Chronik | Österreich
18.07.2017

Nach Kuhangriff: Wanderer im Visier

Erstmals gibt es Ermittlungen gegen Hundehalter. Durch Fehlverhalten sollen andere verletzt worden sein.

Einen großen Bogen um Kuhherden auf der Alm möge man machen, die Tiere nicht erschrecken. Eventuelle Drohgebärden beobachten, Hunde sofort von der Leine lassen, falls sich ein Angriff abzeichne – erst recht, wenn sich Kälber in der Nähe befinden würden. Diese Verhaltensregeln für Wanderer soll laut Zeugen am Sonntag ein 51-jähriger Italiener am Kärntner Nassfeld missachtet haben. Er wurde nach der Attacke einer Kuhherde schwer verletzt und muss zusätzlich mit straf- oder zivilrechtlichen Konsequenzen rechnen: zwei weitere Passanten wurden in der Folge von den Kühen niedergestoßen.

Der Vorfall ereignete sich um die Mittagszeit im Bereich der Garnitzenalm nahe der Bergstation Sonnenalpe, wo eine 50-köpfige Kuhherde graste. Laut Zeugenaussagen nahm der Italiener dort seinen Hund hoch, drückte ihn an die Brust und ging frontal auf die Kühe zu. Ein Landwirt, dem ein Teil der Herde gehört, gab bei der Polizei zu Protokoll, dass der Wanderer schreiend und gestikulierend versucht habe, die Tiere zu verscheuchen.

"Wir halten dort zahlreiche Kälber und das Fehlverhalten hat natürlich den Beschützerinstinkt der Mutterkühe ausgelöst. Hier stehen überall Tafeln bezüglich des Umgangs mit Hunden und Kühen – auch auf Italienisch", erzählt Theo Tillian, der Besitzer der Almgemeinschaft.

Der Italiener wurde von den Kühen zu Boden gestoßen und schwer verletzt. Dem Landwirt gelang es, die Tiere zu vertreiben und die Rettung zu verständigen. Daraufhin wurde der 51-Jährige ins Klinikum Klagenfurt geflogen, wo er am Montag noch chirurgisch versorgt wurde.

Tiere aus der Herde waren nach dem Vorfall so aufgeschreckt, dass sie auch ein in der Nähe wanderndes Ehepaar aus Dänemark niederstießen. Die 59-jährige und ihr 68 Jahre alter Mann wurden ins LKH Villach geflogen, konnten das Spital aber am Montag wieder verlassen. Die Polizei prüft nun, inwiefern das Fehlverhalten des Italieners zur zweiten Attacke geführt haben könnte. "Ob Anzeige erstattet wird, ist noch unklar, der Hundehalter und das Ehepaar werden erst einvernommen. Wir ermitteln in alle Richtungen", heißt es von der Landespolizeidirektion Kärnten.

Gleich am Montagnachmittag vermeldeten die Beamten den nächsten Vorfall: Auf der Turracher Höhe wurde ein Ehepaar aus Deutschlandsberg, 64 und 68 Jahre alt, von Mutterkühen attackiert. Es hatte einen Hovawart an der Leine geführt. „Die Kühe fühlten sich von dem Hund bedroht und gingen auf die Frau los, die schwere Verletzungen erlitt. Der Mann konnte die Kühe mit einem Stock verscheuchen“, erzählt ein Beamter.

"Ich fürchte, dass noch öfter etwas passieren wird, wenn Wanderer mit Hunden zu nahe an Mutterkühe gehen", sagt Josef Lanzinger vom Almwirtschaftsverein in Tirol. Dort war es vor einem Monat zu einer tödlichen Attacke auf eine 70-jährige Einheimische gekommen, die mit ihrem Hund über eine Weide gewandert war.

Aufklärungs-Video

Bereits nach dem Tod einer Deutschen im Sommer 2014 hatten Landwirtschaftskammer und Tirol Werbung die Aufklärung über das richtige Verhalten auf Mutterkuh-Weiden intensiviert und einen Folder mit Tipps herausgegeben. Nach dem jüngsten Unglück wurde nun auch ein comic-hafter Video-Clip produziert, der bald präsentiert werden soll.

Mithilfe des Films sollen etwa Hoteliers Gäste über Gefahren informieren. Kein Thema mehr ist ein generelles Hunde-Verbot für Wanderer, die Mutterkuh-Weiden passieren.