Chronik | Österreich
26.01.2018

Millionen-Pleite eines Anlagenbauers

Von Konkurs sind 89 Mitarbeiter betroffen, die Schulden betragen 21,53 Millionen Euro. Das Unternehmen sucht dringend einen Investor.

Die Situation dieses Betriebes ist wirklich bitter. „Das Unternehmen, das als Anlagenbauer zu den globalen Marktführern in der industriellen Abgasreinigung zählt, kann auf volle Auftragsbücher verweisen, verfügt über einen sehr guten Kundenstock und über ein funktionierendes Geschäftsmodell“, erklärt Firmenanwalt Clemens Jaufer von der KanzScherbaum-Seebacher Rechtsanwälte. „Dass dennoch der Konkursantrag eingebracht werden musste, liegt keineswegs daran, dass CTP keine Zukunft hat. Im Gegenteil: Obwohl sich starke Mitbewerber im Bereich der Umwelttechnik ebenso weiterentwickelt haben, konnte durch eine Konzentration der Vertriebs-Ressourcen auf die aussichtsreichsten Projekte in den vergangenen Geschäftsjahren ein Anstieg der Aufträge verzeichnet werden.“

Die Rede ist von der CTP Chemisch Thermische Prozesstechnik GmbH mit Sitz in Graz-St. Peter. Das Unternehmen brachte am Landesgericht für Graz laut Creditreform einen Antrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens ein. 89 Mitarbeiter und 400 Gläubiger sind davon betroffen. Zwei inländische Kauf-Interessenten soll es bereits geben. Zum Masseverwalter wurde der renommierte Sanierungsexperte und Anwalt Alexander Isola von der Kanzlei Graf & Pitkowitz ernannt.

Schulden und Vermögen

Die Passiva werden vom AKV und Creditreform mit rund 21,531 Millionen Euro beziffert, davon entfallen rund 7,014 Millionen Euro auf Lieferanten, rund 3,277 Millionen Euro auf Dienstnehmer und rund 8,711 Millionen Euro auf Bankverbindlichkeiten und Bankgarantien.

Die Aktiva werden mit rund 6,173 Millionen Euro beziffert, davon sind 4,5 Millionen Euro mit Pfandrechten belastet. Verpfändet sind die offenen Forderungen (2,911 Millionen Euro), teilweise das Bankguthaben (1,121 Millionen Euro) und die Wertpapiere (412.000 Euro). "Vorhandener Liegenschaftsbesitz bzw. ein Baurecht bezüglich des Betriebsstandortes sind ebenso hypothekarisch belastet", heißt es vom AKV. Der Wert der Grundstücke und Bauten wird mit 595.000 Euro beziffert. Bei diesen Beträgen handelt es sich bereits um Liquidationswerte, also um Beträge, die bei einer möglichen Verwertung erzielt werden könnten.

Die CTP zählt laut KSV1870 zu den führenden Unternehmen in der industriellen Abgasreinigung, wobei die Abgasreinigungsanlagen nicht nur die industrielle Luftverschmutzung verringern und damit zur Erhaltung der Luftreinheit beitragen kann, sondern den Auftraggebern auch die Abwärmerückgewinnung und Senkung ihres Energieverbrauches bringt. Das Unternehmen schrieb schon länger Verluste. Im Jahr 2014 wurden 20,26 Millionen Euro umgesetzt, der Jahresverlust betrug 2,18 Millionen Euro; im Jahr 2015 betrug der Verlust nur noch 972.600 Euro.

Es ist eine Sanierung geplant. „Wir haben den Umsatz seit 2015 stetig steigern können und beschreiten trotz der Tatsache, dass, wie im Anlagenbau üblich, nicht alle Projekte plangemäß realisiert werden konnten, eine Wachstumstangente", sagt Robert Kobierski, einer der beiden CTP-Geschäftsführer. "Wir haben extrem positive Erwartungen für das Geschäftsjahr 2018 und die dafür notwendigen Aufträge im Haus. Dafür wären allerdings im Vorfeld Finanzierungen notwendig gewesen, welche von den Eigentümern nicht unterstützt bzw. bereitgestellt worden sind. Darüber hinaus konnten aufgrund des Marktumfeldes zahlreiche Standardprojekte nicht mehr, wie in der Vergangenheit, akquiriert werden, weil sie, wie auch in anderen Branchen üblich, von Billiganbietern durchgeführt wurden. Unsere Fixkosten sind in dieser Zeit nahezu unverändert geblieben.“

Das Unternehmen gehört zu fast 75 Prozent der CTP Beteiligungsmanagement GmbH der FRamilien Schedler und Thalhammer, den Rest hält die Sinto Kogyo Kabushikigaisha, auch Sintokogio, Ltd, aus Japan. Der Rohertrag betrug 2016 rund 8,86 Millionen Euro, der Bilanzverlust 3,93 Millionen Euro. Der Verlustvortrag aus dem Jahr 2015 wird mit 2,97 Millionen Euro beziffert. CTP hat Tochterunternehmen in Schweden, Spanien, den USA sowie 51-Prozent-Beteiligungen in Korea und China.

Sämtliche Dienstnehmer, deren Löhne und Gehälter bis einschließlich Dezember 2017 bezahlt sind, wurden über die bevorstehende Insolvenzeröffnung in Kenntnis gesetzt. Die Überschuldung beträgt 15,4 Millionen Euro, der Investorenprozess wird weiter vorangetrieben werden. Clemens Jaufer: „Es steht fest, dass das Unternehmen einen strategischen Partner braucht. Ob am Ende ein Sanierungsplan beantragt wird, hängt dann vom konkreten Angebot bzw. der Angebotsstruktur des zum Zug kommenden Interessenten ab."