Mohamed Mahmoud posiert vor Leichen.

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Islamischer Staat
11/04/2014

Austro-Dschihadist posiert vor enthaupteten Leichen

Österreichischer Hassprediger Mohamed Mahmoud hält sich offenbar in IS-Hochburg Raqqa auf.

Mit Militärjacke, Pakul, der traditionellen Kopfbedeckung der Paschtunen und einem frechen Grinsen im Gesicht posiert der österreichische Hassprediger Mohamed Mahmoud vor halbnackten, enthaupteten Leichen. Der Austro-Islamist, der sich der Terrormiliz IS angeschlossen hat und sich "Abu Usama al-Gharib" nennt, provoziert einmal mehr.

Wie ein deutscher Journalist in seinem Internetblog berichtet, soll das Foto vor wenigen Tagen in der nordsyrischen Stadt Raqqa aufgenommen worden sein, die als inoffizielle Hauptstadt des "Islamischen Staats" gilt. Erst vor zwei Wochen berichtete der KURIER, dass Mahmoud eben in Raqqa die IS-Propagandistin Ahlam Al-Nasr, auch als "Dichterin des Islamischen Staat" bezeichnet, geheiratet hat. Die Frau hatte in der Vergangenheit mehrere Gedichte sowie ein Buch zum Thema "Der Islamische Staat und der Medienkrieg" veröffentlicht.

Gesucht

In Österreich und Deutschland wird Mohamed Mahmoud wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation gesucht. 2011 wurde der Prediger aus Deutschland ausgewiesen, weil er zu Gewalttaten aufgerufen hatte. Auf Inszenierung hat es sich Mahmoud immer schon verstanden. Medienwirksam verbrannte er seinen österreichischen Reisepass, nur um im März 2013 im türkischen Hatay wegen eines gefälschten Reisedokuments verhaftet zu werden. Bis zum 19. August diesen Jahres befand er sich in einem Anhaltelager für ausländische Staatsbürger. Dann wurde er aus dem türkischen Polizeigewahrsam in Konya entlassen. Eine zuvor beantragte Auslieferung nach Österreich war von den türkischen Behörden wegen einer fehlenden Anklage abgelehnt worden.

Was nach Mahmouds Entlassung geschah, ist nicht ganz geklärt. So erklärte einer der Top-Terroristen, Abu Muhammed al-Zarqawi, auf seinem Twitter-Account, dass Mahmoud gegen türkische Geiseln ausgetauscht wurde, die Londoner Times hat sogar schriftliche Beweise. Andere Quellen behaupten, der Hassprediger sei zunächst in der Türkei untergetaucht.

Mohamed M. aus Wien ist IS-Mitgründer

In Österreich gilt der Wiener Hassprediger Mohamed Mahmoud als Schwätzer und Wichtigtuer. Ein Berater des Deutschen Verfassungsschutzes zeichnet jetzt aber ein völlig anderes Bild von Abu Usama Al-Gharib, wie er sich jetzt nennt. Demnach dürfte er zumindest ein wichtiger Helfer des Islamischen Staates sein, wenn nicht sogar einer der Mitbegründer.

Das neu erschienene Buch des Islam-Experten Behnam Said über die Entstehung des Islamischen Staates enthüllt, dass Mahmoud unter seinem Kampfnamen auf einem wichtigen Papier des Dschihad zu finden sei. 20 Top-Propagandisten des heiligen Kampfes (darunter El-Kaida-Größen) rufen darin dazu auf, die IS-Kämpfer zu unterstützen.

Kurz vor IS-Gründung

Dieser Aufruf ist wohl nicht zu unterschätzen. Er wird im Februar 2014 veröffentlicht und taucht in verschiedenen Internetforen der Salafisten auf. Zu diesem Zeitpunkt tobt in Syrien der Entscheidungskampf zwischen der Al-Nusra-Front und der ISIS, wie sie damals noch heißt.

Damals kämpften die beiden Extremisten-Milizen noch um die Vorherrschaft in Syrien, um die Zuneigung der El-Kaida-Größen und um den Zustrom der Dschihadisten aus Europa, die ihre Truppen verstärken sollten.

Bis heute ist nicht restlos klar, wie der IS so überraschend entstand. Nach Erscheinen des Papiers schlossen sich Kämpfer aus Europa jedenfalls reihenweise der ISIS an. Danach überrollen die Kämpfer irakische Städte und vier Monate später wurde der Islamische Staat ausgerufen. Die Al-Nusra-Front spielt seither nur mehr eine untergeordnete Rolle.

"Mohammed Mahmoud ist eine enorm wichtige Figur. Man sollte sich nicht täuschen lassen von seinen etwas lächerlich wirkenden Auftritten im Internet", sagte der deutsche Dschihadismus-Experte Guido Steinberg kürzlich zur Presse. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Dschihadisten-Aufrufs saß Mahmoud zwar in türkischer Haft, via Skype hatte er aber Kontakt zu Kampfgenossen. Er gab sogar ein Interview. Seine Bedeutung zeigt auch, dass Top-Terroristen vor einem Monat twitterten, dass sie mit der Türkei Geiseln gegen 200 Kämpfer tauschten. Dabei ist das Bild von nur einer Person angehängt – jenes von Mahmoud.

Peter Neumann vom Londoner Zentrum für die Beobachtung von Radikalisierungen sieht eine "Kettenreaktion", die von Mahmoud ausging. Er habe die erste Dschihad-Bewegung in Mitteleuropa gegründet. Durch diese Sekte namens "Millatu Ibrahim" wurden die ersten Österreicher und Deutschen radikalisiert.

Sprecher von "Millatu Ibrahim" war Daniel Cuspert, der als Rapper Deso Dogg bekannt wurde. Er befindet sich jetzt in Syrien und im Irak und schickt ständig Videos, in denen von ihm Leichen geschändet werden oder junge Kämpfer darüber sprechen, dass sie gerne Köpfe abschneiden möchten. Cuspert hat angeblich eine IS-Brigade im Irak gegründet, die "Millatu Ibrahim" heißt.

Hochzeit mit Ideologin

Dass Mahmoud nur wenige Wochen nach seiner Ankunft in Rakka – der heimlichen Hauptstadt des IS- Kalifats – ausgerechnet eine der wichtigsten Ideologinnen der Islamisten geheiratet hat, ist ein weiteres Zeichen für seinen Aufstieg. Noch ist unklar, welche Position der Austro-Hassprediger innerhalb der Miliz innehat. Allerdings war er schon vor seiner Verhaftung in der Türkei der erste nicht im arabischen Raum geborene Prediger, der auf den wichtigsten Dschihad-Internetseiten seine Thesen veröffentlichen konnte. Auch sein Vater war einst ein Kaliber der Muslimbruderschaft. Die Zeichen stehen also auf einem Einstieg in höchste Kreise.

Dass ihn die Türkei freiließ, hält Experte Steinberg er jedenfalls für "vollkommen verantwortungslos".