Millstatt verkauft Volksschule mit Seeblick

Millstätter See, Millstatt…
Foto: /Thomas Martinz Ausverkauf am Millstättersee, Seeblick ist garantiert

Geldnot in der Tourismusgemeinde, auch Gemeindegärtnerei in Top-Lage ist unterm Hammer.


Drastische Maßnahmen muss die Gemeinde Millstatt ergreifen, um den vom Land Kärnten vorgeschriebenen Schuldenabbau zu gewährleisten. So kommen nun die Volksschule und das Grundstück der Gemeindegärtnerei unter den Hammer – Seeblick wird den Neubesitzern garantiert.

Rund 400.000 Euro Einnahmen hat die Tourismusgemeinde jährlich – und ein 2016 ausgewiesenes Minus von 4,5 Millionen. Die Schuldenfalle schnappte primär durch jahrelange Misswirtschaft beim Betrieb des Hallenbades sowie der Gemeindebäder am Millstättersee zu. Johann Schuster (SPÖ) übernahm im Vorjahr das Bürgermeisteramt, die Schulden und die Auflage des Landes, einen rigorosen Sparkurs einzuschlagen.

"Einige lukrative Objekte stehen zum Verkauf", sagt Schuster. So wird im Sommer die Volksschule Millstatt, in der momentan 44 Kinder unterrichtet werden mit einer anderen Einrichtung zusammengelegt, geschlossen und verkauft. Von dort aus ist ein perfekter Seeblick garantiert. "Es gibt Kaufinteressenten. Weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht, liegt die Nutzung für Wohnraum nahe", empfiehlt der Bürgermeister. 500.000 Euro sollen in die Kassen fließen.

Die Gemeinde verfügt weiters über ein 3600 Quadratmeter großes Grundstück, das jetzt aus Geldnot zum Verkauf feilgeboten wird. "Dort steht die Gemeindegärtnerei, aber die wird umgesiedelt. Wir wandeln den Grund in Bauland um, der Quadratmeter mit Seeblick ist um 200 Euro zu haben – ein Top-Angebot", betont Schuster, der damit 720.000 Euro erlösen kann.

Weiters wurden Versicherungen neu verhandelt, ein billigeres EDV-System eingeführt, Zweitwohnsitzabgaben, Wassergebühren oder die Hundesteuer erhöht und der Studienzuschuss gestrichen. Schuster will den Schuldenberg jährlich um 500.000 Euro schrumpfen lassen.

Als "äußerst ambitioniert", schätzt man indes die Maßnahmen beim Land ein. Dieses hatte Millstatt ja mit einem "Aufpasser" gedroht, sollte der Abbau nicht gelingen. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Entschuldungskonzept greift", sagt Reinhold Pobaschnig von der Gemeindeaufsicht. Er sieht "die Möglichkeit, dass sich der Haushalt bis 2021 so weit stabilisiert, dass die Gemeinde beim Budget wieder ein wenig Gestaltungsfreiraum erringt."

Baustopp in Velden

Während in Millstatt Bauland in Seenähe zum Verkauf feilgeboten wird, geht Velden am Wörthersee den entgegengesetzten Weg: dort wurde nun per Gemeinderatsbeschluss ein zweijähriger Baustopp auf 12,5 Hektar Fläche verhängt. Ziel ist die Erhaltung des Ortsbildes sowie der Grün-und Freizonen.

(kurier) Erstellt am
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