Österreichischer Schwimmverband war Mitte der 2000er Jahre sehr erfolgreich

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Chronik Österreich
06/07/2019

Schwimmverband: Mitangeklagter belastet Ex-Präsidenten schwer

Ex-Geschäftsführer spricht im KURIER-Interview über Förderbetrug durch die Spitzenvertreter des Schwimmverbandes. Am Mittwoch stehen sie vor Gericht. Sie bestreiten die Vorwürfe.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Schwimm-Superstar Markus Rogan gewann mehrere Medaillen bei internationalen Wettkämpfen, Mirna Jukic holte Bronze bei den Olympischen Spielen in Peking, und ihr Bruder Dinko den dritten Platz bei der WM in Manchester. Mitte der 2000er Jahre schwamm der österreichische Schwimmverband (OSV) auf einer Erfolgswelle.

Doch hinter den Kulissen soll es zu einem groß angelegten Förderbetrug gekommen sein. Ab Mittwoch wird am Straflandesgericht Wien der früheren OSV-Führung und Mitarbeitern der Prozess gemacht. Ex-Präsident Paul Schauer, der frühere Kassier Walter Benesch, Ex-Geschäftsführer Thomas Gangel, Ex-Kurzzeit-Präsident (und Gewerkschafter) Christian Meidlinger sowie drei weitere Personen schwerer Betrug vorgeworfen. Tatzeitraum: 2006 bis 2012. Mutmaßlicher Schaden: 333.503 Euro. Die Vorwürfe werden durchwegs bestritten.

"Umfassendes Geständnis"

Doch einer schwimmt aus der Bahn: Ex-Geschäftsführer Gangel wird ein umfassendes und reumütiges Geständnis ablegen. Und er wird damit die frühere OSV-Führung schwer belasten.

„Mein Mandant sollte zum Bauernopfer gemacht werden“, sagt sein Verteidiger Klaus Ainedter. „Ja, mein Mandant hat dabei mitgewirkt. Er konnte aber nichts machen, wenn der Präsident und der Kassier anordnen, dass keine Förderungen zurückgezahlt werden. Das war die klare Vorgabe.“ (Die Genannten bestreiten Gangels Anschuldigungen, Anm.).

Laut Anklage begann alles 2005. „Der Verband hat immer wieder um verschiedene Förderungen angesucht“, sagt Gangel zum KURIER. Diese seien zweckgewidmet gewesen. Fördergelder erhielt der OSV vom Bundessportorganisation BSO, der Stadt Wien und Top Sport Austria. Am wichtigsten waren für den OSV die „Besonderen Bundessportfördermittel“ des Sportministeriums.

Doch nicht immer war klar, welche Institution welche Leistung am Ende fördern wird. Daher kam es am Ende zu Doppelförderungen. Der OSV hätte diese doppelten Gelder bis zum 31. Jänner des Folgejahres zurückzahlen müssen.

Auf Anweisung?

„Präsident und Kassier haben zu mir gesagt: Wir bezahlen keine Fördermittel zurück“, behauptet Gangel. Diese bestreiten diese Aussage. Um nicht im nächsten Jahr weniger Mittel zu erhalten, musste das Geld „verbraucht“ und entsprechende Rechnung gelegt werden.

Und dabei soll der OSV „kreativ“ gewesen sein. So sollen Scheinrechnungen etwa für Trainer-Honorare ausgestellt worden sein. Die Scheinrechnungen wurden auch bezahlt, das Geld soll aber an den OSV zurückgeflossen sein. Zugleich sollen diese Belege bei der Bundessportorganisation zur Förderabrechnung vorgelegt worden sein.

"Politischen Kontakte unserer Führung"

„Es gab ein gut funktionierendes System, das niemals hinterfragt wurde“, sagt Gangel. „Wir haben geglaubt, dass wir im Verband durch die politischen Kontakte unserer Führung alle geschützt sind. Das wurde uns auch so gesagt.“

Zunächst gerieten Gangel und die Buchhalterin, seine Schwiegermutter, ins Visier der Ermittler. Die Untersuchungen hatte Schwimmer-Trainer Zeljko Jukic mit einer Anzeige ausgelöst, weil sein Sohn Dinko aus disziplinären Gründen vom OSV ein Startverbot erteilt bekam.

Sein ursprünglicher Vorwurf lautete: Sponsorengelder sollen nicht für den Schwimmverband verwendet worden sein. „Plötzlich war der uns versprochene Schutz weg“, erklärt Gangel.

Dabei soll die damalige OSV-Führung Gangel noch versichert haben: „Wir bügeln das, das kann nirgendwo aufschlagen.“

Schwere Vorwürfe in der Anklage: Scheinrechnungen

„Ohne das Verhalten von Schauer und Benesch hätten die weitere Angeklagten keine Scheinrechnungen zur Abrechnung bei der BSO erstellt“, heißt es in der Anklage.

Nur Kurzzeit-Präsident Meidlinger soll „anfänglich Widerstand“ geleistet, dann doch seine Zustimmung zu einer fingierten Rechnung (36.200 Euro) erteilt haben. Laut Anklage ist er nicht geständig. Er lässt über die Presseabteilung der Gewerkschaft younion, deren Chef Meidlinger ist, ausrichten, „dass zu einem laufenden Verfahren keine Stellungnahme abgegeben werden kann“.

Auch Ex-Präsident Schauer ist laut Anklage nicht geständig: „Er will von den inkriminierten Vorgängen nichts gewusst haben und sei mit der Förderabrechnung nicht befasst gewesen.“

Ex-Kassier Benesch ist teilweise geständig und will nur einzelne fingierte Rechnungen gekannt haben. Er will als ehrenamtlichen Funktionär „nie den vollen Überblick gehabt beziehungsweise volle Information erhalten haben.“ Die Verteidiger von Schauer und Benesch hat eine Anfrage des KURIER um eine Stellungnahme nicht beantwortet.