, die nicht deklariert für Mountainbiker geöffnet sind. Noch stehen die E-Bikes am Anfang ihres Erfolgskurses, doch die Kurve zeigt steil nach oben, schon weil die Klientel eine größere ist als beim herkömmlichen Mountainbikes. "Mit so einem Rad fährt jeder 80-Jährige auf den noch so höchsten Berg", überlegt Seitinger.

Doch Menge und Verhalten machen es aus, nicht das Alter der Fahrer: Der Agrarlandesrat denkt laut über eine Kennzeichnungspflicht für E-Bikes nach, zumindest für jene, die in Wäldern herumdüsen. "Wenn sich einer überhaupt nicht an die Regeln hält, kann man ihn damit zumindest erreichen", erklärt der Steirer. Damit ist Seitinger der erste Politiker, der sich für eine Art Nummerntafel für E-Bikes ausspricht.

Versicherungsfrage

"E-Bikes sind eine Technologie, die den Motorfahrzeugen sehr nahe kommt", begründet Seitinger. "Da soll man schon nachdenken dürfen, ob sich das nicht auch in der Kennzeichnung der Räder wiederfindet, in Verbindung mit der Versicherung. Aber das ist meine persönliche Meinung." Das wäre dann vermutlich eine Verschiebung der Haftpflicht weg vom Grundeigentümer hin zum jeweiligen Biker.

Doch so weit ist die Politik noch nicht. Erst wird geregelt, was in Landeskompetenz erledigt werden kann. Ein Jahr lang haben betroffene Gruppen beraten, von der Landwirtschaftskammer über die Touristiker bis hin zu den Naturfreunden. "Eine echte Hexenküche", kommentiert Seitinger. "Man sollte nicht glaube, wie konfliktfreudig so ein Drahtesel ist."

Mustervertrag

Während Freizeitorganisationen die Öffnung sämtlicher Waldwege für Mountainbiker forderten, blieben die Eigentümer dieser Wälder, meistens Bauern, skeptisch: Zu unsicher die Haftungsfrage, zu groß das Risiko. Sollte sich ein Radler verletzen, könnte er den Wegbesitzer belangen.

Als Lösung soll ein Mustervertrag des Landes dienen. Er soll Gemeinden, Vereine und Waldeigentümer im Rechtsbereich absichern. Ebenso angedacht ist ein Leitfaden rund um das Radeln im Wald und am Berg. Leitfaden sowie Vertrag sollen im Oktober fertig sein, verspricht Jürgen Pail, der als Mountainbike-Pionier auch die Regionen berät. "Verschiedene Regionen brauchen verschiedene Modelle. Etwas von oben herab zu verordnen, funktioniert nicht", betont Pail. "Das wäre wie ein Rauchergesetz für den Wald, alle wären aufeinander böse."

Auch hier nehmen die E-(Mountain-)Bikes einen speziellen Platz ein: Haftungs- und Versicherungsfrage werde präzisiert, betont Pail.