Chronik | Österreich
31.01.2018

"Morgis" Schlager-Schwager

Skispringer verkuppelte Spitzenkandidat Marco Polo mit Schwester und der Politik.

"Wenn aus Träumen Tränen werden." So hieß der größte Hit von Schlagerstar Markus Unterdorfer-Morgenstern bzw. seines Alter Ego " Marco Polo" aus dem Jahr 2006. Am 4. März dieses Jahres könnte dem 45-jährigen Oberkärntner die erwähnte Textpassage wieder in den Sinn kommen – wenn er nämlich mit den NEOS den Einzug in den Kärntner Landtag verpassen sollte. Umfragen sagen ein knappes Überspringen der Hürde voraus. Als Politiker ist der Schwager von Skisprung-Olympiasieger Thomas Morgenstern ein unbeschriebenes Blatt.

"Bunt war ich immer, jetzt bin ich pink", sagt der Mann, der seine ersten politischen Berührungspunkte mit FPÖ-Politikern hatte: 1997 heuerte Unterdorfer-Morgenstern nach abgeschlossenem Jus-Studium im Parlament in Wien an und arbeitete dem damaligen FPÖ-Klubdirektor und jetzigen Minister Josef Moser zu. Es folgte die Rückkehr nach Kärnten, wo er in der Direktion der Landesregierung in Klagenfurt einen sicheren Job fand. Sein Vorgesetzter in diesem Fall: Landesrat Mathias Reichhold, also auch ein FPÖ-Mann und künftiger Minister.

"Ich war Pop-Fan"

"Parallel startete ich dann meine Karriere als Schlagersänger Marco Polo, obwohl ich damals eigentlich Pop-Fan war", erzählt er. 2006 schauten ein Stockerlplatz beim Europäischen Schlager-Grand-Prix und mehrere Spitzenplatzierungen in den heimischen und deutschen Charts heraus. "Reich geworden bin ich nie und das Geschäft kannst du nicht ewig machen, daher hab’ ich es nach zweieinhalb Jahren sein lassen."

Nachdem er sich auch als Redakteur versucht hatte, stieg Unterdorfer-Morgenstern 2011 in die Immobilienbranche ein, wurde Beteiligter und Geschäftsführer der Austrostar Immobilien GmbH. 2014 schied er dort aus – elf Monate, bevor die Firma in die Insolvenz schlitterte. Weil er Haftungen übernommen hätte, sei ihm ein Schaden von 350.000 Euro entstanden, sagt er. Inzwischen führt er ein kleines Immobilienbüro in Seeboden – und ist Politiker.

"Über einen Bekannten hatte ich 2014 in Klagenfurt ein Gespräch mit Matthias Strolz und war begeistert", erzählt der nunmehrige Kärntner Spitzenkandidat der Bewegung. Den letzten Schupfer zur Politkarriere bekam er von Skispringer Thomas Morgenstern. "Er hat gesagt: ‚Mach’s doch, das passt zu dir, Marco!‘ So nennt er mich immer. Wir kennen uns seit 2006, er hat sich nach seinen Olympiasiegen im selben Objekt wie ich in Seeboden eine Wohnung gekauft und wir wurden Freunde."

Der Deal mit "Morgi"

Und "Morgi" ist auch verantwortlich für den langen Namen des Neo-Politikers. Er verkuppelte ihn mit seiner Schwester Christina. Unterdorfer-Morgenstern: "Morgi hat mir klar gemacht, dass er dies nur unter einer Voraussetzung macht: der Deal war: falls ich in seine Familie einheirate, muss sich seinen Namen annehmen."

Nun gilt es, Wahlversprechen einzuhalten. Die Kärntner NEOS prophezeien einen "Systemwechsel". Bildung, effiziente Strukturen in der Verwaltung, Offenlegung der Steuergeldflüsse, Schuldenbremse, Kürzung der Parteiförderung, freien Unternehmergeist und Kampf gegen die Abwanderung seien die Eckpfeiler.

Erstes Antreten

Gemeinsam mit der Liste "Mein Südkärnten" wollen die Neos beim ersten Antreten im südlichsten Bundesland für Furore sorgen. "Das Ergebnis aus Niederösterreich gibt Rückenwind, wir schaffen die Fünf-Prozent-Hürde", lautete die Parole beim Wahlkampfauftakt am Dienstag in Klagenfurt, dem Parteichef Strolz beiwohnte. Bei der Nationalratswahl 2017 erreichte seine Bewegung in Kärnten 4,31 Prozent.