Chronik | Österreich
19.03.2018

Millionenpleite einer großen Reinigungsfirma

220 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen. Das ist schon das zweite Insolvenzverfahren dieser Firma. Dazu Tipps von der Arbeiterkammer.

In diesem Insolvenzfall müssen viele Mitarbeiter um ihre Jobs fürchten. Die Firma Liman Reinigungs- und Umweltpflege GmbH mit Sitz in Wels hat am Landesgericht Wels einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Es sind 64 Gläubiger und 220 Arbeitnehmer betroffen. Betriebsrat gibt es aber keinen.

Das Unternehmen wurde 1978 gegründet und beschäftigt sich mit der Komplettreinigung von Gebäuden, der Bodensanierung, der Industrie- und Anlagenreinigung und dem Winterdienst.

"Über das Vermögen der Antragstellerin wurde bereits im Jahr 2013 ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung geführt". heißt es dazu. "Der Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent wurde zu Gänze erfüllt. Es haben sich allerdings seither wieder hohe Forderungen vor allem bei Finanzamt und Gebietskrankenkasse (GKK) OÖ aufgebaut. Hier wurden in der Vergangenheit Stundungsvereinbarungen abgeschlossen."

Im Jahr 2013/14 betrug der Gewinn rund 565.000 Euro, im Jahr 2016/17 wurde aber ein Verlust (61.000 Euro) eingefahren. Letztendlich waren weder die Finanz noch die Krankenkasse bereit, weitere Stundungen zu gewähren. Mehr noch: Mitte Februar hat die GKK OÖ einen Insolvenzantrag gestellt. Zuvor hatte die GKK bereits gerichtliche Exekutionen gegen das Unternehmen geführt. Der Alleingesellschafter Andreas Lindenbauer wollte noch Geschäftsanteile und die Betriebsliegenschaft verkaufen, um die Forderungen bedienen zu können. Doch Mitte März hat sich auch dieser Plan zerschlagen.

Schulden und Vermögen

Die Passiva werden laut KSV1870 und AKV mit rund 2,4 Millionen Euro beziffert. Die Aktiva werden mit rund zwei Millionen Euro beziffert, davon entfallen 391.000 Euro auf offene Forderungen. Die Februar-Löhne und Gehälter wurden Mitte März noch bezahlt.

Die Zukunft

Das Unternehmen soll fortgeführt und restrukturiert werden. Dazu sollen von einer dritten Seite 200.000 Euro zur Verfügung gestellt werden; aus dem laufenden Geschäft erwartet man in zwei Jahren 360.000 Euro Gewinn. Für die 20-prozentige Quote sind 480.000 Euro innerhalb von zwei Jahren aufzubringen, dazu kommen noch die Verfahrenskosten.

Tipps der Arbeiterkammer OÖ

„Die Mitarbeiter machen sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze und ihre Zukunft“, sagt Arbeiterkammer-OÖ-Präsident Johann Kalliauer. Dennoch sei es wichtig, Ruhe zu bewahren und nicht überstürzt das Arbeitsverhältnis zu lösen: „Denn dadurch könnten Ansprüche verloren gehen." Der AK-Insolvenzschutz tut sein Bestes, die Beschäftigten so rasch und umfassend wie möglich zu informieren. An einer Fortführung des Unternehmens wird gearbeitet.

„Sollte dennoch jemand sein Arbeitsverhältnis früher beenden wollen, raten wir dringend, sich vorher beraten zu lassen, damit keine Ansprüche verloren gehen“,sagt Kalliauer. Nicht nur die Rechtsberatung, sondern auch eine allenfalls notwendige Rechtsvertretung durch die Arbeiterkammer sei für die Beschäftigten kostenlos.