Chronik | Österreich
02.05.2017

Maibaum gefällt: 5000 Euro für Hinweise

Mit der Motorsäge rückten Unbekannte in Seiersberg an. Schäden rund um das Gemeindeamt.

Geschält und geschmückt ragen in vielen Gemeinden Österreichs die Maibäume in die Höhe. In manchen fehlt das Fruchtbarkeitssymbol, weil es nach altem Brauch gestohlen oder der Aufbau durch einen Streich verhindert wurde. Die Gemeinde Seiersberg-Pirka (Graz-Umgebung) hat allerdings ein Alleinstellungsmerkmal: hier wurde der Baum radikal mit einer Motorsäge gefällt, es entstand durch die Tat erheblicher Sachschaden. Und hier setzt der Bürgermeister jetzt 5000 Euro aus dem Gemeindebudget für entscheidende Hinweise zur Ergreifung der Täter aus.

"Wir werden ein derartiges Verhalten nicht als Lausbubenstreich oder unter dem Deckmantel von Brauchtum hinnehmen", begründet Werner Baumann ( SPÖ), Bürgermeister von Seiersberg-Pirka, sein Vorgehen. Immerhin stehe er für eine "Null-Toleranz-Linie".

Am Sonntag hatten Brauchtumsverbände einen 26 Meter hohen Baum vor dem Gemeindeamt aufgestellt. Um zu verhindern, dass er abgesägt werden kann, wurde der Unterteil des Stammes mit Metallschienen versehen. Unbekannte kletterten jedoch Montagnacht auf den Baum und schnitten ihn in 3,10 Metern Höhe ab. "Der Maibaum ist in die falsche Richtung gefallen, der Wipfel landete am Amt, der Platz davor wurde stark beschädigt. Da hier eine Straße vorbeiführt, wurde Menschenleben gefährdet", erklärt Baumann. Mit einer Anzeige sei es nicht getan, begründete er die 5000 Euro "Ergreifungsprämie". Sollten mehrere Personen Hinweise liefern, wird geteilt. Weil die Summe aus der Gemeindekassa berappt wird, gab es einen Gemeinderatsbeschluss mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und FPÖ.

Auch auf der Gemeindehomepage wird zur Jagd nach den Tätern geblasen – mit der Bitte, man möge Infos an die Mailadresse der Gemeinde gde@seiersberg-pirka-gv.at schicken und mit dem Vermerk, dass die Hinweise vertraulich behandelt würden. Auf die KURIER-Anfrage, warum nicht die Polizei als Kontaktadressat angegeben sei, meinte Baumann, da sei ein Fehler passiert. Am Nachmittag schien auf der Homepage der Posten Seiersberg als Ansprechpartner auf.

Weiteres Lockmittel

Der oder die Täter könnten ebenfalls von der "Ergreifungsprämie" profitieren. "Stellt sich der Täter von selbst, werden die 5000 Euro von der Gesamtschadenssumme angezogen", macht der Bürgermeister deutlich.

Möglicherweise geht es nicht nur um Vandalismus und Sachbeschädigung. 24 Stunden vor der Tat wurden in der Gemeinde drei kleinere Brände gelegt, ebenso oft musste die Feuerwehr ausrücken. Eine Verbindung der Sachverhalte wird geprüft.