Achtung Kontrolle: Die Wiener Lebensmittel-Inspektoren haben jetzt die Döner-Spieße im Visier.

© Michaela Reibenwein

Lebensmittel-Kontrollen
02/18/2013

Marktamt: Jagd auf Schweine-Döner

Was mit englischer Pferde-Lasagne begonnen hat, hat nun auch die heimischen Kebab-Verkäufer erreicht. Das Marktamt ist im Dauereinsatz.

von Michaela Reibenwein

Pferdefleisch in der Lasagne, Schweinefleisch im Döner: Was in Großbritannien seinen Ausgang genommen hat, hat längst Deutschland und Österreich erreicht. Nicht immer ist im Produkt drin, was draufsteht. Und das betrifft längst nicht mehr nur Fertiggerichte. Europol ermittelt, in England gab es bereits Festnahmen. Die EU überlegt dauerhafte DNA-Tests für Fleisch. Der Handel forderte bereits schriftliche Garantien von seinen Lieferanten ein und nimmt vorsorglich Produkte aus den Regalen – so etwa die Lebensmittelkette Lidl, die jetzt auch Penne Bolognese aus den Geschäften verbannt hat. Zunächst vorausschauend. Eine Eigenuntersuchung habe nun den Verdacht auf Pferdefleisch bestätigt, erklärte ein Unternehmenssprecher Montag Abend. Wie groß der Pferdefleisch-Anteil ist, konnte er nicht sagen.

Der Pferdefleisch-Skandal hat in ganz Europa Kreise gezogen. Und die heimischen Lebensmittel-Kontrolleure haben die Konsequenzen gezogen. Die rund 80 Lebensmittel-Inspektoren des Wiener Marktamtes haben seit Auffliegen des Skandals neben Supermarkt-Kühlvitrinen und Frischfleisch-Lieferanten ein bevorzugtes Ziel. Ins Visier der Lebensmittel-Fahnder sind die Döner-Buden gerückt.

„Seit vergangener Woche kontrollieren wir verstärkt Kebab-Stände“, sagt Marktamtssprecher Alexander Hengl. Rund 40 Proben werden genommen. Bis jetzt wurde allerdings kein Döner-Schwindel entdeckt. „Das ist bei uns ziemlich selten, den letzten Fall hatten wir vor fünf Jahren“, erklärt Hengl. Doch dem Zufall will man nichts überlassen. Auch Rindfleisch-Würste werden verstärkt geprüft.

Eigene Schlachtung

Ali Cicek nimmt die Kontrollen gelassen. Der Filialchef der Döner-Kette „Türkis“ weiß, woher das Fleisch für seine Spieße kommt. „Wir sind ein Familienbetrieb mit 17 Filialen. Wir machen die Spieße selbst, ein Verwandter schlachtet die Rinder.“ Dass Schwein oder sogar Pferd in seinem Fleisch zu finden ist, schließt er aus. „Ich weiß genau, was ich verkaufe.“ Und das würden auch die Kunden wissen. „Uns gibt’s seit 21 Jahren. Es hat noch nie Probleme gegeben. Jeder weiß, unsere Ware ist gut.“ Dass in Deutschland allerdings Schweinefleisch in den Rinder-Spießen gefunden wurde, gefällt ihm gar nicht. „Das schadet uns allen“, meint er. Wobei: Seine Kunden seien nicht verunsichert. Das Geschäft läuft. Trotz der Negativ-Schlagzeilen.

Auch der Handel verzeichnet bisher keine Rückgänge beim Verkauf von Tiefkühl-Gerichten. Und das, obwohl falsch deklarierte Ware kein Zufall ist – das zumindest hat das Wiener Marktamt bei der bereits beanstandeten Tortelloni-Probe von Lidl, festgestellt. „Nicht nur in einer Charge war Pferdefleisch. Zumindest in einer weiteren konnten wir Pferdefleisch nachweisen“, sagt Hengl. Verunsicherte Konsumenten würden sich verstärkt melden. „Im Zweifel können sie die Ware zu uns bringen, wir kontrollieren sie im Labor.“

Die AGES (Agentur für Ernährungssicherheit) hat in der Zwischenzeit aus allen Bundesländern 37 Proben erhalten. Kontrolliert werden derzeit nur Fertigprodukte, Ergebnisse soll es im Lauf der Woche geben. „Grundsätzlich sind Schwerpunktaktionen erweiterbar“, sagt Fabian Fußeis, Sprecher des Gesundheitsministeriums.

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