Chronik | Österreich
27.06.2017

Millionenklage wegen Otterschäden

25 Fischer fordern Abschuss, Einbußen von 20 Millionen Euro errechnet.

"Die Otter fressen unsere Flüsse leer und das Land schaut zu. Also müssen wir die Verluste einklagen." Mario Deutschmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, spricht von jener Schadenersatz-Sammelklage gegen das Land, die Kärntner Fischereiberechtigte ausarbeiten ließen, weil die Behörde die Bejagung der Fischotter weiterhin untersagt. Laut einem Gutachter geht es um Einbußen in der Höhe von rund 20 Millionen Euro.

Der Otter ist geschützt, aber gefräßig, die Causa heikel. Jagdreferent Gernot Darmann (FPÖ) wird dem Kollegium am Dienstag in der Regierungssitzung mitteilen, dass 25 Fischereiberechtigte auf die Barrikaden steigen. Sie haben Anträge zur Entnahmeerlaubnis der Tiere gestellt – und sind auf ein "Nein" vorbereitet. "Uns wurde mitgeteilt, dass dem Land eine Schadenersatzklage in der Höhe von zwei Millionen Euro droht, falls wir dem Abschluss der Otter nicht zustimmen", erklärt Darmanns Büroleiter Siegfried Jost.

Diese zwei Millionen sind nur die Spitze des Eisberges, denn niemand weiß, wie viele weitere Geschädigte sich der Klage anschließen könnten. Fischotter haben in den letzten Jahren in den Flüssen Lieser, Görtschitz, Gurk, Glan, Wimitz und Metnitz den Fischbestand um 70 bis 95 Prozent dezimiert.

Fischer wandern ab

Eine Studie des Fischerei-Gerichtsgutachters Ulrich Habsburg-Lothringen beschäftigt sich mit den finanziellen Folgen. "Kärntenweit schätze ich die Einbußen auf vier Millionen Euro jährlich", sagt er. Dazu käme eine Wertminderung des Fischereiwassers von zehn Millionen Euro. Inzwischen verjagen die Otter auch die Fischer, die ihre Angeln lieber in der Steiermark oder im Ausland auswerfen. "2016 wurden um 1500 Fischereikarten weniger ausgegeben als 2015", klärt Eduard Blatnik von der Landesfischereivereinigung.

Habsburg-Lohringen schätzt, dass die bisherige Gesamt-Schadenssumme durch Otter bei 20 Millionen liegen könnte.

Bis Herbst schließt die Landesregierung jedoch eine Bejagung aus. Seit Jahresbeginn läuft ein Monitoring-Projekt, um zu belegen, dass die Zahl dieser Marder in Kärnten von 20 Individuen im Jahr 2004 auf inzwischen 600 explodiert ist. Erst dann ist eine politische Mehrheit für eine Abschluss- oder Entnahmeerlaubnis denkbar.