Chronik | Österreich
05.02.2018

Millionenpleite einer Solaranlagen-Firma

Symbolbild © Bild: /c12/iStockphoto

Unternehmen hat rund 7,46 Millionen Euro Schulden und will Mitarbeiter abbauen.

TiSUN (…) entwickelt, produziert und vertreibt hochwertige Sonnenkollektoren und Schichtspeicher, die auch extremen Klimabedingungen standhalten“, heißt es auf der Internet-Homepage der Firma TiSUN. „Innovative Spitzentechnologie, höchste Qualität und ein ausgezeichnetes Vertriebs- und Servicenetz bescheren TiSUN beachtliche Zuwachsraten. TiSUN exportiert in 50 Länder rund 83 Prozent seiner Produktion. TiSUN und seine Partner haben das Ziel, die Wärmeversorgung und Heizungsunterstützung unabhängig von Ressourcen gebundener Energie zu machen.“

Über das Vermögen der Firma TiSun GmbH, mit Sitz in Söll, wurde heute, Montag, am Landesgericht Innsbruck ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Es sind rund 180 Gläubiger und laut KSV1870 27 Arbeitnehmer von der Pleite betroffen. Weitere 15 Mitarbeiter haben eine Wiedereinstellungszusage.

Die Hintergründe

Dem Vernehmen nach kämpft der Betrieb um Geschäftsführer Günther Kohlmaier, der 1989 in Kitzbühel als Teufel & Schwarz gegründet wurde, seit drei Jahren mit massiven Umsatzrückgängen, zuletzt wurden Verluste geschrieben. Das Unternehmen soll fortgeführt werden, aber nur mit einer verkleinerten Mannschaft. Die Finanzierung des Fortbetriebs und der Gläubigerquote (20 Prozent) soll aus dem laufenden Geschäft erfolgen.

Offene Rechnungen

Die Verbindlichkeiten werden mit rund 7,46 Millionen Euro beziffert, davon entfallen sechs Millionen Euro auf Banken. Diese Verbindlichkeiten sind mit den offenen Forderungen besichert. Bei seinen Gläubigern hat der Betrieb angeblich keinen guten Ruf. Laut KSV1870 konnten Gläubiger mitunter ihre offenen Rechnungen nur unter Einschaltung der Gerichte eintreiben. Aufgrund der erheblichen Zahlungsziel-Überschreitungen stufte der Wirtschaftsinformationsdienstleister Creditreform das Unternehmen TiSUN GmbH wie folgt ein: "Von Krediten wird abgeraten. Eine Geschäftsverbindung gilt als riskant." Von Bonität konnte keine Rede sein.

Die Höhe der Aktiva ist derzeit noch nicht klar. Die Maschinen und Anlagen stehen zum Teil im Eigentum oder sind gemietet. Das freie Anlagevermögen, das verwertbar sein soll, wird mit fast 345.000 Euro beziffert. Aber das Unternehmen verfügt über angeblich unbelastete Bankguthaben (246.000 Euro) und eine Betriebsliegenschaft. Die Betriebsliegenschaft ist laut KSV1870 zur Absicherung von Darlehen verpfändet.

Im Geschäftsjahr 2012/2013 setzte das Unternehmen laut Creditreform mit 91 Mitarbeitern 19,99 Millionen Euro um, im Folgejahr waren es nur noch 15,49 Millionen Euro. Und es ging mit dem Umsatz weiter bergab. Im Geschäftsjahr 2015/2016 wurden rund 10,11 Millionen Euro umgesetzt, das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) betrug laut Firmencompass minus 274.242 Euro, der Jahresverlust rund 263.500 Euro. Dazu muss man auch wissen, dass der Bilanzgewinn 2015/2016 aufgrund des Gewinnvortrages noch rund 1,273 Millionen Euro ausmachte. Im Folgejahr schrumpfte der Bilanzgewinn laut Creditreform auf 43.985 Euro.

Das Unternehmen

Die TiSUN GmbH gehört zu fast 95 Prozent der TiSUN Brand GmbH, der Rest gehört der Kärntner Sonnenkraft GmbH. Früher wurden laut Firmencompass rund 60 Mitarbeiter beschäftigt. Im Jahr 2006 war der Firmenname von Teufel & Schwarz auf TiSUN umgeändert worden.