Mit der ersten Sprengung im Fröschnitzgraben wurden am Donnerstag die Arbeiten unter Tage eingeleitet.

© APA//Robert Jaeger

Semmering-Basistunnel
07/23/2015

Nach 26 Jahren kommt der Tunnel

Nach Einsprüchen, Protesten und Baustopps erfolgte nun der tatsächliche Baustart für den Semmering-Basistunnel.

von Patrick Wammerl

Kein Bauprojekt in Österreich wurde mehr diskutiert als der Semmering-Basistunnel.

26 Jahre hat es gedauert, bis das 3,3 Milliarden Euro teure Prestigeprojekt auf Schiene war. Am Donnerstag wurde im Fröschnitzgraben in Spital am Semmering (Stmk.) der Spatenstich für den lange erwarteten Tunnelvortrieb gefeiert.

Das Bild glich jenem vom 25. April 2012: Schon damals nahm die heimische Politspitze medienwirksam den Spaten in die Hand, um den Startschuss für den Tunnel zu feiern. Die damalige Verkehrsministerin Doris Bures hatte die Rechnung allerdings ohne die Gerichte gemacht. Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) kippte die UVP-Genehmigung und stellte die Tunnelbaustelle ein. Monatelang war unklar, ob der Semmering-Tunnel in seiner ursprünglichen Form überhaupt gebaut werden darf. Erst Ende Mai kam für die Projektverantwortlichen die erlösende Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts (BVwG), das grünes Licht für den Bau gab.

Der Bescheid war eine Hiobsbotschaft für die vielen Tunnelgegner: Bis auf die Umweltschutzorganisation "Alliance for Nature" wagt wegen der Kosten und der Aussichtslosigkeit niemand mehr die außerordentliche Revision beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH). Da diese keine aufschiebende Wirkung hat, wurde am Donnerstag offiziell mit den Grabungsarbeiten begonnen.

Vortrieb

Im Fröschnitzgraben in der Steiermark werden zwei Schächte 400 Meter tief in den Berg gesprengt. Von ihrer Sohle aus beginnt später der Tunnelvortrieb in Richtung der beiden Tunnelportale.

Vor den Augen von Verkehrsminister Alois Stöger (SPÖ) und ÖBB-Chef Christian Kern löste Tunnelpatin Elisabeth Schöggl Donnerstagmittag die erste Sprengung in einem der Schächte aus. Die Patin ist die Witwe eines der Opfer des Lassing-Grubenunglücks im Jahr 1998. Ihr verunglückter Mann Josef hatte einst auch am Probestollen für den Semmeringtunnel mitgearbeitet.

Der 27,3 Kilometer lange, zweiröhrige Tunnel, schlängelt sich unterirdisch von Gloggnitz nach Mürzzuschlag – allerdings nicht auf direktem Wege sondern in einer Kurve durch den Pfaffensattel. Die Variante wurde auf Grund von Bergwasser-Vorkommen und problematischer Gesteinsschichten gewählt.

Die Röhren sollen 2025 fertig sein. "Mit dem Tunnel bekommt die Bahn im Güterverkehr die Voraussetzung, um mehr Waren von der Straße auf die Schiene zu bringen. Bahnfahrer profitieren von 30 Minuten Zeitersparnis zwischen Wien und Graz", erklärt Kern. Die Fahrzeit zwischen den beiden Städten wird auf der neuen Strecke etwas mehr als zwei Stunden betragen. Personenzüge können in dem Bereich 230 km/h schnell unterwegs sein.

Laut Verkehrsminister Stöger werden insgesamt rund elf Milliarden Euro in die Modernisierung der Südbahnstrecke investiert. Für die Kritiker sind die Milliarden-Ausgaben ein Fass ohne Boden, die in keinem Verhältnis zum Nutzen und den negativen Umweltauswirkungen durch den Tunnelbau stehen.

Heiß umstritten: Die unendliche Geschichte des Projekts

1991 werden Planung und Bau des Tunnels an die Hochleistungs AG (HL-AG) vergeben.
1994 ist Baubeginn am Sondierungsstollen.
1998 erlässt das Land Niederösterreich einen negativen Naturschutz-Bescheid gegen das Tunnelprojekt. Die HL-AG legt beim Verfassungsgerichtshof Beschwerde ein.
1999: Der VfGH setzt ein früheres NÖ-Naturschutzgesetz wieder in Kraft – es gibt grünes Licht für den Tunnelbau. Niederösterreich erlässt daraufhin einen neuen Naturschutz-Bescheid, der den Bau erneut verschleppt.
2006 präsentieren die ÖBB den „Beginn der Planung für den „Semmering-Basistunnel neu“.
2008: Die neue, zweiröhrige Tunneltrasse wird von Landeshauptmann Erwin Pröll (NÖ) zustimmend aufgenommen.
2011: Im Mai ergeht der positive UVP-Bescheid.
2012: Ende Februar werden 23 Häuser in Gloggnitz für das Tunnelportal abgerissen.
2012: Am 25. April erfolgt der erste Spatenstich.
2013: In Gloggnitz wird beim Portal die Bundesstraße verlegt.
2014: Der VwGh kippt den UVP-Bescheid und verhängt einen Baustopp. Die Fehler werden beseitigt.
2015 Ende Mai gibt das Bundesverwaltungsgericht grünes Licht für den Bau

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