Chronik | Österreich
22.02.2018

Neuer Anlauf für Schalldämpfer

Nach Gerichtsentscheid interveniert Jägerschaft im Innenministerium für Gesetzesnovelle.

Erstmals in Österreich hat das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich im vergangenen Dezember einem gewöhnlichen Freizeitjäger einen Schalldämpfer für die Jagd zugebilligt. Das war das bisher erste und einzige Mal in Österreich. Nachdem die Dämpfer dem Gesetz nach als "verbotene Gegenstände" gelten, haben alle Behörden bisher gebetsmühlenartig alle Anträge abgelehnt.

Dies will der einflussreiche niederösterreichische Landesjagdverband nicht mehr auf sich sitzen lassen. Landesjägermeister Sepp Pröll hat diese Woche einen neuen Vorstoß gewagt, um eine Gesetzesänderung in Sachen Schalldämpfer zu erzielen. Pröll nutzte einen Antrittsbesuch bei der frisch gebackenen Staatssekretärin Karoline Edtstadler im Innenministerium, um den Forderungen der Jägerschaft Nachdruck zu verleihen. Er intervenierte, bei der bevorstehenden Novelle des Waffengesetzes Schalldämpfer sowie den Waffenpass für die Jägerschaft freizugeben. Als Argument führte er unter anderem den Gesundheitsschutz an. Der Mündungsknall eines Jagdgewehrs ist mit etwa 165 Dezibel lauter als ein Eurofighter beim Start, Gehörschäden sind fast unvermeidbar.

Dennoch haben mehr als 120.000 Freizeitjäger das Nachsehen. Es sei teilweise haarsträubend, mit welchen Begründungen die Behörden die Anträge ablehnen, erklärt der Waffenrechts-Experte, Raoul Wagner.

Gericht ignoriert

Er war der Erste, der vor dem nö. Landesverwaltungsgericht (LVwG) den Schalldämpfer erfolgreich erstritten hat. Seither hat der Anwalt für mehr als 20 Freizeitjäger Anträge in den jeweiligen Bundesländern eingebracht. Die ersten beiden hat die Landespolizeidirektion (LPD) Wien bereits abgelehnt und dabei die aktuelle Rechtsprechung des LVwG ignoriert.

"Die LPD Wien stützt die Ablehnungen darauf, dass der Schuss im Interesse der Öffentlichkeit hörbar bleiben muss, obwohl wir eben das mit Hunderten Seiten an Beilagen nachgewiesen haben: Der Schuss bleibt auch mit Schalldämpfer mit 130 Dezibel so laut hörbar, wie ein Rockkonzert", erklärt Wagner.