Chronik | Österreich
23.09.2017

Mit Rollator auf Gleise: Rettung vor Zug

Passanten wurden nach Sturz eines 78-Jährigen am Bahnhof Gratwein zu Helden.

Ihr eigenes Leben riskiert haben am Freitagabend in Gratwein (Bezirk Graz Umgebung) zwei Passanten, um das Leben eines 78-jährigen Pensionisten zu retten: nur wenige Sekunden bevor ein Güterzug durch den Bahnhof raste, hievten sie den auf die Gleise gestürzten Mann auf den sicheren Bahnsteig.

"Ich wollte meine Freundin vom Bahnhof abholen, als ich Hilferufe hörte", lässt der 15-jährige Lukas Mergans die Szenen Revue passieren. "Dann sah ich einen Mann, der verletzt und hilflos auf den Gleisen lag." Wie die Polizei am Samstag bekannt gab, war der 78-Jährige gegen 20 Uhr mit seinem Rollator entlang des Bahnsteiges spaziert, mit der linken Seite seiner Gehhilfe über die Bahnsteigkante geraten und auf die Gleise gestürzt.

Mergans wollte die Rettungskette in Gang setzen, hatte aber kein Guthaben auf seinem Mobiltelefon. "Daraufhin hat der Bursche mich um Hilfe gebeten", erzählt der 48-jährige Alfred Müller, der sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls im Bahnhof aufhielt. Müller alarmierte sofort die Feuerwehr.

Gemeinsam stiegen die beiden auf die Bahngleise. "Der Pensionist hatte eine Kopfwunde, war sichtlich geschockt und konnte sich nicht bewegen", schildert Müller. Mit vereinten Kräften hob das Duo den 78-Jährigen samt Rollator auf den Bahnsteig. "Fast gleichzeitig haben wir den herannahenden Zug gehört. Dieser ist schließlich 20, 30 Sekunden nach unserem Eingreifen über das fragliche Gleis gedonnert. Es war Rettung in letzter Sekunde", erzählt Mergans.

Der 78-Jährige trug eine Platzwunde davon.