Steiermark
03/15/2017

Mann mauerte Frau im Keller ein

Leiche in Beton unter Stiege versteckt. Verdächtiger wohnte darüber - mit seiner Tochter.

von Elisabeth Holzer

Abgängiger. Entführungsopfer. Und nun Verdächtiger in einem Mordfall.

Seit drei Monaten hat ein 40-jähriger Obersteirer mehrere Rollen in polizeilichen Ermittlungen gespielt, die jüngste ist allerdings die heftigste: In Christian T.s Haus in Mariazell wurde eine Frauenleiche gefunden, eingemauert in seinem Keller. In den Stockwerken darüber wohnte der Steirer - mit seiner 17-jährigen Tochter.

Das Landeskriminalamt ermittelt wegen Mordverdachts. T. gestand gestern, die Leiche bereits am 5. Dezember einbetoniert zu haben. Da sei das Opfer "schon kalt" im Schlafzimmer gelegen, schilderte der Verdächtige dem Chefermittler Anton Kiesl: "Sie habe nur einen Bademantel angehabt. Er hat Panik gekriegt."

Panik, weil er nicht sicher gewesen sei, ob er mit dem Tod der Frau etwas zu tun haben könnte. Er habe Tabletten genommen und sich "im Rausch" befunden.

Wäsche verbrannt

Der weitere Ablauf klingt allerdings durchdacht. Der 40-Jährige soll seine Tochter zur Arbeit chauffiert haben. Danach soll er eimerweise Beton zusammengemischt haben und die Leiche im Keller unter einer Stiege eingemauert haben. Auch die Unterwäsche habe er verbrannt, daran konnte sich der Verdächtige gestern doch erinnern. Und mehr noch: Eigentlich habe er sie zerstückeln und verbrennen wollen, gab er laut Kiesl zu. "Aber davor hat’s mir gegraust", soll der Mann gestanden haben. Seit Montagabend versucht die Polizei, die Leiche freizulegen: Eine Schlagbohrmaschine reichte nicht, zentimeterweise muss der Beton abgetragen werden.

Das Opfer stammte aus Ungarn und soll als Prostituierte gearbeitet habe. Die 42-Jährige sagte aber ihrer Familie, wo sie sich befand: Als die Verwandten tagelang nichts von ihr hörten, fragten sie bei T. nach in dem Moment bekam der Verdächtige offenbar Angst: Die Ungarn hätten ihn unter Druck gesetzt und sein Kind bedroht, beteuerte er am Dienstag.

Deshalb habe er sich entschlossen, die eigene Entführung vorzutäuschen: Dann sei viel Polizei vor seinem Haus, das wäre abschreckend. Am 11. Dezember verschwand er aus dem Einfamilienhaus, ohne seine Tochter zu informieren. Die ahnungslose 17-Jährige alarmierte die Polizei und meldete ihren Vater als vermisst. Ab 17. Dezember fahndete die Polizei mittels Foto nach ihm: Es werde ein Unfall befürchtet.

Nahezu zeitgleich ging bei den ungarischen Polizeistellen eine Vermisstenanzeige ein: Die Verwandten der 42-Jährigen meldeten sie als abgängig. Weil die Frau auch einen Nebenwohnsitz in Leoben gemeldet hatte, wurde auch die steirische Polizei informiert.

Drei Tage später, am 20. Dezember. Ein unterkühlter und verwirrt wirkender Mann im Jogginganzug wankte in die Polizeiinspektion Sollenau in Niederösterreich Christian T.: Er behauptete, irgendwo in Ungarn aus einem Kastenwagen gestoßen worden zu sein. Vier Männer hätten ihn entführt.

Die Entführungsversion hielt nicht lange. Nach zwei Tagen gestand T., er sei "einfach untergetaucht", angeblich, weil seine Tochter in Gefahr gewesen sei. Bei der Einvernahme am Dienstag klärte sich, wodurch: Die Familie des Opfers habe gedroht, die 17-Jährige zu entführen und zur Prostitution zu zwingen.

Monatelang ging T. danach weiterhin zur Arbeit er ist Maschinist und wohnte mit dem Mädchen in dem Haus. Am kam aber ein brisanter Tipp: Im Haus des Steirers könnte eine Leiche sein. Da die vermisste Ungarin immer noch nicht gefunden war, gab es Montag eine Hausdursuchung und die Spürhunde schlugen an.

T.s Nachbarn sind schockiert. Wolfgang Renth kennt den Verdächtigen seit 15 Jahren. "Er hat zurückgezogen gelebt, war aber durchaus umgänglich. Du hast normal mit ihm plaudern können. Gott sein Dank ist den Mädchen nichts passiert." T. hat noch eine zweite Tochter, die bei der Mutter lebt.

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