Den Forschern gingen mehr Kunststoffpartikel als Jungfische ins Netz.

© APA/UNIVERSITÄT WIEN/AARON LECHN

Umwelt
03/06/2014

Mehr Plastik als Jungfische in der Donau

Täglich werden vier Tonnen Plastikmüll ins Schwarze Meer gespült, so eine Studie der Uni Wien.

Eigentlich wollten die Limnologen der Uni Wien die Verbreitung von Fischlarven untersuchen. Als sie ihre dafür in die Donau zwischen Wien und Bratislava eingebrachten Netze leerten, war aber deutlich mehr Plastik als Jungfische in den Behältern. Eine Hochrechnung zeigte, dass die Donau täglich 4,2 Tonnen Plastikmüll ins Schwarze Meer spült, berichten sie im Fachjournal Environmental Pollution.

Die Wissenschafter des Departments für Limnologie und Ozeanographie der Universität Wien haben in den Jahren 2010 und 2012 mit trichterförmigen Netzen (Maschenweite ein halber Millimeter) an unterschiedlichen Stellen in Ufernähe der Donau Proben genommen. In nahezu allen fanden sie neben Fischlarven eine beträchtliche Zahl kleiner, makroskopisch sichtbarer Plastikpartikel, hieß es in einer Aussendung der Uni Wien.

Die Forscher rechneten daraufhin hoch, wie viel Plastik im gesamten Strom transportiert wird. Da sie davon ausgehen, dass in der Strommitte mit einer stärkeren Strömung die Kunststofffracht noch höher ist, "haben wir mit dieser Methode eher eine Unterschätzung", wie Hubert Keckeis betonte. Demnach transportiert die Donau zwischen Wien und Bratislava im Schnitt 317 Plastikpartikel (4,8 Gramm) und 275 Fischlarven (3,2 Gramm) pro 1.000 Kubikmeter Wasser.

Täglich 4,2 Tonnen Plastikmüll

Unter Berücksichtigung der Bevölkerungszahl der Einzugsgebiete und der Durchflussmenge haben die Wissenschafter die Menge der Plastikfracht auf die gesamten knapp 2.900 Fließkilometer von Europas zweitgrößtem Fluss hochgerechnet. Demnach spült die Donau täglich 4,2 Tonnen Plastikmüll ins Schwarze Meer. Im Jahr sind das 1.533 Tonnen - mehr als die geschätzte Menge des riesigen, durch Meeresströmungen zusammengeballten schwimmenden Plastikteppichs im Nordatlantik, wie es in der Arbeit heißt.

Bemerkenswert ist, dass es sich bei einem Großteil (79 Prozent) der in den Proben gefundenen Plastikpartikel um industrielles Rohmaterial handelt, etwa Pellets und Flakes. Der Rest waren andere, nicht näher zuordenbare Teile, die wahrscheinlich auf kommunalen Abfall zurückgehen.

"Globales Phänomen"

Keckeis bezeichnet diesen hohen Anteil an Rohprodukten als "erstaunlich", dies dürfte "ein globales Phänomen sein". Es sei auszuschließen, dass das Rohmaterial von einer einzigen Quelle kommt, der Eintrag in den Fluss könne beim Transport, beim Verladen oder der industriellen Fertigung passieren.

Unklar ist auch die Plastikfracht noch kleinerer Partikel bis in den Nanobereich, die von den Netzen mit einer Maschenweite von einem halben Millimeter nicht erfasst wurden. "Hier besteht noch großer Forschungsbedarf über die Größe dieses Anteils und was er bewirken kann", so Keckeis.

Die zunehmende Belastung mit Plastikmüll wurde bisher fast ausschließlich in den Meeren untersucht. Doch die Konsequenzen der Anreicherung des Kunststoffs in den marinen Systemen seien auch in Flüssen zu befürchten, betonen die Wissenschafter. So können etwa die Fische die Plastikteilchen mit Nahrung wie Kleinkrebsen, Insektenlarven und Fischeiern verwechseln.

Verwechslung

"Wenn die Dichte von potenziellen Nahrungspartikeln in der Umwelt eine bestimmte Grenze überschreitet, werden diese bevorzugt als Beute aufgenommen - Plastik hat so einen kritischen Wert erreicht", sagte Keckeis. Zudem würden etwa Pellets Fischeiern - einer begehrten Proteinquelle - zum Verwechseln ähnlichsehen.

Nehmen Fische diese Plastikpartikel auf, können die Folgen von einem vorgetäuschten Sättigungsgefühl über mechanische Verstopfung und Verletzung des Darmtraktes bis zum Tod führen. Vieles weist auch darauf hin, dass die Aufnahme von Plastikpartikeln zu einer Akkumulation löslicher Zusatzstoffe wie Phthalaten oder Bisphenol A in der Nahrungskette führen kann, wodurch auch der Mensch betroffen ist. Diese Chemikalien sind gesundheitsschädlich bzw. hormonell wirksam.

Environmental Pollution

Uni Wien

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