Chronik | Österreich
05.02.2018

Mutmaßlicher Mordfall Roland K.: Drei Personen angeklagt

Staatsanwaltschaft Salzburg erhebt Anklage gegen einen 24-jährigen Musiker, dessen Ex-Freundin und einen Wirt.

Im Tötungsfall Roland K. in Salzburg ist jetzt Anklage wegen Mordes, versuchten Raubes und Einbruchdiebstahls gegen drei Personen erhoben worden. Laut Staatsanwaltschaft Salzburg haben ein 24-jähriger Musiker und seine 20-jährige Ex-Freundin den 63-jährigen Roland K. am 19. Juli 2016 in dessen Villa in Salzburg ermordet. Ein 29-jähriger Wirt habe das damalige Paar zur Tat angestiftet.

Die Beschuldigten sollen es auf den Nachlass des vermögenden Opfers abgesehen haben. Laut Anklage war mehrfach die Rede davon, dass Roland K. den erstangeklagten Musiker, mit dem er befreundet war, als Erben einsetzen wollte. Der Musiker erzählte davon seinem Freund, dem zweitangeklagten Gastwirt. Dieser soll dann den Musiker aufgefordert haben, K. zu töten, damit sie gemeinsam aus Mitteln der versprochenen Erbschaft ein schönes Leben führen können. Der Musiker sollte Wertgegenstände und Bargeld aus der Villa des Akademikers holen und dem Wirten die rund 10.000 Euro Schulden zurückzahlen, die er bei ihm hatte.

Laut Anklage beraubt und getötet

"Laut Anklage sollte K. beraubt und getötet werden", sagte die Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Salzburg, Barbara Fischer, am Montag gegenüber Journalisten. Alle drei Beschuldigten seien in den Tatplan eingeweiht gewesen. Der Anklage zufolge wurde das spätere Opfer von dem Musiker und dessen damaliger Lebensgefährtin am 19. Juli 2016 in die Wohnung der beiden im Flachgau zum Essen eingeladen. Das Paar habe dem Akademiker nicht nur Alkohol, sondern auch Schokopralinen verabreicht, in die sie zuvor das Schlafmittel Noctamid gegeben hätten. Die Gastgeber sollen sich im Internet über Wechselwirkungen dieses Schlafmittels mit Alkohol informiert haben.

Als der Akademiker schläfrig geworden sei, habe ihn das Paar mit dem Auto zurück in die Villa gefahren. "Sie legten ihn im Keller auf eine Matratze, klebten ihm den Mund mit einem Klebeband zu und fixierten die Hände und Füße des Opfers mit Kabelbindern", zitierte Staatsanwältin Fischer aus der Anklageschrift. Anschließend hätten sie den Gefesselten alleine in der Villa zurückgelassen. Der Musiker soll dann nochmals alleine zum Tatort zurückgekehrt sein. Als er festgestellt habe, dass Roland K. tot war, soll er ihm einen Stoffsack über den Kopf gezogen haben und wieder nach Hause gefahren sein. In der Zwischenzeit soll ihm der Wirt geraten haben, die Leiche zu vergraben.

Leichenfund im Schweinestall

Laut Anklage lud der Musiker die Leiche einige Tage nach der Tat in den Wagen von Roland K. und fuhr zum Gastronomen ins Innviertel. Dort übergossen die beiden den Toten mit Chlor und Nitroverdünnung, um den Leichengeruch und sämtliche Spuren zu beseitigen. Anschließend versteckten sie die Überreste des Verstorbenen in einem Futtertrog eines aufgelassenen Schweinestalles auf dem Anwesen des Wirten. Das Auto des Akademikers wurde sorgfältig gereinigt. Rund zehn Monate nach der Tat wurde die Leiche am 12. Mai 2017 in dem Schweinestall von Ermittlern gefunden, nachdem der Musiker bereits in Verdacht geraten war und Angaben zum Fundort gemacht hatte.

Bereits vor der "Entsorgung" der Leiche sollen der Musiker und der Wirt zur Villa gefahren sein, um sie "auszuräumen". Laut Anklage nahm der Wirt mehrere Kameras, Schmuck, Münzen, Teppiche, mehrere Uhren, einen Laptop im Gesamtwert von mehr als 5.000 Euro sowie einen Teddybären samt dem offenbar darin versteckten Gold des Opfers von unbekanntem Wert mit. Der Musiker und seine Freundin sollen nach der Tat einen "Steiff"-Teddybären und einen Schlüsselanhänger mitgenommen haben.

Todesursache nicht eindeutig feststellbar

Die Gerichtsmedizin konnte die Todesursache aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung der Leiche nicht mehr eindeutig feststellen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Roland K. durch die Kombination aus konsumiertem Alkohol, Verabreichung von Schlafmitteln sowie Fesseln und Knebeln gestorben ist. Auf die Spur der Verdächtigen führten umfangreiche Erhebungen des Landeskriminalamtes, die Rufdatenrückerfassung der von den männlichen Angeklagten und von Roland K. benutzten Mobiltelefone, die Auswertung von SMS und WhatsApp-Chats, die Bewegungsprofile von Autofahrten, der Auffindungsort der Leiche, Zeugenaussagen sowie die Angaben des Musikers.

Die 20-jährige Beschuldigte soll auch aus Liebe zu ihrem Freund mitgemacht haben. Doch die Frau entgegnete, ihr ehemaliger Freund habe sie aus Eifersucht belastet. "Sie hat kein Motiv. Ich hoffe, dass sich die Unschuld meiner Mandantin im Geschworenenverfahren erweisen wird", sagte am Montag Verteidiger Kurt Jelinek zur APA.

Der Musiker legte nach anfänglichem Leugnen und mehreren Tatversionen ein Geständnis in Richtung eines Raubvorsatzes ab und belastete dabei die Mitangeklagte. Er habe nie vorgehabt, Roland K. zu töten, erklärte sein Verteidiger Franz Essl. Der Wirt beteuerte bisher seine Unschuld. Er gab an, die Leiche sei ihm "untergeschoben" worden. Die Anklage gegen die drei Beschuldigten ist noch nicht rechtswirksam. Deshalb gibt es noch keinen Prozesstermin. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Einweisung des Musikers in eine Anstalt für geistig abnorme, zurechnungsfähige Rechtsbrecher. Für die Verhandlung wurden vier Gutachter und bisher acht Zeugen beantragt.