Chronik | Österreich
03.08.2017

Notärzte: Warnung vor Versorgungsengpass

Nur 150 von 500 ausgebildeten Notärzten schieben in Kärnten tatsächlich noch Rettungsdienst.

Eine massive Personallücke in der Kärntner Notarztversorgung ortet der zuständige Referent der Kärntner Ärztekammer, Roland Steiner. Der Mediziner warnt vor Engpässen, falls nicht rasch gegengesteuert werde. Das Land sieht jedoch keinen Handlungsbedarf.

Dass Kärnten Ärzte fehlen, ist bekannt. Erst zum Jahreswechsel machte sich dies bemerkbar, als sich Patienten von niedergelassenen Medizinern mit geschlossenen Ordinationen und überfüllten Spitalsambulanzen konfrontiert sahen.

Nun prognostiziert Notärzte-Sprecher Steiner Engpässe in seinem Zuständigkeitsbereich. "Wir schaffen es nur noch annähernd und mit Bitten und Betteln, die Dienste (Montag bis Freitag ab 15 Uhr sowie an Wochenenden; die Tagdienste an Werktagen werden von den Krankenhäusern besetzt, Anm.) in den Bezirken und bei den beiden Hubschraubern zu besetzen. Besonders prekär ist die Situation in den Bezirken Klagenfurt und Hermagor", warnt er vor einem Kollaps.

Die Gründe seien vielfältig: Jungmediziner würden sich für die Fachärzteausbildung entscheiden und den Notarzt-Kurs erst nach sechs Jahren ablegen. Zudem sei die Entlohnung, die vom Land übernommen wird, im Bundesvergleich unterdurchschnittlich. "Nur 870 Euro erhalten wir für einen 24-Stunden-Dienst", beanstandet Steiner. Von 500 Ärzten mit Notarzt-Ausbildung würden sich folglich lediglich 150 am Dienstrad beteiligen.

Viele Fehleinsätze

Die Schwächung der Hausärzte würde die Misere komplettieren. Steiner: "Hausärzte schließen in Kärnten ihre Praxen oft um 14 Uhr, dann wird der Notarzt gerufen. Wir fahren dann zum Patienten, um Blutdruck zu messen. Helfen kann ich nicht, denn ich darf kein Rezept ausstellen. 40 Prozent der Fälle sind mittlerweile Fehleinsätze."

Rot-Kreuz-Präsident Peter Ambrozy gibt Steiner bedingt recht: "Derzeit können wir die Dienste noch besetzen, das System funktioniert im Wesentlichen, aber ein Problem könnte entstehen. Wir werden uns Gedanken machen müssen, ob vielleicht die Krankenanstalten sämtliche Notarzt-Dienste übernehmen", überlegt er. Steiner fordert vom Land bessere Bezahlung, eine Stärkung der Hausärzte und die Möglichkeit, nach dreijähriger ärztlichen Tätigkeit einen Notarzt-Kurs zu absolvieren.

Letzteres kann sich Gesundsheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) vorstellen: "Eine Änderung der Ausbildungsordnung ist österreichweit im Gespräch." Sie verweist auf den Umstand, dass das Land die Notarztausbildung finanziere. Von einem Versorgungsengpass könne keine Rede sein.

Bundesländervergleich

"Auch finde ich, 870 Euro sind eine anständige Entlohnung, aber ich lasse eine Bundesländer-Vergleichsanalyse erstellen", erklärt Prettner. Der KURIER hat sich umgehört: In Salzburg beispielsweise werden 1000 Euro pro 24-Stunden-Dienst bezahlt, in Tirol 1200 Euro und in Oberösterreich 1920 Euro.