Chronik | Österreich
24.02.2015

Meißel zertrümmert Brückenteil

Nach Brückeneinsturz in Frohnleiten ist die S 35 wieder frei, die Abbrucharbeiten beginnen.

Die Autofahrer können aufatmen: Die Brucker Schnellstraße (S 35) beim steirischen Frohnleiten wird ab heute, Mittwoch, wieder für den Kfz-Verkehr freigegeben. Sie war nach dem Einsturz einer neuen Brücke Samstagabend sicherheitshalber gesperrt worden.

Wie berichtet, entging ein Intercity Samstagabend hauchdünn einer Katastrophe (Anm.: Auf der Titelseite des KURIER am Dienstag wurde irrtümlich von einem ICE geschrieben). Der mit 70 Fahrgästen besetzte Zug fuhr höchstens eine Minute vor dem Einsturz unter der Brücke durch. Gestern, Dienstag, schafften es die Arbeiter der Baufirma ARGE Strabag-Habau aber, den abgestürzten Brückenteil zu stabilisieren: Das 800 Tonnen schwere Stück kann nun nicht mehr abrutschen und dadurch die bestehende Brücke der S 35 beschädigen.

Morgen, Donnerstag, dürfte die Baufirma auch bereits mit den Abtragsarbeiten beginnen: Mit einem Abbruchhammer, einem sogenannten Hydromeißel, wird das Material zertrümmert. Mit Baggern und Lkw wird der Schutt von der Absturzstelle entfernt. Wie lang diese Arbeiten dauern werden, könne laut Auskunft der Baufirma derzeit noch nicht eingeschätzt werden.

Schaden unklar

Die ÖBB hängen damit in der Warteschleife: Sie können die Gleise erst sanieren, wenn das kaputte Brückenstück vollständig entfernt ist. Außerdem sei derzeit noch nicht klar, wie schwer die Schienenanlage beschädigt wurde, überlegt ÖBB-Sprecher Christoph Posch. "Der Block liegt 50 Meter quer über die Gleise. Wir können nicht sehen, was kaputt ist."

Mit der Freigabe der S 35 werden wenigstens Staus im Morgen- und Abendverkehr nicht mehr von der Absturzstelle verursacht: Pkw wurden durch das Ortsgebiet von Frohnleiten umgeleitet, der Schwerverkehr musste über die Pyhrnautobahn ausweichen. Der Wegfall dieses Nadelöhrs erleichtert aber auch den ÖBB die Arbeit. Der Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen dem Grazer Hauptbahnhof und Bruck an der Mur kann jetzt auch wieder über die S 35 geführt werden. 10.000 Fahrgäste sind pro Tag betroffen.

Gravierend bleiben aber die Auswirkungen auf den Güterverkehr: Die Strecke muss großräumig über Villach, Laibach und Marburg umfahren werden, das sind Umwege von 600 Kilometern. Viele Firmen steigen auch auf Lkw-Transporte um. Die Wirtschaftskammer fordert deshalb, das Lkw-Fahrverbot am Wochenende vorübergehend aufzuheben.

Die Einsturzursache ist nach wie vor ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Doch wirkliche Analysen könnten erst starten, wenn der abgestürzte Brückenteil entfernt sei, heißt es.