Chronik | Österreich
22.09.2017

Mutmaßlicher Polizeiübergriff: Noch ein Verdächtiger

Frau soll von einem Beamten gestoßen worden sein: Justiz ermittelt nun auch gegen dritten Mann.

Jetzt gibt es bereits drei Beschuldigte im Fall eines mutmaßlichen Polizeiübergriffs in Leoben: Neben den zwei Beamten steht ein weiterer Mann auf der Liste der Staatsanwaltschaft. Er soll beobachtet haben, wie eine Obersteirerin geschubst und verletzt wurde, aber ihr nicht geholfen haben - es geht um den Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung.

Der Zwischenfall passierte im Mai: Monika R. soll in Leoben von einem Polizisten umgestoßen und verletzt zurückgelassen worden zu sein. Ihr glaubten die Behörden erst, als ein Video auftauchte: Es zeigt den Schubser und wie die Beamten weggehen. Allerdings kehrten sie auch gleich wieder zurück. Die Staatsanwaltschaft Leoben ermittelt seither wegen des Verdachts der Körperverletzung und der Falschaussage. Beide Beamte wurden vorläufig suspendiert.

Seltsame Expertise

Unterdessen kursiert ein Gutachten, das offenbar die Polizisten entlasten soll. Darin hieß es, dass die Steirerin nur eine kleine Verletzung gehabt habe. Bewusstlos sie sie auch nicht gewesen. Bloß: Dieses Gutachten ist kein offizielles - es wurde von einer Physiotherapeutin erstellt, die das Video analysiert habe, beschreibt Staatsanwältin Carolin Weissenbacher. "Wir haben kein Gutachten bestellt und wir werden auch keines beantragen." Manfred Arbacher-Stöger, Monika R.s Rechtsanwalt, hält so eine Expertise für bedenklich. "Es ist nicht nachvollziehbar, wie eine Physiotherapeutin eine gerichtsmedizinische Aussage treffen kann."

Ein weiterer Fall, in den Grazer Polizisten involviert sind, steht indes kurz vor dem Abschluss. Die Justiz hat die Ermittlungen rund um die Messerattacke eines Mannes gegen seine Ex-Freundin beendet: Hier wird Beamten vorgeworfen, den Angreifer nicht gestoppt zu haben.