Das Grazer Unternehmen BikeCityGuide hat 2013 Geld von Investoren bekommen und beschäftigt ein Jahr später bereits 20 Mitarbeiter.

© /BikecityGuide.org

Steiermark
10/11/2014

Neue Projekte gegen Abwanderung

Unternehmen wollen mit Finanzierungsmittel Crowdfunding die Abwanderung im Murtal aufhalten.

von Elisabeth Holzer

Es reden ja viele", überlegt Norbert Steinwidder. "Aber wir haben uns das gut überlegt und tun es." Es, das ist ein regionales so genanntes Crowdinvestment-Netzwerk: Mit seiner Hilfe sollen Menschen gefunden werden, die sich im steirischen Murtal mit neuen Geschäftsideen ansiedeln wollen.

Drei Unternehmer haben sich zusammengetan, seit Mai läuft Kraft.Crowd. Die ersten Projekte seien eingereicht und würden derzeit geprüft, betont Steinwidder. "Wir sind eine Plattform, die ausschließlich an der Entwicklung der Region Murtal interessiert ist. Wir wollen dort Innovation leisten und Arbeitsplätze schaffen." Das soll helfen, die Abwanderung zu reduzieren.

Denn alljährlich verliert der Bezirk Murtal Einwohner; im steiermarkweiten Vergleich ist der Anteil der Senioren in dieser Region überdurchschnittlich hoch. "Vor allem Menschen zwischen 20 und 39 Jahren fehlen dem Bezirk schon heute", konstatiert ein Bericht der Landesstatistik.

Dem will kraft.crowd etwas entgegenhalten. Das Prinzip wurde von bestehenden Internet-Plattformen übernommen: Es wird eine Mindestsumme fixiert, die nötig ist, um ein Projekt durchzuziehen, der Schwellenwert. Kleininvestoren ab 100 Euro können einsteigen, das große Geld kommt durch die Menge an Förderern zusammen.

Um das auch selbst zu probieren, versuchte es Steinwidder mit einem Franchise-Projekt: Er sammelte 96.200 Euro, um eine Filiale des Zoofachgeschäfts "Futterhaus" in Bruck an der Mur aufmachen zu können.

Der Weg über das Crowdinvestment sei durchaus mühsam gewesen, aber spannend. "Der Unterschied zu Bankdarlehen sind Bonitäten, Sicherheiten, Vorlaufzeiten. Aber in Österreich wird es ja zunehmend schwieriger, Bankfinanzierungen aufzustellen", meint er. So würde doppelt so viel Eigenkapital verlangt wie in Deutschland.

Crowdinvestment stecke allerdings in Österreich noch in den Kinderschuhen, merkt Steinwidder an. Doch es gibt bereits Jungunternehmer, die damit erfolgreich waren, BikeCityGuide etwa. Das Grazer Unternehmen bekam 2013 136.550 Euro von 160 Investoren zusammen. "Um so viel Geld von einer Bank zu kriegen, musst du schon 100.000 Euro Eigenkapital haben", schildert Firmengründer Daniel Kofler. "Außerdem bietet die Crowd mehr Möglichkeiten, es gibt dadurch Multiplikatoren für das Produkt."

50 Städte

Nun hat seine Firma 20 Mitarbeiter, die entwickelte App fürs Mobiltelefon zeigt den besten Weg per Rad durch Städte. 200.000-mal wurde sie schon heruntergeladen, 50 Städte sind derzeit verfügbar, darunter Paris, London oder Madrid. Die Idee kam Kofler und seinem Kompagnon aus dem früheren Arbeitsleben: Sie waren Fahrradkuriere.

Produkt mit Sexappeal

Das Mobiltelefon unterwegs aufladen, am besten nur durch Sonnenkraft? Für „Sunny Bag“ kein Problem, in Taschen und Rucksäcke sind Solarzellen integriert: 2013 wagte sich der Grazer Stefan Ponsold mit der Idee ins Crowdinvestment.

150 Investoren zogen mit, 160.000 Euro kamen zusammen. Mittlerweile werden die Solartaschen in 300 Geschäften verkauft, es gibt Kooperationen mit Northland und KTM, die Firma „Sunny Bag“ hat neun Mitarbeiter. „Der Sexappeal des Produkts ist natürlich wichtig“, beschreibt Ponsold. „Die Crowd bringt nichts für Produkte, die zu sehr spezialisiert sind.“ Gerade für Start Ups würden Crowdinvestment-Modelle immer interessanter, denn für sie gebe es oft keine Bankkredite.

Risiko

Stefans Ponsolds Investoren können ihr Geld nach zehn Jahren zurückfordern, samt einer Steigerung je nach Geschäftswert. „Aber eines muss jedem Investor auch bewusst sein: Es kann zu einem Totalausfall kommen. Wenn das Unternehmen insolvent ist, ist auch das Geld weg“, erklärt der Grazer.

www.sunnybag.at

Hüllen für Ipads und Cover für Smartphones aus Holz

Manche Ideen entstehen tatsächlich beim Reden. Andreas Brandner aus Knittelfeld stellte unter anderem Schneidbretter aus Holz her, individualisiert nach Kundenwunsch. „Dann ist ein Bekannter mit einem Ipad gekommen und hat gesagt, er findet keine Hülle, die ihm gefällt.“ Ein halbes Jahr später war die erste Vollholzhülle für das Tablet fertig, Brandners Firma Woodero ließ sich das System gleich patentieren.

Auch der Holzmantel für Ipads wurde im Vorjahr durch Crowdinvestment finanziert. Auf 50.000 Euro hat Brandner gehofft es wurden 168.000 Euro von 170 Investoren.

In drei Jahren bereits soll zurückbezahlt werden. Der Vorteil gegenüber einer Bank sei, dass dieses Modell ohne private Haftung funktioniere. „Für ein Start Up braucht man Risikokapital, eine Bank will immer Sicherheiten“, sagt Andreas Brandner.

Rund 1000 Ipad-Hüllen aus Nussholz wurden schon verkauft. Mittlerweile hat der Woodero seine Produktpalette weiter ausgebaut. Nun gibt es auch Holz-Covers für Smartphones, die auch individuell gestaltet werden können.

www.woodero.com

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