Mit 70 km/h die Piste hinauf

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Skifahren allein reicht nicht mehr, Tourismus setzt auf Unterhaltung und Kulinarik.

Bergab kann ja (fast) jeder. Aber bergauf? "Bei uns geht das", schmunzelt Claudia Flatscher vom Tourismusverband Hochsteiermark: Winch-Skiing macht es möglich - eine Art Sportseilwinde zieht Skifahrer 400 Meter weit auf den Präbichl und das mit bis zu 70 km/h.

In der kommenden Wintersaison haben die Touristiker diese flotte Sache zum ersten Mal im Angebot. Skifahren allein reicht nicht mehr, um die Gäste zu locken. Es braucht Unterhaltung, betont Erich Neuhold, Geschäftsführer von Steiermark Tourismus. "Neue Sportarten ausprobieren, Skikurse für Wiedereinsteiger, aber auch Angebote abseits der Piste."

Das Potenzial an möglichen Wintersportlern wäre nämlich groß: In Deutschland geben laut Umfrage rund sechs Millionen Menschen an, aktiv Wintersport zu betreiben, in Österreich drei Millionen. Weitere drei Millionen Menschen stehen in den beiden Ländern quasi auf der Warteliste. Sie pausieren und wären bereit, wieder einzusteigen, beschreibt Neuhold.

WLAN auf der Piste

Doch dafür sind Online-Buchungsmöglichkeiten unabdingbar: Zwei Drittel aller Gäste, die ihren Winterurlaub in der Steiermark verbringen, buchen über das Internet. Doch längst nicht alle Anbieter haben eigene Webauftritte. "Aber es gibt keinen Ausweg mehr aus der virtuellen Welt", meint Tourismuslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, ÖVP. "Auch wer keine Homepage hat, wird im Internet bewertet." Touristen erwarteten auch bereits WLAN auf der Skipiste, ein Bereich, der ausgebaut werden soll.

Zugelegt haben die Touristiker aber schon jetzt, was ihr Repertoire an Schmankerln betrifft, auf den oder abseits der Skipisten. Am Präbichl etwa lässt sich Snowbiken innerhalb einer Stunde lernen. "Wer Rad fahren kann, kann auch das", ist Claudia Flatscher überzeugt. Das sei auch für Schulen, da immer mehr Kinder nicht mehr Ski fahren können. Der "Crosspark" auf der Reiteralm mit seinen Steilkurven und Sprüngen dürfte abenteuerliche Sportler interessieren, im Murtal geht es bei den "Yoga-Tagen" entspannt zu, einer Kombination aus Langlauf und Yoga.

Wintertourismus…
Wintertourismus © Bild: Steiermark Tourismus / ikarus.cc

Abseits der Pisten tut sich ebenfalls einiges. 131 Ausflugsziele haben auch in der Wintersaison geöffnet, unter anderem Kletterparks, Naturparks oder Golfplätze: Fünf von ihnen sind ganzjährig bespielbar. "Die Steiermark ist im Winter nicht geschlossen", witzelt Tourismus-Chef Neuhold.

Bleibt noch das Essen. Die "Vier-Berge-Naschtour" der Region Schladming-Dachstein klingt so harmlos, meint aber eine Ski-Tour von der Reiteralm (Frühstück), Hochwurzen (Suppe), Schafalm (Mittagessen) bis zum Hauser Kaibling (Apres Ski). Ein historisches Gustostückerl wartet im Nationalpark Gesäuse: Ein Konditor hat ein 300 Jahre altes Winter-Rezept aus dem Stift Admont adaptiert – Mandelgebäck, Marzizoni genannt.

( kurier.at ) Erstellt am 05.10.2017