APA13388840 - 25062013 - SALZBURG - ÖSTERREICH: ZU APA172 II - Der neue Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) bei einem Interview mit der Austria Presse Agentur (APA), am Montag, 24. Juni 2013, in Salzburg. APA-FOTO: BARBARA GINDL

© APA/BARBARA GINDL

Interview
08/23/2013

„Man benötigt zwei Sachen: Demut und das Götz-Zitat“

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) über Bettler, „Bande“ & Burgstaller.

von Niki Nussbaumer

KURIER: „Herr Landeshauptmann“ – wie hört sich das an?
Wilfried Haslauer:
Ungewohnt. Aber es ist das, worauf ich hingearbeitet habe.

Man sagte Ihnen manchmal nach, dass Sie hölzern und unnahbar seien. Nun wirken Sie lockerer. Wie froh sind Sie, aus dem Schatten von Gabi Burgstaller getreten zu sein?
Das hat damit nichts zu tun. Ich war natürlich beruflich geprägt – als Anwalt geht es nicht darum, besonders leutselig aufzutreten . Im Gegenteil, in dem Beruf muss man sachlich bleiben. Das ist in der Politik anders. Da ist das Verhältnis von Emotionalität zu Rationalität 80:20. Ich habe gelernt, die Emotionalität aus mir rauszulassen.

Sie haben früher öfter gesagt, Burgstaller sei für die Show zuständig und Sie für Sachpolitik und Inhalte. Empfinden Sie es als Genugtuung, dass die Wähler die Regierung Burgstaller abgewählt haben?
Das hat mit persönlicher Genugtuung nichts zu tun. Wenn man in die Politik geht, weiß man, dass es auch einen selber einmal erwischen kann. Es ist schon bemerkenswert für unsere Gesellschaft, dass eine Frau, die politisch so in die Himmel gehoben wurde, jetzt so aus der Öffentlichkeit verschwunden ist. Das muss man wissen. Man hat ein geliehenes Amt und Sympathien auf Zeit. Mein Vater hat es überspitzt formuliert: Man muss immer zwei Sachen in der Tasche haben – Demut und das Götz-Zitat. Man muss nur wissen, wann man was zieht.

Was wollen Sie anders machen als Ihre Vorgängerin?
Salzburg tut es gut, dass es nicht mehr Streit und Auseinandersetzung gibt. Wir haben nun ein anderes Klima; konstruktiv, herzlich, über politische Grenzen hinweg. Wir haben eine Koalition des Miteinanders: Nicht mehr den anderen Partner belauern und ihm ja keinen Erfolg gönnen, sondern wir halten zusammen und freuen uns über Erfolge der anderen.

Sie haben die SPÖ als Bande bezeichnet – tut Ihnen das leid?
Das ist in einer aufgeheizten Situation passiert. Ich habe auch nicht die SPÖ als Ganzes gemeint, sondern Leute, die Glücksrittern ähnlich versucht haben, Karriere zu machen.

Im Team Stronach gab's in den schon die ersten Differenzen. Haben Sie Angst, dass Sie sich da einen unsicheren Partner eingehandelt haben?
Ich habe überhaupt keine Angst. Hätte ich Angst, wäre ich ungeeignet für diese Funktion. Das ist eine neue Situation, die es in Österreich noch nie gegeben hat: eine frei gewählt Koalition mit drei Partnern (Grüne und Stronach, Anm.). Natürlich gibt es da Anlaufschwierigkeiten.

Ist das Team Stronach für die ÖVP auch auf Bundesebene ein möglicher Partner?
Das muss der Vizekanzler sagen, das hängt auch vom Wahlergebnis ab. Für uns ist jede Partei ein denkbarer Koalitionspartner. Es muss aber die politische und die persönliche Ebene stimmen.

Was sind die großen Sachthemen der nächsten Jahre?
Kernaufgabe wird das Budget sein. Bis 2016 wollen wir einen ausgeglichen Haushalt haben und ab 2017 die Schulden zurückzahlen. Wohnen ist zu teuer und es gibt zu wenig Wohnflächen; da sind gesetzgeberische Maßnahmen in der Wohnbauförderung und in der Raumordnung nötig.

Ein Thema, das Salzburg bewegt, ist das Problem mit Bettlern aus Südosteuropa. In der Stadt Salzburg hat man ein Gesetz beschlossen, das nur aggressives und organisiertes Betteln verbietet. Reicht das oder wollen Sie ein generelles Bettelverbot für Salzburg?
Ich wäre für eine schärfere Linie. Erstens aufgrund der Intensität, zweitens weil hinter dieser Art des Bettelns zum Teil eine organisierte Gewerbstätigkeit steht. Manchmal werden Gebrechen auch nur vorgetäuscht.

Wenn man Pech hat, braucht man mit dem Bus vom Mirabellplatz bis zum Justizgebäude 15 Minuten. Wie viel Verkehr erträgt die Stadt noch?
Wir Autofahrer sind auch selbst schuld. Wir wissen, dass nur in jedem 13. Auto ein Beifahrer sitzt. Da braucht man sich nicht wundern, wenn’s staut.

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